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Wohnungsmarkt völlig überlaufen: Riesen-Ansturm auf Tiny-Haus-Siedlung in Oberbayern - Nachfrage „ist irre“

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Von: Laetitia Foerster

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Auf einem Baugrund liegen kleine Betonplatten.
Die Grundrisse zeigen bereits, wo die Minihäuser an der Unterammergauer Hofstadelstraße voraussichtlich ab März 2022 stehen werden. Wegen der Pandemie kam es zu Lieferengpässen beim Baumaterial. © Laetitia Foerster

Nicht mehr allzu lange, dann soll in Unterammergau eine Tiny-Haus-Siedlung stehen. Doch wegen Corona geht es mit dem Projekt momentan eher schleppend voran.

Unterammergau – Sie können sich vor Anfragen kaum retten. Die geplante Tiny-Haus-Siedlung in Unterammergau hat bereits zahlreiche Interessenten. „Wir merken, dass der Bedarf irre ist, junge Leute sind händeringend auf der Suche“, sagt Manuela Schädle. Sie und ihr Lebensgefährte Bernd Klöpper möchten mit ihren Minihäusern die Möglichkeit zum Eigenheim ermöglich – auch für Personen der unteren Altersklassen. Doch verzögert sich der Baufortschritt nun um ein halbes Jahr. Anfang März 2022 sollen die ersten Häuser stehen.

Tiny-Haus-Siedlung in Unterammergau: Paar kann sich vor Anfragen kaum retten

Schon seit einiger Zeit planen beide ein außergewöhnliches und im Landkreis einmaliges Projekt. Der Gemeinderat hat im vergangenen Jahr den ambitionierten Plänen zugestimmt. An der Hofstadelstraße in Unterammergau ist der Startschuss für das Pilotprojekt bereits gefallen.

Tiny-Häuser in Garmisch-Partenkirchen: Wegen Corona verzögert sich Fertigstellung

Der Grundriss für das Gemeinschaftsgebäude steht bereits. Die zukünftigen Plätze der Tiny-Häuser sind ausgewiesen. Der aktuelle Stand: Es geht voran, aber schleppend. Die Baulieferungen verzögern sich aufgrund der Pandemie immens. Eigentlich sollte das Viertel schon fertig sein, die Bewohner ihr Eigenheim bereits bezogen haben. „Der Bau wurde um ein halbes Jahr verschoben“, sagt Schädle. Anfang Januar müssten die Materialien dann aber bereit stehen. „Der Einzug ist dann für Anfang März geplant.“

Freuen sich auf die Fertigstellung: Bernd Klöpper (l.) und Manuela Schädle vor einem der künftigen Tiny-Häuser.
Freuen sich auf die Fertigstellung: Bernd Klöpper (l.) und Manuela Schädle vor einem der künftigen Tiny-Häuser. © Laetitia Foerster

Dennoch sind die Bauherren nicht entmutigt: „Wir arbeiten mit tollen Firmen zusammen.“ Regionalität sei der Schlüssel zum Erfolg. So übernimmt die hiesige Zimmerei Gaida den Außenbau, die Schreinerei Huber gestaltet den Innenraum. Die Häuser sind auf eine Länge von 6,7 Metern, einer Breite von drei Metern und einer Höhe von rund dreieinhalb Metern konzipiert. 75 Kubikmeter zum Leben – für viele vollkommen ausreichend, wie die große Nachfrage bei Schädle zeigt.

Sechs Eigenheime plus einem Gemeinschaftsgebäude, das von allen gleichermaßen genutzt wird, entstehen auf rund 1000 Quadratmetern. „Dort hat jeder seinen Abstellraum und es gibt eine Waschmaschine“, erklärt Schädle. In der Mitte des Geländes: „Eine Feuerstelle umrahmt von Hochbeeten.“ Den Grund verpachtet die Unterammergauerin an die zukünftigen Besitzer. Das Klischee vom Hippie im Tinyhaus? Fehlanzeige. „Das sind Leute vom bürgerlichen Durchschnitt.“

Tiny-Häuser in Bayern: Erste Interessenten kommen aus klassischer Mittelschicht

Ein Polizist, ein Mediendesigner und ein Krankenpfleger sind nur einige der Berufsgruppen, die sich den Traum der eigenen kleinen vier Wänden erfüllen wollen. Sogar ein Pärchen mit Kinderwunsch wagt sich an das Minihaus und stellt gleich zwei Exemplare aneinander, um doch ein wenig mehr Platz für ihren Nachwuchs zu schaffen. „Mit knapp 50 Quadratmetern hat das Modell dann mehr als so manche Wohnung“, sagt Schädle.

Alles, was das Herz begehrt auf 17 Quadratmetern. Die Minihäuser sind begehrt in allen Gesellschaftsschichten.
Alles, was das Herz begehrt auf 17 Quadratmetern. Die Minihäuser sind begehrt in allen Gesellschaftsschichten. © Laetitia Foerster

Rund 70 000 bis 80 000 Euro kostet ein Häuschen. „Die Banken finanzieren das fast ohne Eigenkapital“, berichtet Klöpper. Die Kreditinstitute seien für die Investition in ein Tiny-Haus offen. „Wir verkaufen ja keine Immobilie, sondern eine Mobile.“

Ein wenig zu kämpfen hatten die Bauherren jedoch mit der Bürokratie. „Die Bauordnungsregulare sind umständlich geworden“, meint Klöpper. „Erleichterungen vom Bauamt wären toll“, fügt seine Lebensgefährtin hinzu. Von den Behörden würde sich das Paar eine Vereinfachung wünschen. „Wir bauen nur kleine Häuser, keine Ideologien“, sagt Klöpper. Dennoch habe sich das Landratsamt für den Bau eingesetzt. „Die Tiny-Häuser kommen sehr gut an, auch der Gemeinderat war sehr offen und hat uns unterstützt.“

Wegen zu teurer Mieten: Riesiger Bedarf an Tiny-Häusern - „Wohnungssuche ist verheerend“

Nicht nur im Rathaus, sondern auch bei den Bewohnern erfreuen sich die kleinen Häuser an Beliebtheit. Der Bedarf ist riesig: „Die Menschen sind unglücklich“, beteuert Klöpper. Viele sehen im Landkreis keine Möglichkeit mehr zu leben. Zu teure Mieten, zu wenige bezahlbare Angebote – und eine große Konkurrenz.

„Die Wohnungssuche ist verheerend“, stellt die Unterammergauerin fest. Auch sei eine Mietwohnung nicht immer zufriedenstellend. Und ein Eigenbau kostet. „Die Immobilienpreise sind krass“, sagt Schädle. Keiner will sich mehr verschulden. „Der wirtschaftlichen Situation gerechtfertigt“, merkt Klöpper an. Die Soziale Komponente fehle. Die Leute haben oft keine Möglichkeiten. Wer nicht erbt, der nicht baut.

Einen weiteren Knackpunkt sieht Klöpper auch in den Einheimischen-Modellen, die laut dem Handwerker nicht so funktionieren, wie sie es sollen: teure Randgebiete, teilweise dicht an dicht – eben dort, wo selten jemand hinziehen möchte. „Wir wollen mit unserem Pilotprojekt weitere Gemeinden, sei es im eigenen Landkreis oder übergreifend, kontaktieren“, erklärt Schädle. Die Leute so wohnen zu lassen, wie sie wohnen wollen. „Da sollte eigentlich nichts dagegensprechen“, meint Klöpper.

Bei Interesse an einem eigenen Miniheim, steht Arthur Böhme in Oberammergau unter der Telefonnummer 0162/8538893 zur Verfügung. Auch Grundbesitzer, die an Personen mit Tinyhäusern verpachten möchten, können sich bei Böhme melden.

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