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Von der großen Lagerhalle ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ob die Halle tatsächlich wieder neu aufgebaut wird, entscheiden die Genossen.

Genossen beraten sich

Holzindustrie: Die Zukunft nach dem Inferno

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Noch immer liegt ein leichter Brandgeruch über dem Areal der Holzindustrie. Wie es mit dieser nach dem Großbrand Anfang Oktober weiter geht, darüber gibt es nun Gespräche.

Unterammergau – Die Spuren des Flammen-Infernos sind allgegenwärtig: Schwarzer Schutt, zerborstene Scheiben, Mauerreste, verbrannte Fahrzeuge. Dieses Ereignis wird wohl noch lange nachwirken im Dorf. Doch eine Frage drängt sich mit jedem Tag mehr auf: Wie geht es mit der Holzindustrie weiter? Zu einer Weichenstellung könnte es schon an diesem Samstag, 21.Oktober, kommen.

Eines zeichnete die Verantwortlichen der HU immer aus – Unternehmermut. Als das Gewerbe der Wetzsteinmacherei zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgrund der zunehmenden Technisierung mehr und mehr zurückging, gründeten neun Landwirte und Waldbesitzer im Dorf im September 1928 eine Sägewerksgenossenschaft. 22 500 Goldmark zahlte man damals an das Bankhaus Kapfer in Murnau für das Sägewerk, das zwei Jahre vorher in Konkurs gegangen war. In die Aufbauphase hinein forderten die Weltwirtschaftskrise 1930/1933, der Zweite Weltkrieg und schließlich ein großer Brand der Werkshalle und des Holzlagers im August 1946 die Verantwortlichen immer wieder aufs Neue. Doch diese Zeiten schweißten zusammen, und die HU entwickelte sich zu einem florierenden mittelständischen Unternehmen, das in den Nachkriegsjahren mal bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigte.

Erneut ein schwarzer Tag in der Firmengeschichte war der 25. Juni 2013, als 39 Genossen der HU die „Liquidation“ des bald seit 85 Jahren bestehenden Holzverarbeitungsbetriebs beschlossen. Nach einer Phase der Konsolidierung mit Schuldenabbau ging es mit einem kleinen Holzhandel weiter, ehe nun am Abend des 2. Oktober erneut ein schwerer Schicksalsschlag die Holzindustrie traf und auf dem Gelände ein verheerendes Großfeuer wütete.

Holzfachkraft gesucht

Mal wieder stehen die Verantwortlichen vor der Entscheidung, wie es weitergehen soll. Geschäftsführer Martin Beßenbacher: „Es ist derzeit auf jeden Fall so, dass es uns noch gibt. Durch den den Brand sind eine große Lagerhalle und ein Garagengebäude zerstört worden, ebenso ein Großteil unserer Lagerbestände. Aber wir sind weiterhin erreichbar, bekommen wieder Ware, können alles bestellen. Kunden erreichen uns zu den üblichen Öffnungszeiten telefonisch, per E-Mail oder vor Ort.“

Über die weitere Zukunft beraten (und entscheiden?) nun die 45 Genossen in einer Generalversammlung am Samstagabend im Gasthof Stern. Vorstand (Martin Beßenbacher, Anton Burkart, Andreas Gassenhuber) und Aufsichtsrat (Hans Gaida, Hubert Daser jr., Dominikus Huber) stehen in einem engen Austausch. Der Geschäftsführer: „Die Lagerhalle war zum Neuwert versichert. Wir müssen jetzt abwarten, was bei der Versicherung herauskommt. Dann können wir uns mit dem Thema Neubau befassen.“

Großbrand in Holz-Betrieb in Unterammergau: Bilder

Erfreulich für die Genossen ist auf jeden Fall, dass der Betrieb inzwischen keine Schulden mehr hat „und das Geschäft in letzter Zeit ganz gut gelaufen ist“. Eine neue Lagerhalle, wenn sie denn kommt, wünscht sich Beßenbacher zentraler, näher zum Hauptgebäude hin: „Dann werden die Wege kürzer.“ Außerdem plädiert der HU-Sprecher dafür, das Personal aufzustocken: „Mit der jetzigen Minibesetzung kann man nicht vernünftig arbeiten. Wir suchen seit einiger Zeit intensiv eine Holzfachkraft beziehungsweise eine Betriebswirt, der unser Team verstärkt. Wenn wir eine fähige Kraft finden, und der Hallenneubau finanziell zu stemmen ist, sehe ich gute Chancen, dass es mit der Holzindustrie weitergeht. Dieser Meinung sind auch meine Kollegen von Vorstand und Aufsichtsrat.“

Entscheidend jedoch bleibt, welche Meinung die Mitglieder am Samstag vertreten. Es kann wieder so ein Abend werden, von dem ein Zeichen ausgeht, ein positives Zeichen, dass es trotz des erneuten Rückschlags weitergeht, weitergehen muss. Es wäre nicht das erste Mal in der langen, traditionsreichen Geschichte der HU, dass man bei allen negativen Ereignissen mit Zuversicht und Mut in die Zukunft blickt.

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