Ein Baugerüst steht im Vordergrund einer Berghütte.
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Ein Gerüst an der Nordseite weist auf die Sanierungsarbeiten des August-Schuster-Hauses hin.

DAV läutet Öko-Zeitalter ein

Pürschling: Anschluss an kommunales Wasser- und Kanalnetz

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Der Pürschling soll zukünftig an das Wasser- und Kanalnetz der Gemeinde Unterammergau angeschlossen werden. Kostenpunkt: 1,8 Millionen Euro.

Eingeschränkt und klar reglementiert ist derzeit der Betrieb auf vielen Berghütten in der Region. Auch im Gebirge ist das Coronavirus eben allgegenwärtig. Keine Ausnahme macht hier der Pürschling auf 1566 Metern, der Hausberg von Unterammergau. Das August-Schuster-Haus wird seit elf Jahren von den Pächtern Hubert Spindler und Christine Claussen geführt und läuft derzeit als „Kiosk-Betrieb“ (Verkauf über ein Fenster): Die Wirtsstube ist gesperrt. Und die Möglichkeit, zu übernachten, ist schon seit längerem nicht mehr gegeben. „Wir machen das Beste aus der Situation“, verbreitet der Hüttenwirt als Daueroptimist gute Stimmung. Obwohl auch für ihn die Situation alles andere als befriedigend ist.

Dass der Pürschling schon länger keine Übernachter mehr aufnehmen kann, hängt mit einer amtlichen brandschutztechnischen Auflage zusammen. Zunächst gab es keinen zweiten Fluchtweg. Der ist inzwischen durch den Bau einer Außentreppe an der Westseite geschaffen worden. Dies wiederum veranlasste die Sektion Bergland des DAV München als Eigentümer, mit der Fluchttreppe auch eine Sanierung der sanitären Anlagen in Angriff zu nehmen. Stefan Kehl, seit einem Jahr Vorsitzender der Sektion: „Irgendwann wären die Toiletten sowieso daher gekommen, also haben wir es jetzt mit der Außentreppe verbunden“. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange und sollten, so hofft Kehl, bis Anfang Oktober abgeschlossen sein. Die Kostenschätzung liegt bei rund 350 000 Euro. Im Einzelnen stehen folgende Verbesserungen an: Erweiterung und Sanierung der Toiletten-/Sanitäranlagen, Einbau von Duschen und neuen Waschräumen im Obergeschoss, Schaffung eines Gruppenraums. Im Parterre entsteht außerdem ein neuer, größerer Schuh- und Rucksackraum. Dazu der Sektions-Chef: „Dort wird es auch eine Mikrowelle geben, wodurch Hüttenschlafsäcke soweit erhitzt werden, dass Bettwanzen abgetötet werden.“ Zur Erinnerung: Im Herbst 2016 war ein massiver Befall dieser Wanzen im Pürschlinghaus festgestellt worden. Derzeit sei die Plage nach den Worten von Stefan Kehl kein Problem und kein Thema mehr.

Wenn die neuen Duschen in der Unterkunft fertig sind, dann können diese bis auf Weiteres nicht benutzt werden. Der Vorsitzende: „Wir müssen die Ver- und Entsorgung der Hütte, sprich Frischwasser und Abwasser, auf ganz neue Füße stellen und eine dauerhafte Lösung finden. Vor allem aus ökologischen Gründen, und weil die vorhandenen Quellen immer mehr versiegen.“ Im Klartext bedeutet dies: Der Pürschling muss an das Wasser- und Kanalnetz der Gemeinde Unterammergau angeschlossen werden. Dazu laufen bereits seit längerem intensive Gespräche mit der Gemeinde und den Grundstückseigentümern (Heimweide, Privatwaldgemeinschaft).

1,8 Millionen Euro kostet die zirka fünf Kilometer lange Strecke

Stefan Kehl spricht von einem „Riesenprojekt“: Auf 1,8 Millionen Euro wird der Aufwand geschätzt, die zirka fünf Kilometer lange Strecke der Wasser- und Abwasserleitung vom Dorf zum Berg zu überwinden. Der Alpenverein hofft auf einen Zuschuss des Freistaats Bayern von 75 Prozent, ein Viertel trägt die Sektion Bergland selbst, die derzeit knapp 800 Mitglieder umfasst. Die Gemeinde werde nach den Worten von Kehl finanziell nicht herangezogen. Der Vorsitzende wünscht sich, dass nächstes Jahr mit den Grabungsarbeiten begonnen werden kann. Die Bauzeit ist auf ein ganzes Jahr veranschlagt.

Mit der Fertigstellung der Versorgungsleitungen könnten auch wieder Übernachtungsgäste (59 Schlafplätze stehen zur Verfügung) aufgenommen werden. Dies würde sich auch positiv auf die Finanzen der Alpenvereinssektion auswirken, denn durch die Sperrung der Schlafräume wegen der Bettwanzen sowie aufgrund der laufenden Umbauarbeiten sind dem Alpenverein bisher schon reichlich Einnahmen weggebrochen. Geld, das die relativ kleine Sektion Bergland dringend benötigt. Im Gegensatz zu anderen „Abteilungen“ verfügen die Bergländer nur über zwei Hütten, den Pürschling und den Brunnenkopf. Von daher wird der Vorstand um Stefan Kehl darauf drängen, dass die Arbeiten so zügig wie möglich umgesetzt werden. Entscheidend wird indes sein, wie sich die Corona-Pandemie national wie international weiter entwickelt.

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