+
Um ihn geht‘s: der in die Jahre gekommene Bauwagen des Waldkindergartens. 

Vorwürfe im Gemeinderat

Schlechte Stimmung im Ammertal

Anträge des Waldkindergartens haben für einen Zwist zwischen Unter- und Oberammergau gesorgt. Es geht um die Zusammenarbeit. Und ums liebe Geld.

Ober-/Unterammergau – Wenn es um die Kinderbetreuung geht, sind die Gemeinden in der gesetzlichen Bringschuld. Was die Bereitstellung von Betreuungsplätzen angeht. Anders ist es bei einem privaten Verein wie dem Waldkindergarten Oberammergau. Wie berichtet, braucht die Einrichtung einen neuen Bauwagen und hat auf Unterstützung von Seiten der Politik gehofft. Doch die Anträge, die in Unterammergau und Oberammergau den Gemeinderäten auf den Tisch geflattert sind, haben für schlechte Stimmung zwischen den Gremien gesorgt. Etwas, was sich nach den jüngsten Entscheidungen wohl nicht ändern wird.

Denn die Lokalpolitiker in Unterammergau haben eine Zweigstelle des Kindergarten-Vereins abgelehnt. Zu den Gründen sagte Bürgermeister Michael Gansler (FDU) in der Sitzung nicht viel. Auf Anfrage betonte er erneut, dass die Kommune selbst eine halbe Million Euro in die Hand nimmt, um ihr eigenes Betreuungsangebot zu erweitern. Die Unterstützung des Waldkindergartens „ist keine Pflichtaufgabe“ – schon gar nicht, wenn dieser im Nachbarort beheimatet ist.

Dafür, dass sich der Verein an Unterammergau gewandt hat, gibt es einen Grund: Wie es im April im Oberammergauer Gemeinderat hieß, kommen die meisten Kinder aktuell aus Unterammergau: zehn stehen acht Oberammergauern gegenüber. Ein Fakt, den Gansler aber gesondert sieht. Diese Situation sei daraus entstanden, weil eine Familie mit mehreren Kindern umgezogen ist. In wenigen Jahren dürften es deshalb wieder mehr Oberammergauer Kinder sein.

Nichtsdestotrotz fordern die Lokalpolitiker aus dem Passionsdorf eine finanzielle Unterstützung des Nachbarn beim Kauf des rund 30 000 Euro teuren neuen Bauwagens. Eine Forderung, die Gansler bereits im April nicht gut fand. Den Vorwurf von CSU-Gemeinderat Andreas Rödl, dass sich Unterammergau wie die anderen Ammertal-Gemeinden nur auf Oberammergaus Schultern ausruhen würde, wies Gansler energisch zurück. „Das kann man so nicht sagen“, erklärte er in der Sitzung. Und schob auf Anfrage hinterher, dass es im Gegenteil immer sehr schwierig sei, mit Oberammergau zu kooperieren. Eine Zusammenarbeit – Gansler denkt zum Beispiel an den gescheiterten Versuch bei der Mittelschule – „ist oft nicht möglich“. Auch habe ihm die Anmerkung vom Amtskollegen Arno Nunn (parteifrei) nicht gefallen. Nunns Meinung: Ein Ort, der mit einem Einheimischenmodell für junge Familie attraktiv sein will, brauche dann auch eine entsprechende Infrastruktur für die Bürger.

Geht es um die Zusammenarbeit im Ammertal, wird von Oberammergauer Seite gern auch angesprochen, dass sich die Nachbarn finanziell nicht am Wellenberg beteiligen, gern aber Rabatte beim Eintritt nutzen oder ihre Gäste in das Schwimmbad schicken. Ein Punkt, der Gansler aufregt. Er erinnert an die Zeit, in der sich die Ammergauer Alpen zusammengeschlossen haben. Dies sei nur möglich gewesen, weil der Wellenberg von der Zusammenarbeit ausgeklammert wurde. „Das hat man nur schnell vergessen.“

Nunn betont, dass er seine Gemeinderäte bei derartigen Diskussionen daran erinnert. In seinen Augen dürfe es nicht immer nur ums Geld gehen, sondern vielmehr „um den Solidaritätsgedanken. Sonst kommen wir in eine Strömung rein“, sagt er mit Blick auf die gegenseitigen Vorwürfe, „die nicht gut für das Ammertal ist“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unfallklinik ist Murnaus Arbeitsplatz-Riese
Was bedeutet es, querschnittgelähmt zu sein - heute und vor 50 Jahren? In der  Unfallklinik Murnau wird dies deutlich.
Unfallklinik ist Murnaus Arbeitsplatz-Riese
Garmisch-Partenkirchen erhöht Zweitwohnungssteuer drastisch
Geschlossene Rollläden – und das die längste Zeit im Jahr: Zweitwohnungsbesitzer sind selten da. Dabei wird Wohnraum immer knapper. Die Preise explodieren, Einheimische …
Garmisch-Partenkirchen erhöht Zweitwohnungssteuer drastisch
Ostallgäu: Münchnerin stürzt 70 Meter in die Tiefe - tödlich am Kopf verletzt
Tödlich endete ein Alpen-Ausflug für eine Frau aus München. Sie stürzte bei der Tour 70 Meter in die Tiefe und verletzte sich am Kopf.
Ostallgäu: Münchnerin stürzt 70 Meter in die Tiefe - tödlich am Kopf verletzt
Der Kulinarik-Botschafter aus Mittenwald
Andreas Hillejan zählt zu den 50 besten Köchen in Deutschland – zu diesem Schluss kommt zumindest der Schlemmer Atlas. Die Urkunde durfte der Chef des Marktrestaurants …
Der Kulinarik-Botschafter aus Mittenwald

Kommentare