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„Ich wollte niemanden provozieren“

Umstrittener Turm in Unterammergau: Unternehmer Zott schlägt Bürgerentscheid vor

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Der Stahl-Turm spaltet die Meinungen. Der neue Gemeinderat von Unterammergau diskutierte die „Sichtung III“ auf dem Gelände am Weiherfeld bereits kontrovers. Auch in der Öffentlichkeit ist das Bauwerk umstritten. Jetzt spricht Unternehmer Christian Zott, auf dessen Grund die Skulptur steht, über die Kritik und die Zukunft des Kunstobjekts.

Herr Zott, um den Stahlturm auf dem Gelände am Weiherfeld in Unterammergau ist eine öffentliche Diskussion entbrannt. Warum haben Sie sich ursprünglich dafür entschieden, hier ein Restaurant, ein Hotel und eine Kunsthalle mit Skulpturengarten zu bauen?

Christian Zott: Mein Entschluss, nach 32 Jahren nach Unterammergau zurückzukehren und hier am Weiherfeld einen Ort der Gastlichkeit für die Menschen im Ammertal und seine Gäste aus aller Welt zu bauen, hat genau einen Grund: Ich bin hier geboren und aufgewachsen, meine Eltern hatten damals die erste Zahnarztpraxis in Unterammergau eröffnet, und ich hatte hier die Möglichkeit einer schönen, unbeschwerten Jugend. Kurz: Das Land und die Menschen im Ammertal sind meine Heimat.

Warum schalten Sie sich jetzt in die Debatte ein?

Wer eine Heimat hat, der möchte diesen Ort schützen und fördern, und er möchte ein gutes Verhältnis mit seinen Nachbarn haben. Wenn es Unstimmigkeiten gibt, dann möchte er, dass offen darüber gesprochen wird und dass die Dinge von allen Seiten beleuchtet werden. Deshalb ist es mir wichtig, öffentlich über die möglicherweise umstrittene Skulptur zu sprechen und mit den Bürgern in einen Dialog zu kommen.

Gründe für den Turmbau

Als „riesigen Phallus“ empfindet eine Anwohnerin die Skulptur. Haben Sie Verständnis dafür, wenn sich Bürger gestört fühlen?

In jedem Fall habe ich Respekt vor einer eigenen Meinung, deshalb möchte ich ja darüber sprechen. Tatsächlich gibt es viele Gründe, warum ich die Skulptur aufstellen ließ und warum ich denke, dass sie hier stehenbleiben sollte. Eines wollte ich damit sicher nicht erreichen: Ich wollte niemanden provozieren.

Welche Gründe sprechen für den Turm?

Es handelt sich bei der Skulptur handwerklich und technisch um eine hervorragende Arbeit. Mein erstes Studium war Maschinenbau, und ich bewundere den Mut und das Können des Künstler-Ehepaares Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier, ein Objekt aus 13 stählernen Kuben herzustellen und statisch zu berechnen, die ohne eine einzige Schweißnaht übereinander verschraubt werden und bis auf eine Höhe von 32 Metern begehbar sind. In der Tat ist damit eine technisch beeindruckende Möglichkeit geschaffen, die große Skulptur relativ einfach auf- und abzubauen. Auch eine temporäre Stellung als „Fliegender Bau“ benötigt freilich ein stabiles Fundament, gerade bei den speziellen Bodenverhältnissen hier im Weiherfeld. Denn die Statik und Sicherheit des Bauwerks muss unabhängig davon gewährleistet sein, ob die Skulptur nur einige Tage oder dauerhaft aufgestellt wird.´

Ein überregional anerkanntes Kunstwerk

Sie sprechen von einem Kunstwerk. Was macht den Turm zur Kunst?

Es gibt nicht viele skulpturale Arbeiten, die dem Besucher ein Erleben über alle Sinne ermöglichen: Das Sehen der veränderlichen und vielfältigen Oberfläche des Materials, das Fühlen der Temperaturunterschiede im Inneren, das Hören der eigenen Schritte beim Emporsteigen und natürlich das Erleben eines Perspektivenwechsels zu unserer unmittelbaren und vertrauten Umgebung. Denken heißt verändern, Leben heißt Bewegung – auch dafür ist dieses Kunstwerk ein großartiges Symbol. Der künstlerische Wert dieser Arbeit wurde übrigens schon von vielen anerkannten Experten wie den Kunsthistorikern Rainer Metzger und Raimund Wünsche, dem Münchner Kulturreferenten Anton Biebl oder der Stadtbaurätin der Landeshauptstadt Elisabeth Merk bestätigt. Es handelt sich also um ein weit über die Grenzen unserer Region hinaus anerkanntes und von vielen bewundertes Kunstwerk.

Spielt das denn eine Rolle?

Das finde ich sehr wichtig: Schließlich brauchen wir – wenn wir unsere Heimat lieben – hochwertige kulturelle und architektonische Impulse, die Tradition und Zukunft gleichermaßen befördern.

Von Bürgern ermutigt

Die Kritiker wenden vor allem ein, dass durch das Bauwerk der landschaftliche Gesamteindruck gestört wird. Sie sehen das mit Sicherheit anders . . .

Ich bin im Gegenteil der Meinung, dass sich die Skulptur aufgrund ihrer Materialität und ihrer schlanken Bauform sowohl in das bestehende Ensemble als auch in die umgebende Landschaft harmonisch einfügt. Die Grundfläche beträgt nur 2,4 Meter im Quadrat und der verbaute Cortenstahl ist wetterbeständig, ästhetisch und naturnah; nicht umsonst wird das Material von Architekten mit Vorliebe in Kombination mit Holz verwendet. Wenn ich mir das Objekt aus der Nähe oder aus größerer Entfernung ansehe, erkenne ich keine störende Dominanz, an der man Anstoß nehmen könnte.

Der Gegenwind kam also überraschend für Sie?

Ja, schon. Letztendlich haben wir den Antrag auf eine dauerhafte Stellung der Skulptur erst dadurch in Erwägung gezogen, dass sich in den vergangenen Monaten viele Besucher am Weiherfeld, gerade auch Unterammergauer, dafür ausgesprochen haben, die Skulptur als besonderes Kunstwerk im Skulpturengarten aufgestellt zu lassen.

Zott will nicht gegen den Bürger-Willen handeln

Stufen Sie die Kritik über die Optik als unbegründet ein?

Nein, ich bin der Meinung, dass man über Kunst streiten kann. Und neben den positiven Stimmen wird es auch Bürger geben, die sich an der „Sichtung III“ stören. Als Unternehmer habe ich nicht die Möglichkeit, alle Inhalte in meinen Firmen basisdemokratisch zu entscheiden. In diesem Fall, in meiner Heimat, bin ich Bürger, und es ist meine feste Überzeugung, dass die wichtigste Errungenschaft unseres Landes unsere demokratischen Grundrechte sind, wozu die Meinungsfreiheit zählt.

Welche Konsequenz ziehen Sie daraus?

Ich werde nicht in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin und in das ich für mein drittes Lebensdrittel zurückgekehrt bin, gegen die Interessen und gegen den Willen meiner Mitbürger handeln.

Das heißt?

Meine Absicht ist es, einen Bürgerentscheid über den Verbleib der Raum- und Klangstruktur herbeizuführen. Die Bürger sollen selbst über die Zukunft der Skulptur entscheiden. Das ist demokratisch und damit herrscht Klarheit.

Was passiert, wenn die Mehrheit den Turm nicht akzeptiert?

Wenn die Bürger ihn nicht wollen, dann bau’ ich ihn ab. Ich will da nicht so ein Thema draus machen.


Mehr zum Thema: 

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