Unterammergaus Altbürgermeister Michael Gansler lacht
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Heimatverbunden und humorvoll: Michael Gansler bringt sich in vielerlei Hinsicht seit Jahrzehnten in seinem Dorf mit Leib und Seele ein.

Arbeitstier und Lokalpatriot

Unterammergau: Altbürgermeister Michael Gansler feiert 70. Geburtstag

  • vonChristof Schnürer
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Michael Gansler ist ein Unterammergauer Original. Der Altbürgermeister feiert seinen 70. Geburtstag.

Wo er auf die Welt gekommen ist? „Na, in Unterammergau, wo sonst?“ Es klingt mächtig Stolz aus den Worten von Michael Gansler, wenn er das betont. Kein Wunder, der Altbürgermeister und erfolgreiche Bauunternehmer trägt die Heimat im Herzen. Mit Fug und Recht darf der Mann mit dem silber-glänzenden Haar als Lokalpatriot bezeichnet werden. Heute feiert der Vater von vier Kindern und Opa von zwölf Enkeln bei bester Gesundheit seinen 70. Geburtstag.

Noch ist Kürzertreten ein Fremdwort für das Arbeitstier. Vor knapp einem halben Jahr hat er sich zwar aus dem Rathaus verabschiedet, „aber davon hab’ ich gar nicht so viel gespannt“. Denn nach wie vor ist der Seniorchef im Familienbetrieb gefragt, der 2021 sein 100-jähriges Bestehen feiert. „Bist du da mal drin, dann kommst nicht mehr raus.“ Gansler meint das in keiner Weise negativ. Er hängt einfach mit jeder Faser seinen Körpers an seinem Betrieb. Wobei Gansler auch bei dieser Herzensangelegenheit langsam, aber sicher ans Loslassen denkt. Ein Schritt, der ihm in der Kommunalpolitik zuletzt gelungen ist. „Irgendwann müssen einfach die Jungen ran“, findet der Politrentner. Getreu dem Motto: neue Köpfe und neue Ideen tun dem Dorf gut.

Genau dort erblickt Gansler am 21. Oktober 1950 das Licht der Welt. Er ist dank der örtlichen Hebamme ein gebürtiger Unterammergauer. Der Kleine Michi ist Nummer fünf von insgesamt sieben Geschwistern, die Maria und Johann Gansler aufziehen.

Früh wächst der Fünftgeborene in den elterlichen Betrieb hinein. Doch blieb dem Lausbub genug Zeit für seine Ministranten-Karriere. Einmal fragte ihn Ende der 1950er der damals neue Seelsorger Johannes Braun beim Anblick von Laber und Aufacker: „Bua, was sind das für Berge?“ Ganslers Antwort: „Das sind unsere Dolomiten, Herr Pfarrer.“ Für diese dreiste Lüge revanchierte sich der Geistliche später, als er dem erwachsenen Gansler den Posten in der Kirchenverwaltung antrug. „Das sind höchstens drei Sitzungen im Jahr“, soll er seinerzeit seinem Hoffnungsträger vorgeflunkert haben. Auch wenn es letztlich zeitlich ein viel größerer Aufwand war, Gansler hat auch in klerikalen Angelegenheiten stolze 36 Jahre, sechs Amtsperioden, durchgehalten.

Vor der Verantwortung ist der heute 70-Jährige nie weggerannt. Bereits als Elfjähriger muss er 1961 hinter dem Sarg seiner Mutter herlaufen. 1967 erliegt auch der Vater seinem schweren Leiden. „Es war grausam, eine wirklich harte Zeit“, blickt der Sohn zurück. Nach diesen Schicksalsschlägen rückt die Familie ganz eng zusammen. Die Brüder Johann und Michael, beide noch nicht volljährig, übernehmen im Verbund mit dem bereits geschäftsfähigen Cousin aus Grainau das elterliche Baugeschäft. „Wir hatten nicht mal einen Führerschein“, erzählt Gansler. Daheim kocht Schwester Finni für die Geschwister. Jeder unterstützt jeden, so gut es eben ging. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hört die Jugend für den seinerzeit 17-Jährigen auf. „Von da an gab es nur noch das Geschäft.“ Kein Wunder also, dass der pflichtbewusste Michael Gansler bereits 1972 den Maurer-Meister in der Tasche hat.

Immerhin bleibt für den fleißigen Burschen genügend Zeit fürs andere Geschlecht. Gansler erinnert sich noch ganz genau, wann, wo und unter welchen Begleitumständen er seine Bärbel kennenlernte. 1970 war’s, im Fasching, bei einem Maschkeraball in der Wetzstoa-Stub’n. War’s Liebe auf den ersten Blick? „Bei mir schon.“ Umgekehrt kaum vorstellbar. Denn der schneidige Michi läuft den ganzen Abend mit der Holzlarve herum. Barbara De Noca, wie seine Frau mit Mädchennamen hieß, hat sich als Cowgirl verkleidet. „Irgendwann hab’ ich ihr eine Pistole geklaut.“ So oder so wurde die fesche Bärbel neugierig. Kurz nach Mitternacht lupft sie die Maske des großen Unbekannten. Der Rest ist Geschichte. Vier Kinder – Leonhard (48), Andreas (44), Florian (43) und Michaela (38) entspringen dieser Verbindung.

Es war eine schöne und lehrreiche Zeit, wobei die Schläge unter die Gürtellinie schon weh getan haben.

Michael Gansler

Auch sie müssen den Papa mit der Arbeit und später mit der Lokalpolitik teilen. „Die hat mich schon immer interessiert“, betont Gansler, der 1978 für die Fortschrittliche Dorfgemeinschaft Unterammergau (FDU) in den Gemeinderat einzieht. 24 Jahre hat der Bauunternehmer Sitz und Stimme, von 1990 bis 1996 fungiert er zudem als Zweiter Bürgermeister.

Ganslers große Stunde schlägt im März 2002. Bei der Bürgermeister-Kür sticht er den späteren Landrat Anton Speer klar mit 62 zu 38 Prozent aus. Während des Wahlkampfs sei es zwischen beiden „etwas ruhiger“ gewesen, blickt Gansler zurück. „Doch ich habe das ganze nie persönlich gesehen.“ Später, 2008, avanciert der einstige Gegner sogar zu dessen Stellvertreter im Rathaus. Gansler drückt das mit einem breiten Grinsen folgendermaßen aus: „Der Toni durfte einmal unter mir dienen.“

Den Humor hat der Jubilar auch nach 18 Jahren als nebenberuflicher Bürgermeister nie verloren. „Es war eine schöne und lehrreiche Zeit, wobei die Schläge unter die Gürtellinie schon weh getan haben.“ Gansler spricht von „persönlichen Anfeindungen“, die bei einem solchen exponierten Ehrenamt nirgendwo ausbleiben. Heute schaut er auf vollendete Projekte wie Einheimischenmodell, Gewerbegebiet, Altenheim oder Zott-Hotel mit großer Zufriedenheit zurück.

Das muss ihm erst mal einer nachmachen. Völlig verdient beförderten ihn seine Unterammergauer zum Altbürgermeister. Und politisch völlig aus dem Geschäft ist Gansler ohnehin nicht: Sein Mandat im Kreistag möchte er bis 2026 auf alle Fälle wahrnehmen. Vielleicht bleibt dann für das Arbeitstier noch Zeit für seine Bärbel und ein letztes großes Vorhaben: Er will seine Erfahrungen von über vier Jahrzehnten in der Kommunalpolitik niederschreiben. Da gibt es bestimmt allerhand Spannendes und Wissenswertes.

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