Eines der Projekte, die anstehen: 105 000 Euro kostet die Erneuerung der Brücke über die Waldlaine an der alten Straße nach Altenau. 
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Eines der Projekte, die anstehen: 105 000 Euro kostet die Erneuerung der Brücke über die Waldlaine an der alten Straße nach Altenau. 

Letzter Haushalt der Ära Gansler

Unterammergau: Finanzen in Corona-Zeiten schwer kalkulierbar

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Der Unterammergauer Gemeinderat hat den letzten Haushalt der Ära Gansler verabschiedet. Die Corona-Krise drückt dem Zahlenwerk seinen Stempel auf.

Unterammergau – Es ist der letzte Haushalt, den der Gemeinderat Unterammergau unter der Führung von Michael Gansler verabschiedet. Und das unter besonderen Umständen. Statt im Rathaus in der Wetzstoa-Stubn. Statt Stuhl an Stuhl mit viel Abstand zwischen den Personen. Statt mit gut planbaren Zahlen mit schwer kalkulierbaren. Corona lässt grüßen. Fehlende Einnahmen, höhere Ausgaben – wer vermag die Größenordnungen in Zeiten wie diesen schon abzuschätzen. Mit einem Nachtragshaushalt rechnen bereits jetzt viele Kommunen. Gansler glaubt, Unterammergau bleibt ein solcher erspart.

Krise trifft Ort nicht so schwer

Die Krise „erwischt uns bei der Gewerbesteuer schon“, sagt er. Aber nicht so schlimm wie andere Orte. Oberammergau zum Beispiel, das es wegen der Absage der Passionsspiele sicher härter trifft. Oder Ettal, dem die Lebensader, der Tourismus, abgeklemmt wird. Kämmerer Alexander Müller, der sich dort ebenfalls um die Finanzen kümmert, „graut’s schon haushaltsrechtlich“.

Ausbleibende Gäste

Gänzlich verschont wird Unterammergau nicht bleiben. Aber „glimpflicher davonkommen“, meint der künftige Rathauschef Robert Stumpfecker. Denn gerade im Tourismus „fahren wir nicht auf der Höchststufe“. Heißt, die ausbleibenden Gäste und fehlenden Kurbeiträge beuteln den Ort nur in geringerer Weise. „Trotzdem müssen wir das ernst nehmen.“

Mehr als 2 Millionen Euro Rücklagen 

Bislang steht der Ort auf stabilem finanziellem Boden. Vor allem 2019 verlief „dermaßen gut, das werden wir so schnell nicht mehr haben“, resümiert Müller. Der Gewerbesteuer sei Dank. Über 600 000 Euro konnte die Gemeinde vom Verwaltungs- dem Vermögenshaushalt zuführen. Zugleich haben sich Rücklagen von über zwei Millionen Euro angesammelt. Doch Müller tritt auf die Euphorie-Bremse. Denn 2019 waren Projekte geplant, die nicht ausgeführt wurden und sich verschieben. Zum Beispiel die Sanierung der Kläranlage, die Ortschronik oder das Vorhaben „Waldlaine“. 105 000 Euro kostet die Erneuerung der Brücke an der alten Straße nach Altenau (siehe Kasten). Die Hälfte aber steuert die Gemeinde Saulgrub bei.

Baustellen abschließen

Diese Aktion soll heuer über die Bühne gehen. Stumpfecker gibt sich keinen Illusionen hin. Er bleibt realistisch, will in diesem Jahr die Baustellen erst einmal zu Ende bringen. Den Kommunalen Wohnungsbau am Lachenbach zum Beispiel, für den 1,4 Millionen Euro veranschlagt sind. Der Betrag „sieht krass aus“, räumt Müller ein, „wird aber über Mieten refinanziert.“

Im Mai formiert sich der Rat neu

Die Zeit rennt in diesem Jahr davon. Wegen Corona und den Kommunalwahlen. Im Mai findet die konstituierende Sitzung statt. Dann nimmt erst der neue Gemeinderat seine Arbeit auf. „Bis zur Sommerpause sind dann noch zwei bis drei Sitzungen“, sagt Gansler. Im Herbst gehe es dann erst richtig mit Maßnahmen los.

222 000 Euro für Wasserleitungen

Der Wasserleitungsbau an der Oberen Dorfstraße wird sich vermutlich noch ein bisschen ziehen. Die Planungen für die Ausschreibungen laufen. „Da musst froh sein“, sagt der Bürgermeister, „wenn du im September vergeben kannst.“ 220 000 Euro stehen trotzdem bereits im Haushalt. Abgerechnet sein muss das Ganze bis Ende 2021.

Brandschutz-Prüfungen

Was die Gemeinde Unterammergau allerdings sicher in diesem Jahr umsetzt: Sie lässt den Brandschutz in den eigenen Gebäuden wie Wetzstoa-Stubn und Feuerwehr-Haus prüfen. Über die Summe könne man noch nicht viel sagen. Außer, dass das nicht billig wird. In der Schule liefen bereits 20 000 Euro nur an Ingenieurskosten auf, berichtet Gansler. Nur ein Gutachter kommt zum Zug. Dahinter steckt ein Ziel: Ein System in allen Gebäuden, das dann einer unter die Lupe nimmt.

Zahl mit Vorsicht zu genießen

Der Rathauschef bleibt unaufgeregt. Trotz so manch kostspieliger Investition. Zwar schrumpfen die Rücklagen zum Ende des Jahres 2020 laut den Kalkulationen des Kämmerers auf 577 000 Euro, dann „ist aber immer noch ein bisschen ein Polster da“. Skeptischer zeigt sich Müller. Laut Prognose würde sich die Zuführung zum Vermögenshaushalt mit 425 000 Euro „sehr, sehr positiv“ darstellen. Die Zahl, stellt der Kämmerer klar, ist wegen Corona aber „mit Vorsicht zu genießen“.

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