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Start des Aufbaus: Am Montagmittag stehen die ersten Würfel für den Turm.

Skulptur zum Begehen

„Niedriger als der Kirchturm“: Riesiges Kunstobjekt entsteht in Unterammergau

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Bald feiert der „mSE Campus“ in Unterammergau Eröffnung. Zu den modernen Gebäude-Ensembles von Christian Zott gehört nun auch ein Turm aus etwa 70 Tonnen Stahl.

Unterammergau – Manche unken schon, Unterammergau bekommt einen neuen Maibaum. Einen der futuristischen Art, bei dem nicht die Gefahr besteht, dass ihn die Ortsnachbarn klauen. Nur im Internet konnten Interessierte bisher sehen, was am „mSE Campus“ mit Restaurant, Boutique-Hotel und Kunsthalle von Christian Zott noch entstehen soll. Gestern rückte der Autokran am Weiherfeld an, setzte Würfel auf Würfel und stellte die so genannte „Sichtung“ auf. Pünktlich vor der Eröffnung des Gebäude-Ensembles am Samstag, 19. Oktober.

Bei dem Konstrukt handelt es sich um eine Raum- und Klangskulptur, entworfen vom Künstlerduo Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier. Unterammergau ist nach Reithofen und dem Kreativquartier im Münchner Westen der dritte Standort des imposanten Werks. Es besteht aus über 70 Tonnen Stahl, hat eine Grundfläche von 2,4 x 2,4 Meter und ragt etwa 32 Meter in die Höhe. „Das ist niedriger als der Kirchturm“, sagt Dr. Andreas Klement, dem Zott die Gesamtverantwortung für das Gebäude-Trio übertragen hat. Der von St. Nikolaus misst etwa 35 Meter.

Der Koloss von Unterammergau: Über 30 Meter ragt er in die Höhe (hier noch an einem anderen Standort).

Der Koloss bringt eine Besonderheit mit sich. Im Inneren führt der Weg über ein integriertes Treppenhaus nach oben, wo eine kleine Aussichtsplattform wartet. Schon unterwegs dorthin eröffnet sich den Besuchern der Blick nach draußen. „Jede Ebene hat einen Sichtschlitz, der mit Plexiglas geschützt ist“, sagt Klement. Schritt für Schritt ändere sich so die Perspektive.

„Über Kunst lässt sich streiten“

Beim Baumaterial wurde bewusst auf Cortenstahl gesetzt. Dieser bekommt mit der Zeit einen Rostton, was mit der Verkleidung der Gebäudekomplexe harmoniere. Klement, der seit seit 2015 als Direktor der Kunstplattform „Zott Artspace“ arbeitete, spricht von einer „Freundschaft zwischen Holz und Stahl“. Selbst der Lichteinfall beeinflusst die Optik. „Das hat einen hohen ästhetischen Wert.“

Das Thema Klang deckt ebenfalls der Stahl ab. Zum Beispiel, wenn der Wind an den Turm weht. Alles wohlbedacht, alles passend zum Konzept des „mSE Campus“, Kunst sinnlich erfahrbar zu machen.

Klement, der sich jetzt in der heißen Phase die meiste Zeit vor Ort aufhält, ist gespannt, wie sich der Turm in das Landschaftsbild einfügt. Er gibt sich aber optimistisch. Anders drückt’s Bürgermeister Michael Gansler aus. „Über Kunst lässt sich streiten. Dem einen gefällt’s, dem anderen nicht.“ Die Gemeinde selbst hat vor etwa zwei Monaten von dem Giganten aus Stahl erfahren und sich im Anschluss über die rechtliche Seite erkundigt. Gansler zufolge besteht ausschließlich eine Anzeigepflicht beim Landratsamt, bei der Kommune muss kein Bauantrag eingereicht werden. Die Raum- und Klangskulptur fällt wie ein Bierzelt in die Kategorie „Fliegende Bauten“. Diese müssen nach einem bestimmten Zeitfenster wieder entfernt oder eine Verlängerung der Aufstellungserlaubnis beantragt werden.

Derzeit rechnet Klement damit, dass der Turm drei Monate lang in Unterammergau Station macht. Dann schaut man weiter. „Hinter der Zukunft der Skulptur steht noch ein Fragezeichen“, sagt er. Gansler dagegen kalkuliert eher mit sechs Monaten. „Man wird sie bestimmt nicht im Winter abbauen.“

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