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Keine zwei Monate ist es her, dass Rathaus-Chef Michael Gansler (l.) den Titel Altbürgermeister an Matthias Speer verliehen hat.

Altbürgermeister kommt ums Leben

Tragischer Unfall: Unterammergau trauert um Matthias Speer

Unterammergau - Für den schrecklichen Unfall am Montagabend in Unterammergau lassen sich nur schwer passende Worte finden. Weil die Umstände so tragisch sind. Und weil dabei jemand aus dem Leben gerissen wurde, der tief mit dem Dorf verbunden war: Altbürgermeister Matthias Speer.

Nicht einmal zwei Monate ist es her, dass Matthias Speer einer ganz besonderen Einladung gefolgt ist. Die Gemeinde Unterammergau hatte ihren einstigen, beliebten Rathaus-Chef zur Bürgerversammlung eingeladen, um ihm eine hohe Auszeichnung zu verleihen: den Ehrentitel Altbürgermeister. Mit Freude und unter großem Applaus nahm Speer die Urkunde aus den Händen seines Nachfolgers entgegen. Die beiden Männer haben darüber geflachst, dass der Rahmen der Urkunde so gut zu Speers Einrichtung passt. Ein schöner Moment, der Michael Gansler lebhaft in Erinnerung blieb. Umso unfassbarer ist für den heutigen Bürgermeister die Nachricht, die er am Montagabend bekommen hat: Matthias Speer hat unter tragischen Umständen sein Leben verloren.

Der 62-Jährige war laut Polizei zusammen mit seiner Frau um 17.30 Uhr auf dem unbeleuchteten Wirtschaftsweg neben der B23 zwischen Unter- und Oberammergau spazieren gegangen, als sich das Auto eines dort fahrberechtigten Unterammergauers (56) genähert hat. Speer wurde erfasst und erlitt bei dem Unfall schwerste Verletztungen, denen er im Krankenhaus erlag. Wie es zu all dem kommen konnte, steht nun im Mittelpunkt eines unfallanalytischen und fahrzeugtechnischen Gutachtens, die die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben hat. Die Nachricht vom Tod Speers ist ein Schock für die Menschen in Unterammergau. „Ich bin tief betroffen“, erklärt Landrat Anton Speer. „Der Hias war ein Freund und ein politischer Weggefährte. Ein Pfundskerl, auf den immer Verlass war.“ Wie auch der Landrat engagierte sich Speer nicht nur für die Freien Wähler, sondern auch für die Liste „Für Unterammergaus Zukunft“ – kurz FUZ. „Es ist ein trauriger Tag für uns“, sagt Vorsitzender Anton Noll. Die Liste sei dem Altbürgermeister zu großem Dank verpflichtet.

In den Jahren seiner Amtszeit von 1990 bis 2002 hatte der Ammertaler, der so viel Energie ausstrahlte, viele große Projekte für das Dorf angestoßen – etwa die Realisierung der kompletten Ortskanalisation, sowie den Bau der Kläranlage, des Kindergartens und des Musikpavillons. „Sein Elan war bewundernswert“, erinnert sich Noll auch mit Blick auf das große Engagement Speers in den Vereinen. Die Musik lag ihm schon immer am Herzen, genauso wie das Brauchtum – das er als Vorsitzender des Trachtenvereins vertrat. „Unterammergau hat ihm viel zu verdanken“, betont auch Gansler. Und ruft voller Bewunderung ins Gedächtnis, dass der gelernte Zimmerer, Familienvater und leidenschaftliche Koch es auch geschafft hat, sich einen Herzenswunsch zu erfüllen: Nach seiner Zeit in der Ortspolitik war er erst Wirt vom Pürschlinghaus und dann in der Ammerwald-Alm.

Möglich gemacht hat das alles der Umstand, dass Matthias Speer zum Ende seiner Amtszeit erst 47 Jahre alt war. In den Augen vieler zu jung für den Titel Altbürgermeister. Deshalb hat er die Auszeichnung, für die „seine“ FUZ den Antrag gestellt hatte, erst heuer bekommen. Inzwischen war Speer nach Wurmansau gezogen und in Rente gegangen. „Nun wollte er einfach nur das Leben genießen“, sagt Gansler bedrückt. Er saß am Montag mit den Gemeinderäten in einer Sitzung zusammen, als sie von dem tragischen Unfall erfahren haben. „Alle waren der geschockt, keiner wusste, was er sagen soll.“ Manchmal reichen Worte nicht aus, um einen Verlust zu beschreiben.

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