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Sein neuestes Projekt: Christian Zott vor seinem zwölf Meter langen U-Boot.

Ein U-Boot in den Bergen: Christian Zott und sein neuestes Projekt

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Zuerst war der Turm, jetzt strandete das U-Boot: Christian Zott lässt immer wieder einen neuen Drachen steigen.

Unterammergau – Wenn der Vater mit dem Sohn ... einen gemeinsamen Urlaub verbringt, geht er mit ihm zum Fischen, auf einen Berg oder beide übernachten mal unter freiem Himmel. Was nun der Unterammergauer Unternehmer Christian Zott (60) mit seinem zwölfjährigen Sohn Hector unternommen hat, fällt eher unter die Kategorie „Außergewöhnlich“. Ein U-Boot zu bauen – diesen Gedanken werden nicht viele Väter haben.

Jetzt steht das Ergebnis vor dem Restaurant Hieronymus im Weiherfeld: Ein zwölf Meter langes, drei Meter hohes Stahlungetüm. Ganz in der Nähe, wo bis vor kurzem noch das Kunstobjekt „Sichtung III“, ein Turm ebenfalls aus Stahl, 32 Meter in den Himmel ragte. Überwältigt ist der Vater und Geschäftsmann von dem, was die jungen Bastler, Hector und seine vier Freunde, bei diesem Kinderobjekt geschafft haben: „Auch wenn es viele vielleicht nicht glauben wollen, wenn sie vor dem U-Boot stehen. Die Kinder haben das Ganze zum großen Teil selbst umgesetzt.“

Auf den Spuren von Kapitän Nemo

Immer wieder sprach der Sohnemann von Christian Zott davon, ein U-Boot bauen zu wollen. Aus Pappe, o.k. Naturlich faszinierte Hector die Geschichte von Kapitän Nemo, dem Kommandanten des Unterseeboots Nautilus aus dem fantastischen Roman „20 000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne. Doch irgendwie war Pappe nicht so cool. Aus Stahl, wie echt, das wäre etwas. Christian Zott, der selbst einmal Maschinenbau studiert hat, fand schnell Gefallen an der Idee. Unter seiner Anleitung fertigten Hector, Leo, Vincent, Lucia und Daniel wochenlang an Plänen, Skizzen und Zeichnungen für das Boot. Wie beim Technischen Zeichnen. Tatsächlich lag am Ende ein maßstabsgetreuer Konstruktionsplan mit Stückliste der einzelnen Teile auf dem Tisch. Soweit die Theorie.

Für die Umsetzung des Projekts kontaktierte Zott seinen langjährigen Freund, den französischen Künstler Pierre Matter. Der Unterammergauer hat den Metall-Bildhauer vor sieben Jahren in Singapur kennengelernt und besitzt mehrere seiner Arbeiten, einige davon sind im Restaurant Hieronymus ausgestellt. Für den Künstler war das Projekt eine besondere Gelegenheit, seine Arbeit und seine Werkstatt mit anderen zu teilen und die Fantasie und den Gestaltungswillen der Kinder anzuleiten.

Zeltlager in Frankreich

Also reiste Christian Zott mit den fünf Kindern für 14 Tage ins französische Tours. Auf dem weitläufigen Gelände eines alten Chateaus zwischen Bäumen und Schafen wurde auch gleich noch ein Zeltlager errichtet, wo die jungen Künstler übernachteten. Umgehend machten sich Groß und Klein ans Werk. Matter schnitt die Stahlplatten her und wies die Fünf in den Umgang mit Schweißgerät, Winkelschleifer, Gewindeschneider und Biegemaschine ein. Zott: „Die Jungs und das Mädchen waren jeden Tag mit Feuereifer bei der Sache und fielen abends todmüde ins Bett.“ Tatsächlich, nach den zwei Wochen, war das U-Boot fertig. Es ist begehbar, hat Fenster, Steigbügel, einen Turm und eine Schiffsschraube. Natürlich durfte am Ende die obligatorische Schiffstaufe nicht fehlen, wobei die Flasche erst nach mehreren Versuchen zerbrach.

Inzwischen sind die Bootsbauer wieder wohlbehütet in der Heimat zurück, am Donnerstag traf ihr Werk in Unterammergau ein. Doch was passiert nun damit? Christian Zott: „Wir wissen es noch nicht. Entweder es wird für einen guten Zweck versteigert oder wir stellen es irgendwo auf, vielleicht auch bei mir.“ Ein U-Boot in den Bergen. Das hätte schon was.

Info

Das U-Boot kann am Wochenende vor dem Restaurant Hieronymus im Weiherfeld in Unterammergau besichtigt werden.

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