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Gut gefüllt mit rund 100 Mitgliedern war die Wetzstoa-Stubn in Unterammergau bei der Jahresversammlung des Vereins „Unser Ammergebirge“

Der Landkreis-übergreifende Verein „Unser Ammergebirge“ mit derzeit 625 Mitgliedern gibt seinen Widerstand nicht auf

Bei Nationalpark-Plänen „am Ball bleiben“

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Ja zum Naturpark, Nein zum Nationalpark: Dies ist weiter die Maxime in der Region der Ammergauer Alpen.

Unterammergau – Die Ankündigung von Horst Seehofer auf der CSU-Klausurtagung im Juli 2016 in St. Quirin hatte alle aufgeschreckt: Der Ministerpräsident verkündete die Ausweisung eines dritten Nationalparks in Bayern. Inzwischen ist dieser Ballon wie eine Seifenblase geplatzt: Im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern steht schwarz auf weiß geschrieben, dass ein dritter Nationalpark im Freistaat in dieser Legislaturperiode nicht vorgesehen ist.

Sich deswegen nun zurückzulehnen oder die Aktivitäten gar ganz einzustellen, das kommt für die Verantwortlichen des Vereins „Unser Ammergebirge“, der sich im März 2017 in Schwangau als starke Bastion gegen einen Nationalpark gegründet hatte, indes nicht in Frage. Im Gegenteil. Deutlich wurde dies bei der 1. Mitgliederversammlung der Vereinigung am Dienstagabend in der Wetzstoa-Stubn in Unterammergau. Vor über 100 Anwesenden erklärte Vorsitzender Michael Weisenbach: „Dass derzeit ein Nationalpark kein Thema ist, nehmen wir zur Kenntnis. Aber wir wissen nicht, was in vier, fünf Jahren los ist, wenn dann vielleicht eine andere Regierung am Ruder ist.“ Es gelte, wachsam zu bleiben und die politischen Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen.

Erfreut berichtete Weisenbach, dass der Verein „Unser Ammergebirge“ mit derzeit 625 Mitgliedern nicht nur landkreis-übergreifend aufgestellt sei mit den Kreisen Garmisch-Partenkirchen und Ostallgäu, sondern dass dies wohl einer der ganz wenigen Zusammenschlüsse sei, wo Forst, Waldwirtschaft, Jagd und Landwirtschaft unter einem Dach für ein gemeinsames Ziel kämpfen: „Ein starkes Signal ist für mich auch der Umstand, dass die Ammergauer Alpen GmbH unserem Verein beigetreten ist.“ Zu den Mitgliedern zählen aktuell 21 Gemeinden, drei Forstbetriebsgemeinschaften, sechs Wald- und drei Almkörperschaften sowie drei Landtagsabgeordnete und ein Landrat in Person von Anton Speer (Garmisch-Partenkirchen).

Dieser rief in einem kurzen Grußwort bei der Versammlung nochmal die ursprünglichen Pläne für einen Nationalpark Ammergebirge in Erinnerung, der in einem ersten Flächenentwurf bis zur Zugspitze reichen sollte: „Da wäre die neue Seilbahn nicht möglich gewesen.“ Sämtliche Gemeinden im Ammer- und Loisachtal hätten sich kategorisch und einhellig gegen diese Planungen ausgesprochen. Jetzt in der neuen Koalition aus CSU und Freien Wählern sei so eine Ausweisung kein Thema mehr, „aber wir müssen“, so Speer, „schon am Ball bleiben“. Der Verein müsse auf alle Fälle weiterbestehen. Dass Ostallgäuer und Ammertaler gut miteinander können, unterstrich der Landrat: „Mia passen guad z’samm, es ist ja der gleiche Menschenschlag.“ Überdies erinnerte Anton Speer in dem Zusammenhang an das landkreis-übergreifende und von Leader geförderte Projekt „Das Erbe der Wetzsteinmacher“ mit einem geplanten Weg von Schwangau/Trauchgau über Unterammergau nach Ohlstadt.

Wie gut die Zusammenarbeit funktioniere, stellte auch Vorsitzender Michael Weisenbach heraus: „In meiner kurzen Zeit als Vorstand dieses Vereins habe ich schon etliche Politiker kennengelernt. Viele reden viel und machen wenig. Beim Speer Toni ist es genau umgekehrt. Wir haben fünf Minuten miteinander geredet, dann war alles ausgemacht.“ 16 Veranstaltungen seit Vereinsgründung vor eineinhalb Jahren habe man durchgeführt bzw. besucht, sagte Weisenbach: „Wir haben dann mal die Taktik geändert und sind bewusst nicht mehr so an die Öffentlichkeit gegangen, um das Ammergebirge als möglicher Standort für einen Nationalpark aus der Schusslinie zu nehmen. Dafür haben wir mehr das Gespräch mit den Entscheidungsträgern, unter anderem mit Markus Söder und dem damaligen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner gesucht. Es hat sich ausgezahlt.“ Als Ausblick auf 2019 kündigte der Vorsitzende an, über eine neue Homepage des Vereins eine Informationsplattform für die Mitglieder zu schaffen und zeitnah ein konkretes Projekt anzupacken.

Nach dem Kassenbericht von Klaus Linder beschlossen die Mitglieder noch einstimmig, den Jahresbeitrag für Privatpersonen und Familienmitgliedschaften von zehn auf fünf Euro und für juristische Personen wie Gemeinden und Körperschaften von 500 auf 100 Euro zu senken. Abschließend hielt Jürgen von der Goltz, Beisitzer des Vereins, noch einen hochinteressanten Vortrag über Auswirkungen der Sturmschäden. Tenor seines Referats: Aufgrund der extremen Schadensereignisse werde der Holzpreis weiter fallen.

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