Das älteste bekannte Bild der Ammerbrücke ist in einem Winter vor dem Neubau im Jahr 1935 aufgenommen worden. 
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Das älteste bekannte Bild der Ammerbrücke ist in einem Winter vor dem Neubau im Jahr 1935 aufgenommen worden. 

Geschichtsträchtiges Bauwerk wird ab Montag saniert

Ammerbrücke in Unterammergau: Vom Salzwasser zerfressen

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Geschichtsträchtige Ammerbrücke in Unterammergau muss dringend saniert werden. Bauarbeiten beginnen am Montag, 29. März. Der Verkehr muss dann für acht Wochen halbseitig über die Brücke geleitet werden.

Unterammergau – Sie ist das Nadelöhr der Verkehrsader durch das Ammertal. Wichtig und uralt. Schon im Mittelalter sollen Kaufmänner an jener Stelle in Unterammergau den Fluss passiert haben. 1935 verwandelte die Gemeinde die einfache kleine Holzkonstruktion in einen breiteren Straßenübergang für Autos und Lastwagen. Im Jahr 1977 ist letztlich jene Ammerbrücke entstanden, wie sie die Unterammergauer im Herzen ihres Ortes bis heute kennen. Jetzt, nach über 44 Jahren, muss sie zum ersten Mal saniert werden. Am Montag geht’s los.

Die Ertüchtigungsarbeiten nehmen etwa acht Wochen in Anspruch. Der Verkehr wird während dieser Zeit nurmehr halbseitig fließen. Mit einer Ampelregelung will das zuständige Staatliche Bauamt in Weilheim Schleichrouten über den Unterammergauer Weiler Scherenau verhindern. Den Zeitpunkt über die Osterferien hinweg hat die Behörde bewusst gewählt. „Wir wollen, dass der Verkehr mit Beginn der Wandersaison und der Pfingstferien wieder ohne Einschränkungen fließen kann“, sagt Christoph Prause, Abteilungsleiter für Brücken- und Ingenieurbau. Früher wäre nicht gegangen. „Die Sanierungsarbeiten sind stark temperaturabhängig.“ Sie erfordern über einen längeren Zeitraum Außentemperaturen von über fünf Grad. Prause hofft deshalb, dass es keinen erneuten Wintereinbruch gibt, um witterungsbedingte Verzögerungen zu vermeiden.

Die Brücke heute: Der Verkehr hat dem Übergang zugesetzt. Sie muss nun dringend saniert werden.

Dass erst nach 44 Jahren Sanierungsarbeiten nötig sind, ist laut dem Fachmann nicht ungewöhnlich. Über die Jahrzehnte hinweg hat die Überquerung allem standgehalten: dem permanenten Verkehr mit Sattelzügen, Bussen und Schwerlastern, aber auch den verschiedensten Umwelt- und Witterungseinflüssen von Hitze über Regen bis Kälte und Frost. Jetzt muss die Ammerbrücke ihrem Alter erstmals Tribut zollen. Salzhaltiges Wasser vom Winterdienst ist in eine brüchige Bewegungsfuge aus Gummi eingedrungen und hat Beton und Spannstahl angegriffen. Wie stark, zeigte ein Gutachten aus dem Jahr 2017: „Sehr stark“, resümiert Prause. Die Schäden seien bereits so ausgeprägt, dass „jeder weitere Wassereintritt vermieden“ werden muss. Doch gibt er Entwarnung: „Die Standsicherheit des Bauwerks ist dadurch nicht gefährdet.“

Selbst Hochwasser konnte dem Übergang nichts anhaben, wie am 22. Mai 1999.

Im Zuge der Arbeiten erneuert das Bauamt die rissigen Asphaltschichten auf der Brücke und setzt gleichzeitig Betonabschnitte instand. Zudem tauschen sie das Geländer aus, „da dessen Höhe nicht mehr den aktuellen Richtlinien entspricht“.

Seit wann genau ein von Menschen gemachter Übergang dort über die Ammer führt, ist nicht mehr bekannt. Genau so wenig über das Bauwerk vor 1935. Unterlagen sind keine vorhanden, beschreibt die Unterammergauer Ortschronik von Karl Nitzl und Josef Luttenbacher. Ein Foto gibt es noch. Es zeigt die schmale Holzbrücke mit Pferdegespannen im Winter. Seit 1977 steht nun die aktuelle Brücke mit einer Traglast von 16 Tonnen, einer Länge von 32 und einer Breite von 13,50 Metern.

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