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Fürsprecherin Angelika Mühlbauer (2.v.l.) mit Hadish Okubagergish (25, r.), seiner Frau Merry Guesh (20) und Töchterchen Efrata (1 Jahr 5 Monate). Die junge Familie stammt aus Eritrea.

Schwierige Wohnungssuche

„Wir brauchen aufgeschlossene Vermieter“

Murnau - Eine Bleibe für anerkannte Asylbewerber zu finden, ist eine harte Nuss. Diese Erfahrung hat Angelika Mühlbauer gemacht.

Die Murnauerin, die sich bei Team 7 von Murnau Miteinander engagiert, unterstützt Flüchtlinge bei der Wohnungssuche. „Wir müssen die Leute irgendwo unterbringen“, betont sie. 

Doch bei Vermietern ist sie oft auf taube Ohren gestoßen. „Die Ängste scheinen enorm zu sein.“ Diese abzubauen, ist ihr ein Anliegen. Momentan sucht sie zum einen für eine Familie aus dem Irak eine Unterkunft. Dabei handelt es sich um drei Erwachsene und ein Kind. Es sind Christen. Sie sind seit vergangener Woche anerkannt und leben momentan noch im Flüchtlingsheim in Moosrain. 

Zum anderen bemüht sich Mühlbauer, für eine junge Familie eine Bleibe im Murnauer Zentrum zu finden. Momentan leben die Eritreer, die ebenfalls Christen sind, in einer möblierten Wohnung in Hechendorf. Die Leute seien „einfach nett“, betont ihre Fürsprecherin. „Es sind ganz liebe Menschen, mit denen man sich gut vertragen kann.“ Es handle sich eigentlich um „ideale Mieter“. Auch für eine junge Frau, die ein Kind erwartet und ebenfalls aus Eritrea stammt, sucht sie eine Wohnung. 

Für Mühlbauer steht fest: Die Geflüchteten „können sich nur integrieren, wenn wir sie aufnehmen“. Es brauche ein paar aufgeschlossene Vermieter. Mühlbauer appelliert an die Murnauer Eigentümer, es einfach mal zu versuchen. Sie selber werde sich „sehr bemühen, dass das erfolgreiche Mietverhältnisse werden“. Die Murnauerin ist auch schon bei Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) vorstellig geworden, um das Problem anzusprechen. 

Was könnten Gründe sein, warum sich Vermieter gegen eine Vergabe an Migranten entscheiden? Ein Insider nennt zum Beispiel „sprachliche Barrieren“. Ein Vermieter gehe dann „den Weg des geringsten Widerstands“. Es gebe auch „emotionale Hemmschwellen. Man weiß nicht, mit wem man es zu tun hat.“ Die Sitten und Gebräuche seien fremd. Bei der Vermietung einer Eigentumswohnung könnten zudem Ängste existieren, „dass in der Eigentümergemeinschaft Unfrieden“ entstehe. 

Gemeinderätin Elisabeth Hoechner (SPD), Referentin für Familie, Behindertenaufgaben, Soziales und Wohnungswesen, hat „kein Patentrezept“, was die Wohnungssuche von Flüchtlingen betrifft. Die Sozialdemokratin setzt auf den Wohnungsbau. Die Gemeinde müsse hierfür Grundstücke ausweisen. Der Ort benötige mehr Wohnungen, die bezahlbar sind. „Und wir brauchen schnelle Lösungen.“ Der Gemeinderat sei sich einig, „dass man was machen muss“, betont Hoechner. Erst kürzlich hat sie einen Antrag in Sachen Wohnungsbau gestellt. 

Wenn anerkannte Flüchtlinge in Unterkünften für Asylbewerber bleiben, werden sie übrigens „Fehlbeleger“ genannt. Zurzeit gibt es im Landkreis 21, „davon vier in Landkreiseinrichtungen und 17 in Unterkünften der Regierung von Oberbayern“, sagt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen.

Kontakt: Vermieter, die sich vorstellen können, eine Wohnung an anerkannte Asylbewerber zu vermieten, können sich bei Angelika Mühlbauer unter der Telefonnummer 0 88 41/62 53 31 melden.

Roland Lory

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