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Protest: Doro Sührig hat die Unterschriftenaktion zum Erhalt der Haltestelle Jägerhaus initiiert.

Unterschriftenaktion gestartet

Bahn will Jägerhaus dichtmachen - es regt sich Protest

Bad Kohlgrub - Nur ein paar Gebäude umfasst der Weiler Jägerhaus an der Bahnstrecke Murnau-Oberammergau. Jetzt will die Bahn die Haltestelle dichtmachen.

Wanderer, Reitkinder und ihre Eltern sowie Stammgäste der Gaststätte Jägerhaus sind empört: Die Haltestelle im gleichnamigen Weiler soll im Dezember wegfallen, weil dort laut Auskunft der Deutschen Bahn zu wenig Reisende ein- und aussteigen, um den 120 000 Euro teuren und technisch vorgeschriebenen Umbau zu rechtfertigen. Seit knapp zwei Wochen läuft deshalb eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Standorts: Rund 500 Einheimische und Gäste haben bereits unterzeichnet.

„Ich kann nicht nachvollziehen, dass man hier eine bestehende Infrastruktur zerstört“, erklärt Doro Sührig, die die Anwohner des Weilers unterstützt. Sie hat ein Pferd im dortigen Reitstall stehen, zu dem ihre Tochter regelmäßig mit dem Zug fährt. „Die Haltestelle wird sehr wohl genutzt. Ich finde es nicht gut, dass man die Fahrgastzahlen im Winter erhoben hat, weil da natürlich weniger Wanderer unterwegs sind“, erklärt sie.

In einem Schreiben der Bahn vom April 2016 an Bad Kohlgrubs Bürgermeister Karl-Heinz Reichert heißt es: „Seit Jahren werden an der Bedarfshaltestelle Jägerhaus pro Tag weniger als zehn Reisende beim Ein- oder Aussteigen gezählt.“ Deshalb ist das Unternehmen nicht bereit, den besagten Umbau vorzunehmen. Es handelt sich um eine Beleuchtungsanlage für 90 000 Euro sowie die Ausstattung mit einer elektronischen Beschriftung für 30 000 Euro.

Der Gemeindechef hat daraufhin Kontakt mit der Abteilung „Öffentlicher Personennahverkehr“ im Landratsamt aufgenommen. Weil man dort „kein Interesse“ gezeigt habe, lässt er nun die Kämmerin überprüfen, ob die Kommune seitens der Regierung von Oberbayern mit Fördermitteln rechnen kann, falls sie die Umbau-Kosten übernimmt. „Die Gemeinde würde die Haltestelle gerne erhalten. Die Frage ist nur, ob wir uns das leisten können“, sagt Reichert.

Nicole Richter von der Ammergauer Alpen GmbH bestätigt, dass die Tourismusgemeinschaft die Haltestelle künftig als Ausgangs- und Endpunkt für Wanderwege nutzen möchte und deshalb ebenfalls ein Interesse an deren Erhalt hat: „Je mehr Haltestellen, desto besser ist es für unsere Gäste“, meint Richter. Allein in der Gaststätte Jägerhaus sammelte Betreiberin Liliana Stieglitz binnen kürzester Zeit 180 Unterschriften. „Zu uns kommen viele ältere Menschen und auch Familien mit kleinen Kindern. Sie nutzen nach einer Wanderung und der Einkehr bei uns den Zug für die Rückfahrt, weil sie nicht mehr gehen können oder wollen. Die Haltestelle in unmittelbarer Nähe gehört zum Angebot unseres Hauses dazu“, berichtet die Wirtin.

Ende der Woche wollen Sührig und ihre Mitstreiter die Unterschriften an Bürgermeister Reichert übergeben. „Wir hoffen, dass wir damit dazu beitragen können, unser Anliegen bei den zuständigen Stellen durchzusetzen“, so Sührig. Sie und Stieglitz sind sich einig: „Wir wollen, dass der Bedarfshalt so erhalten bleibt, wie er ist.“ Geht es nach dem Willen der Deutschen Bahn, wird er jedoch „zum Fahrplanwechsel im Dezember vorläufig geschlossen“, wie Bahnsprecher Anton Knapp auf Tagblatt-Nachfrage mitteilt. Alternativ könne der Bahnhof Bad Kohlgrub genutzt werden.

Michaela Feldmann-Kirschner

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