Nicht nur gut, sondern perfekt: Regelmäßig bringen sich die Unfallchirurgen und Orthopäden auf den neuesten Stand der Erkenntisse. Foto: Unfallklinik/fkn

Update für 400 Ärzte

Murnau - Wie können Mediziner in der Versorgung von lebensbedrohlichen Verletzungen beispielsweise im Bauch- und Brustraum noch besser werden? Was hat sich im Bereich der Gefäßtraumatologie Neues getan? Bei der 24. Murnauer Unfalltagung werden sich ab heute 400 Unfallchirurgen und Orthopäden austauschen.

Seit fast einem halben Jahrhundert schon kommen Ärzte, vorwiegend aus Bayern, Thüringen und Sachsen, aber auch aus anderen Bundesländern sowie aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden regelmäßig in Murnau zusammen, um sich an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (UKM) auf den aktuellsten Stand in Bereichen bringen zu lassen, die mit Unfallchirurgie und Orthopädie zusammenhängen. Zum 24. Mal findet in der UKM am heutigen Freitag und morgigen Samstag also die Murnauer Unfalltagung statt, die alle zwei Jahre, im Wechsel mit den „großen“ Tagungen des Landesverbandes Südost der Gesetzlichen Unfallversicherung/Berufsgenossenschaft abgehalten wird. Rund 400 vorwiegend Unfallchirurgen und Orthopäden werden, heuer das erste Mal an zwei Tagen, Vorträge von über 40 Experten anhören, aber auch beispielsweise in einem speziellen Gefäß-Kurs praktische Fertigkeiten in diesem Fachgebiet der Chirurgie erlangen.

In seinem Grußwort wird der ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Dr. Volker Bühren, auf die traurige Notwendigkeit verweisen, sich in Zukunft verstärkt auch mit Verletzungen befassen zu müssen, die bislang nicht unbedingt auf der Tagesordnung einer Klinik standen. Bühren meint damit den Anstieg von Terroranschlägen und die Zunahme von Kriegs- und Krisengebieten weltweit, auf die sich Kliniken einzustellen hätten. „Wir haben schon vereinzelt libysche und syrische Patienten in der Klinik“, ergänzt Dr. Michael Lang, Leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemein- und Traumachirurgie an der UKM, auf Nachfrage des Tagblatts.

Schwerpunkt der Tagung werden neben Verletzungen von Hand-, Fuß- und osteoporosebedingten Brüchen deshalb die so genannten viszeralen, also die Eingeweide betreffenden Verletzungen sein, die auch als Körperhöhlentraumata bezeichnet werden. „Diese Traumata müssen als lebensbedrohliche Verletzungen im Sinne des Damage-Control taktisch angegangen werden müssen“, wie Bühren erklärt. „Dies erfordert an großen, spezialisiert aufgestellten Kliniken eine vereinbarte und protokollarisch festgelegte interdisziplinäre Zusammenarbeit. Für die Versorgung in der Fläche, vor allem aber unter limitierten Ressourcen sind umfassende unfallchirurgische Kompetenzen notwendig, um die zum Lebens- und Funktionserhalt notwendigen Maßnahmen fachgerecht durchführen zu können.“ Naturgemäß seien dies auch die Qualitäten, die die Chirurgen der Bundeswehr in den aktuell zu betreuenden Einsatzgebieten benötigten.

Um sich hier aus erster Hand informieren zu lassen, wurde als Spezialist auch Prof. Dr. Benedikt Friemert vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm eingeladen. Wie Friemert betont, seien in der Vergangenheit im Fachgebiet Orthopädie und Unfallchirurgie wesentliche Inhalte und Fähigkeiten zur Behandlung des „polytraumatisierten Patienten“ mit Höhlenverletzungen im Abdomen-, Thorax- und Schädel-Bereich verloren gegangen. Ziel in Murnau sei es nun, diese Inhalte der Traumaversorgung wieder in den Vordergrund zu rücken. (sp)

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