US-Army gibt Artillery-Kaserne auf

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    VonTanja Brinkmann
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Garmisch-Partenkirchen - Nach dem General-Abrams-Komplex und dem Golfplatz in Burgrain geben die Amerikaner nun ein weiteres Areal zurück. Bis 2018 fallen zwei Drittel der Artillery-Kaserne wieder an die Deutschen.

Die Vorgaben aus dem Pentagon sind klar: 500 Millionen US-Dollar, das entspricht etwa 433 Millionen Euro, sollen in den amerikanischen Militär-Stützpunkten in Europa eingespart werden. Um das zu erreichen, haben die Experten in Washington D.C. den Rotstift angesetzt und 15 Einrichtungen gestrichen. Davon ist auch Garmisch-Partenkirchen betroffen. „Zwei Drittel der Artillery-Kaserne werden an die Deutschen zurückgegeben“, bestätigt Franz Zeilmann, Sprecher der US-Garnison in Grafenwöhr. Damit verbunden fallen in der Marktgemeinde bis 2018 auch 20 Stellen weg - 12 von amerikanischen Zivilisten, 8 von deutschen Arbeitnehmern. „Wieviele Menschen tatsächlich ihren Job verlieren, kann man aber noch nicht sagen“, meint Zeilmann. „Einige gehen, bis es soweit ist, noch in den Ruhestand, andere kommen anderweitig unter.“

Nachdem die Gerüchteküche in der Garmisch-Partenkirchner US-Gemeinde bereits brodelte, sei die Erleichterung unter den Kollegen nun groß, unterstreicht Sprecherin Andrea Winter. „Wir kommen offenbar wieder mit einem blauen Auge davon.“ Wie die geplante Schließung von etwa zwei Drittel der 62 Gebäude auf dem Areal der Artillery-Kaserne - nicht betroffen ist die so genannte Housing-Area, der Wohnbereich - letztlich abläuft, müsse nun eruiert werden. „Bisher stehen nur Prozentzahlen auf dem Papier“, betont sie. „Jetzt werden Arbeitsgruppen gebildet, um herauszufinden, welche Bereiche zusammengelegt oder gestrichen werden können.“ Ein Teil, der ihrer Meinung nach sicher reduziert wird, ist die PX samt Commissary - Einkaufszentrum und Supermarkt der Amerikaner. „Das Obergeschoss wurde ja schon geschlossen.“

Den weiteren Rückzug der Amerikaner bedauert Florian Nöbauer sehr. „Entscheidend ist aber, dass das Marshall-Center nicht angetastet wird“, meint der Garmisch-Partenkirchner Rathaussprecher. „Das ist schließlich von erheblicher Bedeutung für unseren Ort.“ Von den Plänen des Pentagons erfuhr der Markt erst am Donnerstagabend beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Gemeinde und Marshall-Center. Daher habe sich auch noch niemand Gedanken gemacht, wie das frei werdende Areal langfristig entwickelt werden könnte. „Erfahrungsgemäß dauert es auch, bis das abgewickelt ist.“

Der einst so große amerikanische Standort Garmisch-Partenkirchen schrumpft dadurch weiter. Seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 haben die USA etliche Flächen zurückgegeben: das Bowling-Gelände an der St.-Martin-Straße, die drei früheren Hotels an der Osterfelder-, Haupt- und Lazarettstraße, die Wäscherei und Werkstätten an der jetzigen Dompfaffstraße, das Haus Stadtmitte an der Wettersteinstraße, das PX-Areal an der Bahnhofstraße, das Offiziers-Gebäude gegenüber dem ehemaligen Patton-Hotel, den Golfplatz in Burgrain und die Keanes-Lodge hinter dem Tierheim. Zudem wurden sämtliche medizinische Einrichtungen, zuletzt 2007 die Zahnklinik, aus der Marktgemeinde abgezogen. „Aktive Soldaten gehen jetzt nach Mittenwald, alle anderen zu den niedergelassenen Ärzten im Ort“, erklärt Winter. In der Breitenau befinden sich derzeit noch zwei Banken, eine Tankstelle, die Post, das Einkaufszentrum, eine Grundschule, ein Kindergarten, Freizeiteinrichtungen und die Verwaltungsgebäude für die Amerikaner, die im Landkreis leben. „Wir sind irgendwie das Bürgermeisteramt“, verdeutlicht Winter die Aufgaben, „und unterstützen so das Marshall-Center, das Hotel Edelweiss Lodge & Resort und auch die Nato-Schule in Oberammergau.“

Von Tanja Brinkmann

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