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Die Paraderolle: Uschi Müller als „Pfiffige Urschl“.

Das Theaterspielen liegt ihr im Blut

Die Frau mit dem Gute-Laune-Talent

Garmisch-Partenkirchen - Ein komödiantisches Talent. Seit 40 Jahren steht Uschi Müller bereits auf der Bühne des Partenkirchner Bauerntheaters

Eigentlich begann ihre Bühnenkarriere schon als ganz kleines Madl: Sie sprach Prologe bei Weihnachtsfeiern oder lange Gedichte bei Jubiläen aller Art. Fehlerfrei. Und obendrein konnte sie auch schon ganz früh Schuhplattln – natürlich im Bauerntheater. Was ja auch kein Wunder ist, schließlich war Erzkomödiant Toni Berwein (vulgo Esterberger) ihr Vater. Heute freilich, Jahrzehnte später, ist sie längst selbst eine Theaterin mit Leib und Seele. Und sie steht am kommenden Samstag, 1. Oktober, 40 Jahres auf der Bühne, auf den Brettern, die auch im Bauerntheater die Welt bedeuten: Uschi Müller, eine Frau, die schon unzählige Zuschauer in Begeisterung versetzt, sie dank ihres Gute-Laune-Talents zu Lachstürmen hingerissen hat, feiert mit der neu inszenierten Komödie „Power Paula“ ihren Festabend.

Schon mindestens tausendmal ist sie im „Rassen“ auf der Bühne gestanden. Begonnen hat sie mit17. Der damalige Spielleiter Günther Frischmann ist auf sie zugekommen und hat sie gefragt, ob sie denn nicht eine kleine Rolle im Theater übernehmen würde. Gefragt, getan: Sie erhielt zum Bühnenstart sogleich den Part der verliebten Marei im „Wundertätigen Antoni“, wo sie übrigens unter anderem zu sagen hatte „i bin da Hirtabua vom Burgamoasta“. Sie, die heute Chefsekretärin im Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterbüro ist.

Doch damals war ja daran noch kein Drandenken. Müller spielte sich erst einmal hinein in die traditionelle Theaterkarriere, die stets mit den Liebhaberrollen beginnen, beispielsweise als Loni bei den „Hirschgrandln“, als Everl im „Verlegenheitskind“. Und lachend sagt sie über dieses Stück: „Damals noch das Everl, heute bin ich da die reife Bäuerin Theres – so ändern sich die Zeiten.“ Im jahrelangen Erfolgsstück „Seine Majestät der Kurgast“ war sie dann die Magd Urschl, bei der „Falschen Katz“ gab sie die originelle Schwäbin Ria, in der „Schwindelnichte“ die Resi. Doch ihre Traumrolle ist die „Wurzl“ beim „Ehestreik“, die ihr, gerade weil sie so resolut auftritt, unendlich viele Lacher bringt. Ihre Paraderolle jedoch ist nach wie vor die Urschl in der „Pfiffigen Urschl“, die übrigens erstmals inszeniert wurde, als die Uschi 2001 Silbernes Bühnenjubiläum feierte.

Schwierigkeiten beim Rollenlernen hat sie, die sich selbst heute über fünf Enkel freuen kann, noch nie gehabt. Und irgendwelche „Katastrophen“ auf der Bühne? „Nicht dass ich wüsste. Doch da fällt mir ein: Der Weinberger Toni, als ich ihm mal eine Watsch’n geben musste, lässt der sich glatt umfallen, liegt ausgestreckt auf der Bühne, eine Schrecksekunde für mich. Doch er hatte nur Gaudi gemacht.“ Lieblingskollegen unter den etwa 20 Protagonisten des Theaters hat sie übrigens keine, „denn ich mag alle gern“.

Ans Aufhören denkt Müller mit ihren 57 Jahren keinen Moment, „auch wenn man sich manchmal erst aufraffen muss, ins Theater zu gehen. Doch wenn ich drin bin, legt sich das schnell“. Für ihren Jubiläumsabend hat sie sich für ein in Partenkirchen neues Stück entschieden: die „Power-Paula“ von Ulla Kling, bei der sie als Oma Dirnberger die Hauptrolle spielt und sich in dieser Eigenschaft allerlei Ungewöhnliches leistet. Die rüstige Oma reißt nämlich aus dem Altersheim aus, lebt zeitweilig gar unter einer Brücke, wird dann von der Polizei aufgegriffen und . . . Der Rest sei nicht verraten. Die Rolle, übrigens auch die Lieblingsrolle der legendären Erni Singerl, ist ihr aber wie auf den Leib geschrieben.

Wolfgang Kaiser

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