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Abgründig verläuft die Diskussion die um die Mittenwalder Karwendelbahn.

Schlammschlacht im Mittenwalder Rathaus

Heidenheimer drohen unverhohlen

Mittenwald - Die Dauerfehde um die Karwendelbahn ist um ein Kapitel reicher: Auslöser ist ein Bebauungsplan, den der Mittenwalder Marktgemeinderat auf den Weg gebracht hat. 

Die beiden sind tatsächlich erschienen: Wolfgang W. Reich und sein Zuarbeiter Patrick Kenntner mischten sich am Dienstagabend im Rathaus-Sitzungssaal in Freizeit-Klamotten unters Publikum. Ein Schreiben hatten sie auch dabei. Kenntner verteilte die Blätter vor der Aussprache an die verdutzten Gemeinderäte. Der Inhalt: unverhohlene Drohungen. Doch die Volksvertreter ließen sich davon nicht einschüchtern und zeigten Geschlossenheit: Mit 18:0 Stimmen beschlossen sie die Aufstellung des Bebauungsplans Nummer 47 „Im Schwarzenfeld/Alpenkorpsstraße“ – für die einen eine Präventionsmaßnahme, für die anderen Provokation.

„Hiermit möchten wir Sie im Namen der Karwendelbahn AG darauf aufmerksam machen, dass jede nachteilige Veränderung des Bebauungsplans zu erheblichen rechtlichen Auswirkungen führen kann“, heißt es bereits im ersten Satz der Denkschrift, die weder Datum noch Unterschrift trägt. „Aber auch das ist nichts Neues“, meinte Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) leicht süffisant, als er das Schreiben der Öffentlichkeit vortrug. Jeder im Ägidius-Jais-Saal spürte: In der beispiellosen Schlammschlacht zwischen den beiden Karwendelbahn-Hauptaktionären – die Konsortium AG (Reich-Gruppe) auf der einen und der Marktgemeinde Mittenwald auf der anderen Seite –, die den Ort seit Jahresbeginn in Atem hält, ist ein weiteres Kapitel aufgeschlagen.

Wie von vielen im Vorfeld vermutet, schmeckt Reich und Co. der Bebauungsplan, der zwischen der Bundesstraße 2 und dem Trachtenheim für das Sondergebiet Berg- und Wintersport unumstößliche Festsetzungen garantieren soll, überhaupt nicht. Zumal beispielsweise das großzügige Areal um die Karwendelbahn und die im Schwarzenfeld situierte Freifläche von jeglicher Bebauung freigehalten werden sollen – „um touristische Zwecke zu sichern“, wie Marktbaumeister Ralf Bues mitteilte. Aber auch, um „eine unerwünschte Nutzung“ und „Bodenspekulation“ zu verhindern. Mit anderen Worten: Der Verkauf von Karwendelbahn-Parzellen zu Baulandpreisen wird zunichtegemacht. „Ich bin überzeugt, dass wir richtig handeln“, verdeutlichte der Bürgermeister.

Sympathiepunkte wird er damit bei Wolfgang W. Reich, der seit Wochen mit Hornsteiner im Clinch liegt, nicht gesammelt haben. Was er und seine Heidenheimer Geschäftsfreunde von dem Gemeinde-Vorstoß halten, drücken sie mehr als deutlich in ihrem Schreiben aus. Darin machen sie etwa Schadensersatzansprüche auch gegen Gemeinderäte persönlich geltend, falls der gefasste Bebauungsplan Nachteile für die Karwendelbahn AG zur Folge hätte. „Zum anderen möchten wir Sie persönlich darauf aufmerksam machen, dass auch strafrechtliche Gesichtspunkte zu beachten sind.“ Für Reich, den vorbestraften Ex-Vorstand, und seine Partner besteht darüberhinaus „die Gefahr, dass durch derartige nachteilige Maßnahmen der Untreuetatbestand gemäß Strafgesetzbuch erfüllt wird“. Das wiederum könnte „zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen“ führen. „Aus diesem Grund weisen wir Sie ausdrücklich auf Ihre Sorgfaltspflichten bei der Ausübung Ihres Gemeinderatsmandats hin.“

Die Adressaten, die laut Landgericht München in Reichs Schriftsätzen schon mal als „minderbemittelt“ tituliert wurden, nahmen diesen Hinweis zum einen amüsiert, zum anderen mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zur Kenntnis. Während beispielsweise Stefan Schmitz (Bürgervereinigung) das Karwendelbahn-Schreiben in die Kategorie „Papierflieger“ einordnet, betonte Josef Schandl (Freie Wähler): „Niemand sollte uns vorschreiben, in welche Richtung wir abstimmen sollen!“ Irritiert vom „Säbelrasseln“ und „Druckausüben“ zeigte sich CSU-Gemeinderat Peter Wimmer. Und Enrico Corongiu (SPD) fragte sich im Hinblick auf den strittigen Bebauungsplan: „Was sind denn darin die Nachteile?“ Es gibt keine, antworteten Georg Seitz (Freie Wähler) und Regina Hornsteiner (CSU) unisono.

Christof Schnürer

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