Erst stade Zeit, dann Ärger

Auf Konfrontationskurs beim Murnauer Christkindlmarkt

Murnau - Die Vereinegemeinschaft ist sauer auf Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger. Er will beim Christkindlmarkt ein völlig neues Konzept umsetzen.

Zwar ist der Christkindlmarkt schon gut vier Wochen her, doch im Nachgang rumort es hinter den Kulissen, wie jetzt bei der Bilanz des Veranstalters, der Murnauer Vereinsgemeinschaft, deutlich wurde. Anlass sind Äußerungen von Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der laut Sepp Bierling, dem Sprecher der Vereinsgemeinschaft, von nötigen Verbesserungen des Christkindlmarktes spricht. „Da ist von einem künftigen Christkindlmarkt an vier Wochenenden die Rede“, berichtet Bierling. Und von Veränderungen. „Wir brauchen aber kein neues Konzept.“ Das altbayerische Sortiment und das besondere Flair des Christkindlmarktes sei in Gefahr, wenn man den ganzen Advent über im Obermarkt präsent sei. Besonders ärgerlich sei der Vorstoß, weil Bittlingers Aussage bei Vorbesprechungen klar gewesen sein soll: „Wenn die Vereine den Christkindklmarkt so beibehalten wollen, wird nichts geändert.“

Der Wirtschaftsförderer findet es auf Tagblatt-Nachfrage schade, dass er und Tourismusmanager Philip Schürlein zu dem Termin nicht geladen waren. „Wir hätten den Dialog gerne gemeinsam weitergeführt.“ Denn in Bittlingers Augen seien Überlegungen hinsichtlich Verbesserungen gerechtfertigt und nötig. „Wir möchten Verkaufsimpulse setzen, um die schlechte Auslastung in den Monaten Januar, Februar und März für den Einzelhandel zu stärken.“ Man habe sorgfältig analysiert und sich bei Fachtagungen informiert. Und: Bittlinger will nun die politischen Gremien von einem Markt an vier Wochenenden überzeugen und Angebote einholen. Möglicherweise würden die Pläne erst 2017 realisiert. Der Wirtschaftsförderer ist grundsätzlich überzeugt, dass ein Kompromiss möglich ist, der auch die Integration der Vereine im neuen Christkindlmarkt-Konzept beinhalte. „Wenn man an vier Adventswochenenden aktiv ist, könnten die Vereine das erste Wochenende alleine bestreiten und an den übrigen Wochenenden beispielsweise exklusiv den Glühweinverkauf übernehmen.“ Alle seien gefragt, wenn das neue Konzept funktionieren soll. „Mir ist es ein großes Anliegen, keine Konflikte zu schüren“, stellt Bittlinger klar.

Bierling hingegen bezweifelt, dass die Geschäftsleute einen vierwöchigen Christkindlmarkt gutheißen. „Einigen von ihnen waren die Stände vor ihren Schaufenstern schon an einem Wochenende ein Dorn im Auge.“ Ärger gab es bereits beim Aufbau, weil befürchtet wurde, dass potenzielle Kunden vom Einkauf abgehalten würden. „Das ist ein Schmarrn“, beschwichtigt Bierling. „Selbst Geschäftsleute, die beim Aufbau nicht begeistert waren, sind danach zu uns gekommen und haben uns über ihr positives Adventsgeschäft berichtet“. Der Markt sei wieder sehr erfolgreich gewesen, was die hohen Besucherzahlen bestätigten würden. „Wir brauchen keinen Event-Manager für unseren Christkindlmarkt, die Events sind bereits seit Jahren die Aktivitäten der Vereine,“ stellt Bierling deshalb klar und erhielt Zuspruch von seinen Mitstreitern. „Vielmehr wünschen wir uns mehr Rückhalt von der Gemeinde im Vorfeld, was leider nicht stattfindet“, bedauert Bierling. Kritik gab es aber auch in eigenen Reihen an die Adresse von einzelnen Organisationen, deren Vertreter die vereinbarten Aufräumarbeiten nicht ernst genommen haben. „Das wird beim nächsten Mal Konsequenzen haben“, kündigt Bierling an. Er bezeichnet das als unfaires Verhalten gegenüber jenen, die sich ordnungsgemäß an den Arbeiten beteiligen und sogar Überstunden machen müssen.

Gabi Königbauer

Rubriklistenbild: © dpa

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