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Ist derzeit eine Sackgasse: der Murnauer Untermarkt.

Kontroverse Debatte

Beruhigter Untermarkt: Fluch oder Segen?

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In der Debatte um die vorübergehende Verkehrsberuhigung des Murnauer Untermarkts sind die Positionen kontrovers: Befürworter sehen eine höhere Lebens- und Einkaufsqualität, Kritiker befürchten Kundenrückgang.

Die meisten Murnauer dürften sich mittlerweile mit der neuen Verkehrssituation arrangiert haben: Seit Sommer ist der Untermarkt vorübergehend zur Sackgasse degradiert – eine zwangsweise verkehrsberuhigte Zone. Der Grund ist bekannt: Im Zuge des Rathaus-Sanierung wurde die Schlossbergstraße – dort steht ein Baukran – gesperrt. Wer jetzt von Süden ins Zentrum will, muss einen Umweg in Kauf nehmen.

Es stellt sich die Frage, ob der Untermarkt auch nach dem Umbau des Verwaltungssitzes als eine Art verlängerte Fußgängerzone eingerichtet werden soll, in die nur Lieferanten und Anwohner fahren dürfen. Dieser Vorschlag ist immer wieder zu hören. Die Positionen im Ort stehen sich jedoch kontrovers gegenüber: Die einen sehen darin eine Dauerlösung, die ihrer Meinung nach die Einkaufs- und Lebensqualität erhöht. Andere wiederum warnen vor solch einem Schritt und befürchten weniger Kunden und damit Einbußen bei den Geschäftsleuten. Auffallend ist: Belastbare Daten, etwa bezüglich der Entwicklung der Besucherfrequenz, gibt es bislang nicht. Subjektive Eindrücke bestimmen die Debatte.

Zumindest ein Stimmungsbild soll eine Umfrage ergeben, die seit einiger Zeit Gundola Steiger und ihr Ehemann abhalten. Die in Geschäften ausgelegten Listen seien zwar noch nicht ausgewertet, erklärt die Geschäftsfrau, die einen Schmuckladen im Untermarkt betreibt. Aber es zeichne sich eine breite Zustimmung für eine Verkehrsberuhigung ab. Für Geiger ist die Sache klar: Von einem Untermarkt, in dem die Fußgänger Vorrang haben, profitierten die Unternehmer. Denn: „Das Einkaufen ist weniger stressig.“ Bei ihr habe der Umsatz um etwa 50 Prozent zugelegt, seitdem die Schlossbergstraße dicht ist.

Viele Gespräche in dieser Sache führt und führte Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger. Seiner Einschätzung nach begrüßt die große Mehrheit der Ladenbetreiber im Untermarkt die jetzige Situation – und wünscht sich eine langfristige Fortsetzung. Murnau, so Bittlinger, müsse seinen Einkaufscharakter mit einer „kleinen, feinen Ladenlandschaft“ stärken und vermarkten. Dies empfehle auch ein Gutachten. Eine Verkehrsberuhigung des Untermarkts passe perfekt dazu. Daher sollte die Politik spätestens bis zum Ende der Baukran-Phase – das dürfte Ende nächsten Jahres sein – entscheiden, wie es weitergeht.

Die Diskussionen werden sicherlich spannend. Denn dabei steht die Frage im Mittelpunkt, welchen Stellenwert das Auto im Ortskern haben soll. Die Meinungen gehen offenbar weit auseinander. SPD-Gemeinderat Felix Burger ist beispielsweise ein Befürworter eines beruhigten Untermarkts, in dem Passanten das Bild prägen – und nicht Autos. „Woanders funktioniert das auch“, sagt er. Allerdings müsste man erst mit den betroffenen Geschäftsleuten und Anwohnern sprechen, schlägt er vor – und ein Verkehrskonzept für diesen sensiblen Bereich entwickeln. Ein Problem ist seiner Ansicht nach vor allem die Lederergasse, die derzeit als Ausweichroute genutzt wird und dem Vernehmen nach hoffnungslos überlastet ist.

Doch es gibt auch warnende Stimmen: „Wir brauchen den Untermarkt als Einfahrt in die Ortsmitte. Er muss offen bleiben in beide Richtungen“, sagt CSU-Gemeinderat Andreas Müssig. Sonst bestehe die Gefahr, dass Kunden fernbleiben. Dies betreffe vor allem Geschäfte mit Waren des täglichen Bedarfs, sagt Müssig, der neben dem Rathaus einen Blumenladen hat. Er sei froh, wenn die Bauphase beendet und die Sperrung der Schlossbergstraße wieder aufgehoben wird. „Auf Dauer ist das nicht tragbar.“ Ähnlich sieht es Wolfgang Köglmayr. Das Zentrum müsse mit dem Auto erreichbar bleiben, sagt der Hotelier, Schreibwarenhändler und ehemalige CSU-Fraktionssprecher. Sonst verliere man Kunden. Wenn diese einmal ihr Einkaufsverhalten geändert hätten, sei es sehr schwer, sie wieder zurückzugewinnen.

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