Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis: Geiger Automotive mit Hauptsitz in Murnau. Foto: Kolb

Verlässt Geiger den Landkreis?

Murnau - Seit Jahren hängt der mögliche Wegzug des Traditionsbetriebs Geiger Automotive aus Murnau wie ein Damoklesschwert über der Marktgemeinde. Die Befürchtung könnte nun wahr werden.

Denn der Autozulieferer spielt recht konkret das Szenario durch, den Standort im Ortsteil Neu-Egling aufzugeben und woanders in der Umgebung auf der grünen Wiese neu zu bauen. An Angeboten aus dem Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau soll es dem Vernehmen nach nicht mangeln. Habach wird als heißer Anwärter gehandelt. Dort entsteht ein riesiges Gewerbegebiet - zu konkurrenzlos günstigen Quadratmeterpreisen.

Für Murnau steht viel auf dem Spiel: Das Unternehmen Geiger, das vergangenes Jahr von dem japanischen Sanoh-Konzern geschluckt wurde (wir berichteten), ist mit knapp 280 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber vor Ort. Angeblich ist noch nichts entschieden. Aber es sieht nicht gut aus. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir wegziehen, ist im Moment größer als dass wir hier bleiben“, sagt Geschäftsführer Dr. Peter Reif auf Nachfrage.

Zur Erinnerung: Die Geiger-Manager machten in der Vergangenheit nie einen Hehl daraus, dass das idyllisch am Riegsee gelegene Werk die Bedürfnisse eines Betriebes, der global mitmischen will, nicht erfüllt. Das angemietete Gebäude gilt als veraltet und zu klein - schlechte Voraussetzungen für moderne Produktionsabläufe.

Schon der ehemalige Eigentümer, die niederländische Investmentgesellschaft HTP, hatte mit einer Verlagerung geliebäugelt. Das Vorhaben wurde aber auf Eis gelegt - vermutlich weil sich der Verkauf des Kunststoff-Spezialisten abzeichnete. Es verwundert nicht, dass die neuen Herren des Hauses die Standortfrage erneut aufs Tapet bringen. Angeblich spielen auch Differenzen mit den Besitzern der jetzigen Immobilie, was die Miethöhe angeht, eine Rolle.

Reif lässt sich nicht in die Karten schauen - und hält sich mit Details zurück. Der Firmenboss, der für die gesamte Geiger-Gruppe mit ihren fünf Standorten in Deutschland und den USA verantwortlich ist, stellt nur nüchtern fest: „Das ist kein optimaler Industrie-Standort.“ Es müsse was passieren - und zwar bald. Spätestens Mitte des Jahres soll eine Entscheidung fallen. Entweder werde der Komplex in Murnau baulich auf Vordermann gebracht, kündigt der Österreicher an. Oder man werde eben anderswo im Umkreis von etwa 30 Kilometern einen neuen Hauptsitz mit ausreichend Platz für die Verwaltung, Entwicklung und Produktion errichten.

Geiger benötige für einen Neubau ein Areal von rund 35 000 Quadratmetern - und eine Erweiterungsoption für 10 000 Quadratmeter, rechnet Reif vor. Insgesamt entspricht das der Größe von gut sechs Fußballfeldern. Im Falle eines Umzugs sollen keine Arbeitsplätze wegfallen.

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat schlechte Karten, diesen Bedarf zu decken. Laut einer aktuellen Erhebung der Kreisentwicklungsgesellschaft gibt es in keinem der 22 Orte Gewerbegrund in diesem Umfang. Murnau hat im Kemmelpark lediglich knapp 20 000 Quadratmeter frei. Und die dürften für einen Industrie-Betrieb eher ungeeignet sein.

Besser sieht es bei den Nachbarn im Landkreis Weilheim-Schongau aus. Habachs Bürgermeister Michael Strobl war wohl im Murnauer Werk schon zu Besuch. Der Rathaus-Chef gibt sich bedeckt, räumt „lose Gespräche“ ein. Eins ist gewiss: Habach hat laut Strobl Interesse daran, den Autozulieferer für eine Ansiedlung zu gewinnen. Direkt an der Bundesstraße 472 soll ein 15 Hektar großes Gewerbegebiet (bebaubare Fläche: acht Hektar) entstehen. Das würde für Geiger locker reichen. Im Gespräch ist ein Quadratmeterpreis von unter 100 Euro - ein Schnäppchen im Vergleich zu den Kosten, die hierzulande anfallen. Im Murnauer Kemmelpark geht es erst ab 210 Euro los.

Die Arbeitnehmervertreter bei Geiger sind alarmiert. Der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Nebl will sich für einen Verbleib am bisherigen Standort einsetzen. Denn: „Murnau braucht Industrie-Arbeitsplätze.“ Im Falle einer Abwanderung sind seiner Ansicht nach Rationalisierungen und damit ein Job-Abbau zu befürchten. (as)

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