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Martina-Stephanie Brenner und Stephan Theelen von der Initiative No-B23 kämpfen für eine andere Trasse.

Zu wenig Unterschriften

Verlegung der B23: Petition wahrscheinlich gescheitert

Oberau - Das Bürgerbegehren gegen die Verlegung der B23 durch die unberührte Natur des Mühlbergs droht mangels an Unterstützer zu scheitern.

Es ist zäh gelaufen. Das zeigt der Blick ins Internet: 554 Unterstützer haben sich für die Online-Petition „Nein zur Verlegung der B23 in Oberau quer durch die unberührte Natur des Mühlbergs“ gefunden. Nicht einmal 200 der Unterzeichner stammen aus Oberau. Zu wenige für ein Bürgerbegehren, das Martina-Stephanie Brenner, eine der Initiatorinnen, ins Auge gefasst hat. Doch geben die Vertreter der Initiative „NO B23“ nicht auf.

Ihre wichtigsten Schritte: Sie schrieben an das Bundesverkehrsministerium sowie an die Regierung von Oberbayern. Zudem haben sie einen neuen Flyer für alle Oberauer Haushalte gedruckt. Darin fordern sie unter anderem – wie auch in den ausführlichen und mit vielen Argumenten gefüllten Briefen an die Politiker, dass endlich und bald eine echte Alternative zur zuletzt diskutierten B23-Trasse geprüft wird. Denn der Neubau der Straße ist für sie keine Option; vielmehr müsse man die bestehende Strecke optimieren.

Beim Tunnelbau selbst läuft alles nach Plan. West- und Oströhre nähern sich dem Gießenbachtal. Mit diesem 204-Millionen-Euro-Bau aber ist es nicht getan; die Westumfahrung der B2 zieht ein weiteres Projekt nach sich: die Verlegung der Bundesstraße in Richtung Ettal, die Oberau effektiv von Verkehr, Lärm und Abgasen befreien soll. Als vordringlicher Bedarf steht der Bau im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030.

So weit, so gut, so unbefriedigend. Zumindest für die Initiative „NO B23“. Sie warnt vor der möglichen Trassenführung, die in besagtem Entwurf steht und die das Straßenbauamt Weilheim in einer Informationsveranstaltung im April den Bürgern vorgestellt hat. Diese sieht wie berichtet vor, von der unteren Haarnadelkurve am Ettaler Berg Richtung Nordportal einzuschleifen. Damit endet die B23 am Ortschild. Durch diese „Kappung“ seien alle Geschäfte im Einkaufs- und Gewerbegebiet gefährdet, warnt die Initiative. Zudem führe die neue Straße 80 Meter am Alpenschwimmbad vorbei. Zur Attraktivität des Bads tragen Aussicht und der Lärm wohl nicht gerade bei, sagt Brenner sarkastisch. Weiter kritisiert die Initiative bekanntlich den „enormen Flächenverbrauch in bisher unberührter Natur“.

Sie präsentiert ihre eigene Trasse: eine direkte Einschleifung der B23 am Ortseingang von Oberau in den B2-Tunnel. Brenner und ihre Mitstreiter befürchten, dass diese Alternative ignoriert wird. Dabei drängt in ihren Augen die Zeit. Eine Machbarkeitsstudie müsse vorliegen, bevor die Politiker den Bundesverkehrswegeplan im Herbst verabschieden. Damit die richtige Variante festgehalten ist.

Ein weiteres Argument: Steht die Trasse, könnten die Tunnelbauer Vorkehrungen treffen, sobald sie im Herbst im Gießenbachtal ankommen. Das spart Geld. Quintessenz von „NO B23“: Es pressiert. Und zwar mächtig.

Auf die Bremse drückt Michael Kordon, Leiter des Straßenbauamts Weilheim, das für das B23-Projekt zuständig ist. Der Bundesverkehrswegeplan lege keine Trassierung fest, er bilde nur die Basis. Das wiederholt er gebetsmühlenartig und versichert: Sobald feststeht, dass die B23 im vordringlichen Bedarf bleibt, wird seine Behörde alle Varianten prüfen. Keinen Hehl macht er daraus, dass er die Lösung der Initiative für „unwahrscheinlich“ hält: Einem „riesigen Kostenaufwand“ stehe möglicherweise geringer Nutzen gegenüber. Kordon bezweifelt, ob Autofahrer noch in den Tunnel einbiegen, wenn die Straße sie so weit in den Ort führt. Die gewünschte Verkehrsentlastung bliebe dann aus. Dennoch verspricht er einmal mehr: „Wir werden das Thema intensiv begleiten und Alternativen diskutieren.“

Eine klare Absage erteilt er der Forderung, schon jetzt die Trasse für die B23 vorzubereiten. „Das ist abwegig. Wir haben noch nicht mal einen Plan.“ Geschweige denn eine Genehmigung. „Davon sind wir meilenweit entfernt.“

Brenner und Co. bleiben dabei: Bis September wollen sie die Machbarkeitsstudie samt Kostenschätzung für ihre Alternative auf dem Tisch liegen haben. Doch sprechen sie nicht für alle Oberauer. Wie berichtet, befürwortet die Initiative Verkehrsentlastung Oberau (VEO) den Vorschlag des Straßenbauamts. Brenner setzt verstärkt auf die Aufklärung der Bürger. „Die Auswirkungen des Neubaus sind ihnen nicht bewusst.“ Unter anderem will sie die geplanten Varianten in einem Modell veranschaulichen. „Das Ganze darf nicht in Vergessenheit geraten.

Katharina Bromberger

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