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Passt auf die Geißen auf: Helene Ostlers Sohn Lenzi.

Aufatmen bei Farchanter Landwirten

Vermisste Ziegen wieder im Stall

Farchant - Endlich ist die Suche geglückt: 18 der vermissten Geißen aus Farchant sind nach drei Monaten wieder in die heimischen Ställe zurückgekehrt. Eine Junggeiß bleibt verschollen.

Als Toni Leitenbauer wieder einmal durch sein Fernglas in Richtung des Hohen Fricken in Farchant späht, lässt er plötzlich alles stehen und liegen. Er packt so viel Brot wie möglich in seine Taschen und läuft so schnell die Füße ihn tragen können den Berg hinauf. Endlich ist es soweit. Endlich sind seine Geißen in greifbarer Nähe.

Vor drei Monaten wurden sie von einem freilaufenden Hund verjagt. Seitdem leben die Tiere im Gebirge. Schon des Öfteren hatte der Farchanter sie in den vergangenen Wochen im felsigen Gebirge gesichtet. Dieses Mal sind die Ziegen so weit hinuntergewandert, dass er sie zu Fuß erreichen kann. Leitenbauer ist erfolgreich. Er schafft es, die Tiere ins Tal zu locken. Nach gut einer Stunde stehen sie wieder Zuhause im Stall. „Letztlich ging es doch recht schnell“, sagt der 47-Jährige.

Es waren insgesamt 19 Ziegen einer Gemeinschafts-Herde, die im Juni von der Föhrenheide in Farchant gejagt und auf den Hohen Fricken geflüchtet sind. Schuld ist ein Hunde-Besitzer, der seinen Vierbeiner im Weidegebiet frei herumlaufen ließ. Seit dieser Zeit war fast täglich einer der vier Herden-Halter im Wald und in den Bergen unterwegs, um die Geißen wieder nach Hause zu holen. Da diese nur sporadisch gesichtet wurden und sich in Gebieten aufhielten, die für Menschen nicht zugänglich waren, gestaltete sich die Heimführaktion mehr als schwierig. Am Samstag ist sie endlich geglückt. Nur eine einjährige Geiß ist immer noch verschollen.

Auch die Familie von Helene Ostler musste um ihre Zicklein monatelang bangen. Als die Nachricht kam, dass die Tiere endlich erfolgreich eingefangen wurden, war Ostler mehr als erleichtert. „Wir sind sehr glücklich, dass die Geißen wieder da sind.“

Auch Leitenbauer freut sich sehr, dass seine sechs Tiere endlich zurückgekehrt sind. Es bereitet ihm jedoch etwas Sorgen, dass sie sich während der langen Abwesenheit verändert haben. Die Befürchtung, dass die Geißen auf dem Berg verwildern, hat sich zum Teil bewahrheitet. „Auf die Jungen kann man gar nicht zugehen“, sagt er. Immerhin sind sie gesund. Damit die Tiere wieder zutraulicher werden, sollen sie erst mal im Stall bleiben.

Die unzählig vielen Stunden, die er und seine Familie in den vergangenen Wochen mit Suchen und Ausschauhalten verbracht haben, kommentiert er mit einem tiefen Seufzer. „Das Ganze war schon der Wahnsinn.“ Auch Ostler bedauert, dass sich alles so lange hingezogen hat. „Die Zeit gibt uns keiner zurück“, sagt sie. Ob sich der Besitzer des Hundes, der für die ganze Misere verantwortlich ist, über den Aufwand bewusst ist, ist fraglich.

Dass der Gemeinderat in Farchant jüngst eine Anleinpflicht für Hunde für Bereiche im Ort beschlossen hat, wird natürlich begrüßt. Ostler ist dafür, dass Vierbeiner sich frei bewegen können. Dafür braucht es aber rücksichtsvolle Halter. Ob sich jeder an die neue Hunde-Vorschrift halten wird, ist freilich ungewiss. Wenn Weidevieh wieder aufgrund einer Hetzjagd verschwindet, hat man nun wenigstens eine rechtliche Handhabe.

Blickt Ostler auf die vergangenen Monate zurück, kann sie es manchmal gar nicht glauben, wie sich alles zugetragen hat. „Es ist schon irgendwie eine unglaubliche Geschichte“, sagt sie – Gottseidank eine mit glücklichem Ende.

Magdalena Kratzer

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