Einer der Spender: Bürgermeister Schmid lässt sich von Krankenpfleger David Hirscher Blut entnehmen. Foto: sehr

Viel "Kraft und Mut" für Leukämie-Erkrankte

Garmisch-Partenkirchen - 1669 Menschen lassen sich bei Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) als potenzielle Stammzellenspender registieren.

„Hoffentlich passen wir zusammen.“ Ein Wunsch, hinterlassen auf einer großen Papierwand. Ein Wunsch, den gestern wohl viele im Herzen trugen. 1669 ließen sich bei der Registrierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) im Olympiasaal des Kongresszentrums in Garmisch-Partenkirchen als potenzielle Spender typisieren.

Bereits um 11 Uhr bildete sich vor dem Eingangsbereich eine lange Schlange an Personen - allesamt mit einem gemeinsamen Ziel: den ersten Schritt zu unternehmen, um als Stammzellenspender ein Leben zu retten. Aber nicht irgendein Leben, sondern das von den an Leukämie erkrankten Ferit Feritoglu, Ingrid Liebe und Klaus Stöhr, die dringend einen passenden Spender brauchen.

„Ich bin sehr glücklich über die positive Resonanz und hätte nie gedacht, dass ich so eine gewaltige Lawine losgetreten habe“, sagte Faize Akbas, Initiatorin der Aktion und Tante von Ferit erfreut. „Dadurch steigt die Hoffnung.“ Noch völlig überrascht von dem großen Andrang zeigte sich Stephanie Stöhr. „Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen“, beschrieb die Frau des erkrankten Murnauers ihre Emotionen. Das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft gäben in dieser schweren Zeit „viel Kraft und Mut“. Sie ist dankbar, mehr als das. Aus allen Teilen des Landkreises reisten die Spender an, sogar mit Bussen. Das beindruckte auch Ingrid Liebe aus Oberammergau, die sich kurz vor Ort selbst ein Bild machte. „Dass die Leute unter anderem nur wegen ihr kamen, hat sie sehr berührt“, erzählte ihr Ehemann André Liebe.

Rund 25 Blutabnehmer und 50 Datenerfasser unterstützten die Typisierung der 1669 möglichen Spender ehrenamtlich. 8300 Euro wurden für die DKMS gesammelt. Eine Dimension, die sich vorher keiner erträumen konnte und die jede Stadt überträfen, weiß Deniz Tekan von der DKMS.„Das übersteigt alle Erwartungen“, betont Tekin. „Man erlebt selten, dass so viele Helfer und Personen kommen.“

Lediglich fünf Milliliter Blut wurden pro Person entnommen. Fünf Milliliter, die im Glücksfall dafür sorgen, dass ein totkranker Mensch geheilt werden kann. Diese Chance ließ sich auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid nicht entgehen. „Auf diese Weise kann man ganz gezielt helfen.“ Dass eine Registrierungs-Veranstaltung nach Kräften unterstützt werden muss, forderte zudem Landrat Harald Kühn, denn es ist „das Kleinste, was man tun kann, um ein Leben zu retten“.

Dieser Aspekt stand im Vordergrund. Zwar erblasste so manches Gesicht bei der Blutentnahme oder es liefen Schweißperlen über die Stirn, für den guten Zweck ließen die Teilnehmer aber das kurze und schmerzlose Prozedere gerne über sich ergehen. Denn eines steckt bei allen im Hinterkopf: Leukämie kann jeden treffen. Laut DKMS erkrankt in Deutschland alle 45 Minuten ein Mensch an Blutkrebs. Ob einer der Teilnehmer als potenzieller Spender in Frage kommt, stellt sich in den nächsten vier bis sechs Wochen heraus. Bis dahin heißt es weiterhin, hoffen, dass Spender und Patient zusammenpassen. (mas)

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