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Ein Zuschauermagnet ist die Vierschanzentournee, die am Dienstag, 29. Dezember, in Oberstdorf startet und am 1. Januar nach Garmisch-Partenkirchen kommt.

Drei große Ziele gesteckt

Vierschanzentournee: Neuer Präsident kommt aus dem Werdenfels

Garmisch-Partenkirchen - Keine Wintersportveranstaltung hat so hohe TV-Einschaltquoten wie die Vierschanzentournee. Wenn diese in Oberstdorf startet, regiert erstmals der Chef des Skiclubs Partenkirchen über diesen prestigeträchtigen Wettkampf.

Lesestoff hat Tournee- und Skiclub-Urgestein Hans Ostler (r.) seinem Nachfolger Michael Maurer vorbereitet.

Hans Ostler schiebt Michael Maurer einen Stapel Dokumente zu. „Das kannst lesen.“ Weitere folgen. „Da hab’ ich noch was zusammengeschrieben. Schau’s Dir mal an.“ Maurer, Präsident des Skiclubs Partenkirchen (SCP), studiert die Unterlagen. „Das hast ja genau dokumentiert“, sagt er beeindruckt. In 15 Jahren als Chef der Vierschanzentournee (1988 bis 2003) sammeln sich Erfahrungen an. Die will Ostler an Maurer weitergeben. Denn der 44-Jährige tritt in die Fußstapfen des 90-Jährigen: Seit April ist Maurer Tournee-Präsident. Damit wird ein Traum wahr. „Hans hat sich immer gewünscht, dass das Amt wieder nach Partenkirchen kommt.“ Ostler nickt. Noch einer seiner Wünsche ging in Erfüllung. Der Ehrenpräsident des SCP und der Vierschanzentournee, hat immer gesagt: „Wenn die Präsidentschaft kommt, muss das der Michi machen.“ Er macht’s.

Im Rahmen der Frühjahrstagung wählten die Vorsitzenden der Partnervereine in Oberstdorf, Innsbruck und Bischofshofen den Garmisch-Partenkirchner, bislang Chef des Organisationskomitees für das heimische Neujahrsspringen, zum Nachfolger von Alfons Schranz (Innsbruck). Satzungsgemäß wechselt die Präsidentschaft alle drei Jahre. Doch es gibt Sonderfälle. Schranz suchte nach fünf Jahren einen Nachfolger. Auch Maurer legt sich nicht fest. „Wenn ich’s gut mach’ – wer weiß. Dann gibt’s vielleicht ein Jahr dazu . . .“

Jedenfalls „will ich der Tournee meinen Stempel aufdrücken“. Dabei denkt er an keine Skisprung-Revolution. Denn er weiß: Er übernimmt ein bestelltes Feld. Die Tournee sei ein Aushängeschild des Wintersports. Ein Zuschauermagnet. Ein Quotengarant. „Wenn man so ein wahnsinniges Produkt hat, ist es schon nicht leicht, den Status quo zu halten.“ Doch gebe es immer Dinge zu verbessern.

Drei Hauptziele hat sich Maurer gesteckt. Einmal gilt: „Der Sport muss im Fokus stehen.“ Skispringen also darf bei all den Faktoren rund um Haltungsnoten und Wind, die über Sieg und Niederlage mitentscheiden, nicht zu kompliziert werden. „Der Zuschauer muss verstehen, wer gewinnt.“

Prinzip zwei: Der Erlös fließt in die Jugend. Maurer kennt die Forderungen, man müsse Geld in die Veranstaltung, in mehr Event und Halligalli stecken – mit ihm nicht zu machen. „Wenn wir mal keine Sportler mehr haben, bringt uns das beste Event nichts.“

Ziel drei: Maurer will die „Tradition wahren und sie mit einer modernen Weltcup-Veranstaltung in Einklang bringen“. Der Tournee- und SCP-Präsident wehrt sich gegen den „Gigantismus“, der in mancher Sportart grassiert. Kameradschaft spielt für den Garmisch-Partenkirchner eine wesentliche Rolle. Die vier Veranstaltungsorte will er daher noch enger zusammenschweißen. Zudem müsse die Tournee ein Wettbewerb für die „Masse der Bevölkerung“ bleiben. Auch, was Ticketpreise betrifft. „Für Familien muss ein Besuch machbar sein.“

Ostler, der den Skisprung so maßgeblich geprägt hat – unter anderem brachte der 90-Jährige die Video-Weitenmessung mit auf den Weg – nickt energisch bei jedem Ziel. Maurer ist ein Nachfolger in seinem Sinn. Gleich eine seiner ersten Amtshandlungen entsprach dem Wunsch des 90-Jährigen: Nach neun Jahren bei der Skisport- und Veranstaltungs GmbH in Oberstdorf ist die Geschäftsstelle nach Partenkirchen umgezogen. Dafür bekommt Maurer eine „Aufwandsentschädigung“, von der er eine Teilzeitkraft zur Unterstützung beschäftigt. So verzeichnet er durch die Tournee-Präsidentschaft „keinen finanzielle Mehraufwand“. Wohl aber einen zeitlichen.

Bislang ist Maurer zu den regelmäßigen Sitzungen „einfach nur hingegangen“. Jetzt muss er sie vorbereiten, organisieren, protokollieren. Auch während der Tournee erwarten ihn mehr offizielle Termine als in den vergangenen Jahren.

Ostler wird ihn in diesem Jahr nicht bei jeder der vier Stationen begleiten. Bis 2013 hat er – seit dem Start am 1. Januar 1953 in Patenkirchen – keinen einzigen Wettbewerb der Tournee verpasst. Heuer beschränkt er sich wohl auf das heimische Neujahrsspringen. Bei Fragen aber kann sich Präsident Maurer jederzeit an Ehrenpräsident Ostler wenden. Er hat sicher alles dokumentiert.

Katharina Bromberger

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