Volksschule Oberau wird zum Inklusionszentrum

Oberau - Ab dem nächsten Schuljahr werden Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Bedarf gemeinsam unterrichtet. Die Bildungseinrichtung gehört somit zu den 37 Vorreitern mit diesem Profil.

Das Vorhaben ist so gut wie in trockenen Tüchern. Die Volksschule Oberau wird ab 1. August das Profil „Inklusion“ erhalten, vorausgesetzt der Bayerische Landtag nimmt die geplante schulrechtliche Gesetzesänderung vor. Sie zählt dann zu den ersten 37 Bildungseinrichtungen im Freistaat, denen Kultusminister Ludwig Spaenle diesen Zusatz zugesprochen hat. Er besagt, dass Kinder mit Handicap aller Bereiche und Kinder ohne Einschränkung in die gleiche Klasse eingeteilt werden und gemeinsam an den Stunden teilnehmen.

„Diese Schulen sind Regelschulen, die sich besonders der Inklusion von Menschen mit Behinderung verpflichten“, betont der Minister. Konkret bedeutet das Prädikat „Inklusion“ für Oberau, dass die Volksschule zusätzliche Unterrichtsstunden sowie Personal erhält. Außerdem steht eine halbe Stelle eines Sonderschullehrers mehr zur Verfügung. „Auf diese Weise kann den Kindern intensiver und individueller Unterricht ermöglicht werden“, weiß Karin Reichelmeier, Stellvertretende Schulamtsleiterin. Und auch die Bandbreite der Unterrichtsmethoden ist groß.

Trotz des damit erreichten Fortschritts bei der Integration äußert der Bayerische Elternverband (BEV) Bedenken. „Nur wenn der Unterricht nicht schlechter wird, werden alle Eltern inklusiven Unterricht akzeptieren und als das wahrnehmen, was er ist: ein Gewinn für alle“, sagt BEV-Landesvorsitzende Maria Lampl.

Dass das Niveau sinken wird, ist nicht zu erwarten. Schon seit vielen Jahren gibt es in Oberau sieben gebündelte Kooperationsklassen mit zwölf Schülern mit Behinderung, in denen Inklusion mit dem Heil- und Sonderpädagogischen Zentrum Farchant von der ersten bis zur vierten Klasse praktiziert wird. Zudem besteht das Angebot eines Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes, wobei geschulte Lehrer aus Farchant für einzelne Stunden anreisen.

Nur ein Punkt unterscheidet die Kooperationsklassen von der nun neuen Ausrichtung: Zukünftig können Eltern, die nicht in Oberau wohnen, ihre Kinder für die Volksschule anmelden. Reichelmeier zufolge sind die meisten Sachaufwandsträger dem neuen Oberauer System gegenüber positiv eingestellt. Das soll gleichzeitig aber nicht heißen, dass die Schulen im Umland der grundsätzlichen Aufgabe der Inklusion entbunden sind. (mas)

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