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Lang ist’s her: Bereits in den 1960er-Jahren und lang davor gab es Maschkera-Umzüge in Mittenwald.

Fünfte Jahreszeit in Mittenwald

Neue Ideen für alten Maschkera-Umzug

Mittenwald - Die Vorfreude steigt: An Fasnachts-Sonntag zieht in Mittenwald nach langer Zeit wieder ein großer Maschkera-Umzug durch den Ort. Die Ideen dafür scheinen grenzenlos.

Zigeuner, Freiheitskämpfer, Goaßlschnalzer – es sind zahllose Begriffe, die durch das Mittenwalder Trachtenheim am Schwarzenfeld geisterten. In der Mitte der Schar von Menschen sitzt Matthias Wurmer und macht sich fleißig Notizen. Gemeinsam mit Stefan Weineisen von den „Faschingsfreunden“ organisiert der „Schmitzer“ den ersten großen Faschingszug, der nach vielen Jahren wieder durch Mittenwald rollen soll. Am 7. Februar, dem Fasnachts-Sonntag, ist es soweit. Was die Organisatoren besonders freut: Sie kommen mit ihrer Idee richtig gut an.

Zum Beispiel bei Peter Frank und Andreas Sailer, die mit Martin Rossi zur Vorbesprechung gekommen sind. „Wir werden mit Stelzen gehen“, erklärt Frank, Vorsitzender des Fingerhaklervereins. „Sofern es das Wetter zu lässt“, gibt Sailer zu bedenken. Denn Eis wäre für sie und ihre meterhohen Bein-Stangen ein Albtraum. Mit am Tisch sitzt auch der Zweite Vorsitzende des Historischen Spielmannszugs, Georg Maller (Zweckl). Er lässt sich bereits schon fleißig einen Bart für das Mittenwalder Faschingstreiben wachsen. Die Historischen werden das letzte Aufgebot des Tiroler Bauernaufstandes von 1809 rund um Andreas Hofer wieder aufleben lassen – mit Kanonen, Trommeln und Pfeiferl.

„Einfach bärig, dass so viele mitmachen“, sagt Stefan Weineisen erfreut. Aus zahlreichen Fotos von anno dazumal, die er privat archiviert hat, nahmen er und Wurmer die meisten Ideen für den Maschkera-Umzug heraus. Denn es wird keine gewöhnliche Veranstaltung werden, sondern ein historisches Gegenstück zum bisherigen Gaudi-Wurm. „Kein verstaubter, geschichtlicher Vortrag“, wie Weineisen betont. Vielmehr sollen „die historischen Gruppen wieder lebendig werden“. Mitmachen darf ein jeder, es handelt sich dabei um eine lose Zusammenkunft. So wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mittenwald gang und gebe war. Und schon damals durfte eines nicht fehlen: „Wir werden auch das aktuelle politische Ortsgeschehen thematisieren“, gibt Wurmer mit einem Schmunzeln preis. Zuviel will er aber noch nicht verraten: Um was es sich dabei genau handelt, „soll eine Überraschung werden“. Zudem werden Rösser sowie andere Nutztiere und einige Wagen den Umzug ergänzen.

Einen Tross in diesem Umfang hat es bisher noch nicht gegeben im Geigenbauort. „Früher gingen zahllose Gruppen getrennt voneinander am Fasnachts-Sonntag Maschkera“, erzählt Wurmer. Umso mehr freut er sich, nun alle für einem großen Marsch zusammentrommeln zu können. Treffen werden sich die Teilnehmer um etwa 12.30 Uhr am Bahnhofsplatz.

Von dort aus marschieren sie ins Gries, wo aufgespielt und die eine oder andere kleine Aufführung geboten wird. Im Anschluss geht’s für den Tross durch den Obermarkt zum Postkeller. Dort klingt der Tag gesellig aus. Über 15 Gruppierungen haben sich bisher für diesen Tag angemeldet. Alle werden intern noch einmal vor dem Fasnachts-Sonntag zusammenkommen, um die genauen Details zu besprechen. 

Josef Hornsteiner

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