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Die Musterschüler des Werfenfels-Gymnasiums: (v.l.) Hannah Simon, Maximilian Hattensperger, Verena Demler und Lea Steinberg.

Werdenfels-Gymnasium

Vorzeige-Quartett: Diese vier Schüler haben ein 1,0-Abitur

Das gab’s offenbar noch nie am Werdenfels-Gymnasium: Gleich vier Schüler erzielten die Abitur-Traumnote 1,0. Wie man Musterschüler wird? Lernen, Fleiß und Glück gehören dazu. Ehe das Studium beginnt, wollen sie feiern und die Welt bereisen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Abitur-Zeitung ist fertig, der Abi-Streich organisiert, das Zeugnis in greifbarer Nähe. Aber bevor sich Lea Steinberg, Hannah Simon, Verena Demler und Maximilian Hattensperger zurücklehnen, den Abschlussball genießen und Urlaub machen können, müssen sie sich noch einmal ins Zeug legen, um in München einen Wissenstest, ein Kolloquium in mehreren Fächern, zu bestehen. „Es geht um ein Stipendium, das von der Max-Weber-Stiftung vergeben wird und für das wir vom Werdenfels-Gymnasium gemeldet wurden“, erklärt Steinberg. Kein Wunder – die Jugendlichen haben das Abitur mit dem sagenhaften Ergebnis von 1,0 bestanden.

„Gleich vier Abiturienten mit dieser Traumnote – das habe ich in meiner Schullaufbahn noch nicht erlebt“, erklärt Tobias Schürmer, Schulleiter des Werdenfels-Gymnasiums. Auch sein Stellvertreter Christoph Hagenauer und Oberstufenkoordinator Volker Bockhorni können sich an keinen vergleichbaren Abitur-Jahrgang erinnern. „An den Anforderungen kann es nicht liegen, denn die waren nicht leichter als in vorangegangenen Jahren“, sagt Bockhorni, der schon lange als Lehrer arbeitet.

Die Pädagogen können sich aber nicht nur über ihre vier Ausnahme-Schüler freuen, es haben weitere neun Abiturienten mit einem Durchschnitt von 1,5 und besser abgeschnitten. „Eine unglaublich starke Spitzengruppe“, sagt Schürmer. Die schlechte Nachricht: nicht alle der 97, die zum Abi angetreten sind, haben es geschafft. Sie nutzen jetzt die Chance, die 12. Jahrgangsstufe zu wiederholen.

Lea Steinberg, Hannah Simon, Verena Demler und Maximilian Hattensperger freuen sich derweil auf das, was kommt. „Ich gehe im Herbst bereits nach München, um Medizin zu studieren“, informiert Demler. Zuvor gönnt sich die 18-Jährige jedoch eine Woche Paris und Urlaub am Gardasee. Sie habe den Stoff gut wiederholen können, weil sie ihrer ein Jahr jüngeren Schwester, die als Ski-Leistungssportlerin immer einmal wieder in der Schule fehlte, quasi Nachhilfe erteilt habe. „Aber das G8 – das war schon stressig“, gibt sie zu.

Lea Steinberg und Maximilian Hattensperger pflichten ihr bei. Hannah Simon sieht das anders: „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich wieder den kürzeren Weg wählen.“ Die Garmisch-Partenkirchnerin, die erst im August ihren 18. Geburtstag feiert, nutzt die gewonnene Zeit für ein Highschool-Jahr in den USA. Zuvor gondelt sie mit ihrem Freund einen Monat durch Europa. „Wenn ich aus Amerika zurück bin, werde ich mich für ein Studium entscheiden. Entweder Psychologie/Soziologe oder Medizin.“

Gestresst wirkt Simon kein bisschen. Sie hat sich wie Steinberg besonders in ihrer Schule eingebracht, war mit ihr Oberstufensprecherin, hat Nachhilfeunterricht gegeben, stand für die Hausaufgabenbetreuung zur Verfügung. Bei Steinberg war es dann noch der Skisport, der sie nicht losgelassen hat. „Meinen Skilehrer-Aufgaben bin ich weiter nachgegangen, das war mein Ausgleich.“ Für die Grainauerin geht es in die weite Welt: auf die Azoren, nach Sri Lanka und dann nach Bolivien. „Ich arbeite dort im Rahmen des Freiwilligendienstes im Ausland in einem Kinder-Waisenhaus.“ Sie möchte Erfahrungen sammeln, aber dann heißt ihr Traumstudium ebenfalls Medizin.

Maximilian Hattensperger ist keinesfalls so unternehmungslustig wie seine Mitschülerinnen. „Ich gönne mir eine Auszeit in Kroatien und Frankreich und liebäugele ab Herbst mit einem Jurastudium in München“, teilt der ruhige junge Mann mit. Den Handballer des TSV Partenkirchen interessierten in der Schule immer besonders die Naturwissenschaften. „Aber die Juristerei ist eben auch spannend“, meint er. „Der Maxi war der, der immer alles gewusst hat, trotzdem kein Streber, sondern beliebt war“, sagt Demler. „Wir waren insgesamt ein Jahrgang, in dem sich alle gegenseitig respektiert haben“, fasst Lea zusammen.

Alle Vier betonen, dass das 1,0-Traumergebnis eine Überraschung war, sie sich so gut nicht eingeschätzt hatten. Dem widerspricht ihr Oberstufenbetreuer: „Ganz so überraschend war das nicht. Sie waren schon immer leistungsstark in der gesamten Fächerbreite“. Unisono geben die Jugendlichen zu, vor allem die Oberstufenzeit kontinuierlich genutzt zu haben. „Wer erst kurz vor dem Abi mit dem Lernen anfängt, keine guten Vorzensuren hat, der hat es schwer“, sagt Simon. „Neben viel Fleiß gehört zu allem auch ein bisschen Glück dazu“, meint Schürmer, der mit seinem gesamten Kollegium stolz auf sein Vorzeige-Quartett ist, ihnen besonders gern am Freitag die Abi-Zeugnisse überreichen wird.

Von Margot Schäfer

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