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Verschwundener Wald: Dort, wo bis vor kurzem unzählige Bäume standen, findet sich nun eine 1,1 Hektar große Lichtung.

Irritation wegen Kahlschlags

Vom Wald zur Wiese

Krün - Kahlschlag in Krün. Doch dieser vermeintliche Baumfrevel hat einen handfesten Hintergrund: Auf der freigewordenen 1,1 Hektar großen Fläche sollen künftig Rinder grasen.

Die vier Nordic-Walking-Damen kommen aus dem Staunen nicht heraus. Als sie auf dem Isar-Natur-Erlebnisweg auf Höhe des Krüner Sportplatzes Richtung Isar-Stausee unterwegs sind, fehlt ihnen was: Wald. Doch dort, wo bislang Fichten und Kiefern wuchsen, tut sich dem Frauen-Quartett eine riesige Lichtung auf. „Wenn ich daheim auf meinem Grundstück einen Baum bestimmter Größe umschneiden will, brauche ich eine Genehmigung“, meint eine der sportlichen Damen aus Mittenwald. „Hier wird plötzlich ein ganzer Wald abgeholzt. Das kann doch nicht im Sinne des Naturschutzes sein.“

Kann es sehr wohl, wie Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) klarstellt. Er verweist einen Naturfrevel sofort ins Reich der Fabel. Doch was ist der Grund dieses Kahlschlags? „Das rund elftausend Quadratmeter große Gelände liegt im Naturschutzgebiet und gehört dem Freistaat Bayern“, teilt Schwarzenberger gegenüber dem Tagblatt mit. Die Bäume wurden gefällt, weil das Areal das werden soll, was es bereits vor 80 Jahren war: eine Weidefläche. „Da die Gemeinden Krün und Wallgau wegen des Weideverbots um die Tiefbrunnen ein neues Wasserschutzgebiet auszuweisen hatten, musste der Vertrag zwischen Freistaat und Weidegenossenschaft neu definiert werden.“

In die jahrelangen Verhandlungen waren der Freistaat, das Forstamt, der staatliche Naturschutz, das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim, die Gemeinden Krün und Mittenwald wegen anteiliger Flur und eine Weiderechts-Kommission in dieses Projekt eingebunden. Nach Rücksprache des WWA mit der Naturschutzbehörde hatte man den Weideberechtigten als Ausgleich das besagte 1,1 Hektar große Areal mit einem Gehölzbestand aus Fichten, Weiden und Kiefern am westlichen Ufer der Isar angeboten.

„Zur Trennung von Wald und Weide wurden dagegen große Berg- und Schutzwaldflächen von der Beweidung freigestellt“, erklärt der stellvertretende Forstbetriebsleiter Robert Krebs aus Bad Tölz. „Den Weideberechtigten haben wir dafür mehrere 100 Hektar Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt.“

Damit das ausgewiesene Terrain auch Weide wird, musste ausgelichtet werden. In Absprache mit dem WWA hat die Gemeinde auch die Isarböschung abholzen lassen. „Damit eventuelles Hochwasser keine Verklausung (Anm. der Red.: Rückstau und Überschwemmung) schaffen kann“, erklärt Bürgermeister Schwarzenberger. „Zudem mussten wegen der beginnenden Vogelbrut die Bäume bis zum 29. Februar maschinell gefällt und ein Zaun vor dem dort stehenden Grünwald aufgestellt werden.“ Der parallel zum Isartalweg durch das abgeholzte Gebiet führende Pfad zum Staussee wird von der Gemeinde aufgelassen.

„Anstatt Urwald herrschen nun wieder freie Sicht für Wanderer auf die Isar und ein Blick auf Weiden und Blumenwiesen“, beschreibt Rathauschef Schwarzenberger die neue Situation. „Aus naturschutzfachlicher Sicht ist diese Maßnahme unbedenklich, da parkartige, ungedüngte Weideflächen grundsätzlich wertvoll sind und verschiedenen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten können“, bestätigt auch Stephan Scharf, der Sprecher des Landratsamts.

Die Weidegenossen werden die Flächen jetzt räumen, Gras wachsen lassen und dann beweiden. „Vielleicht stehen dort schon im nächsten Frühjahr unsere Jungtiere“, hofft der Zweite Vorsitzende Hans Kriner (Beer). Er zeigt sich überzeugt: „Den Bauern und Urlaubern bringt diese Maßnahme auf jeden Fall nur Vorteile.“ Wolfgang Kunz

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