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Reges Interesse: Rund 100 Wallgauer informieren sich im Haus des Gastes über die Asylbewerber-Situation.

Flüchtlingskrise erreicht Wallgau

Wenig Fragen zu Asylbewerberheim

Wallgau - Kommende Woche sollen die ersten Asylbewerber-Familien nach Wallgau kommen. Was die Einheimischen erwartet, darüber wurden sie nun informiert.

„Vielleicht hock’ ma alloa do“ – das hatte der Wallgauer Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) im schlimmsten Fall befürchtet. Umso erstaunter war der Rathauschef, als er am Dienstagabend im Haus des Gastes in einen gut gefüllten Festsaal blickte. Rund 100 Einwohner des 1400-Seelendorfs wollten mehr darüber erfahren, was sie ab Mitte/Ende kommender Woche erwartet. Dann sollen die ersten beiden Flüchtlingsfamilien das momentan stillgelegte Gästehaus Pax an der Krepelschroffenstraße beziehen.

Doch interpretiert man Florian Hibler, den zuständigen Sachgebietsleiter des Landratsamts, richtig, dann ist nichts fix. „Könnt’ sein, dass gar keiner kommt“, berichtete der Asyl-Experte beim Informationsabend. „Doch das wäre ein Schildbürgerstreich.“ Immerhin hat der Landkreis bis 14. April 2018 das ehemalige Erholungsheim für Priester von der PAX-Vereinigung katholischer Kleriker angemietet.

Läuft alles planmäßig, geht es, wie eingangs erwähnt, in wenigen Tagen los. „Wir müssen schon aus reiner Mitmenschlichkeit was tun“, meinte der Bürgermeister. Gleichzeitig sprach Zahler aber auch von einer „zeitlichen Unterkunft“. Ferner betonte er: „Die Asylbewerber sind Gäste, und solche müssen sich auch als Gäste geben.“ Einer, der in der Pension Pax ein wichtiges Scharnier zwischen Einheimischen und Flüchtlingen sein wird, ist Andreas Weiser. Der Mann von der Caritas fungiert im „Pax“ als Heimleiter und versucht als solcher, den Eingliederungsprozess zu beschleunigen. „Und wer übernimmt für all das die Rechnung?“, wollte ein Gast aus dem Publikum wissen. „Der Steuerzahler“, antwortete Hibler kurz und knapp.

Ansonsten hielten sich Fragen von Seiten der Bürgerschaft in Grenzen. Was den vielgefragten Sachgebietsleiter Asyl etwas irritierte. „In Seehausen hat’s zuletzt bis um 23 Uhr gedauert.“ Doch ein paar Antworten hatte Hibler im Verlauf der eineinhalbstündigen Versammlung dann doch geben dürfen. Beispielsweise auf folgende Frage: „Wenn der Krieg vorbei ist, gehen die dann wieder heim?“ Da konnte selbst ein schlagfertiger Beamter wie Hibler nur mit den Achseln zucken. „Ich kann nicht in die Glaskugel schauen.“ Denn die nicht vorhersehbare Flüchtlingskrise, zu deren Bewältigung mitunter „sämtliche Gesetze und Verordnungen außer Kraft gesetzt wurden“, lehrt ihn vor allem eines: „Die Theorie läuft nicht wie die Praxis – momentan.“

Wie integrationswillig letztlich die Wallgauer Neubürger sind, hängt nicht zuletzt von freiwilligen Helfern vor Ort ab, wie Sarah-Jean Buck, Leiterin des Teams Asylsozialberatung der Caritas, darlegte. „Je mehr Ehrenamtliche sich an Heime andocken, desto weniger Probleme gibt es.“

Apropos: Bürgermeister Zahler hat kürzlich mal bei seinem Amtskollegen Georg Riesch in der Jachenau nachgefragt, wo seit einiger Zeit 45 Asylbewerber untergebracht sind. „Dort gibt’s überhaupt keine Probleme“, berichtete Zahler von dem Meinungsaustausch. Deshalb legt der Wallgauer Optimismus an den Tag: „Ich bin eigentlich guter Dinge. Es kommt immer darauf an, wie man an die Sache herangeht.“ Christof Schnürer

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