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Lass‘ Dich umarmen: Im Ziel fallen sich die Teilnehmer in die Arme. 

24-Stunden-Trophy: Nichts für Weicheier 

Wander-Marathon: Überdosis Glück und Adrenalin

Und wieder wandernNaturliebhaber in Scharen durch das Obere Isartal. Sonnenschein, aber auch Schnee und eisige Kälte begleiten die 240 Teilnehmer im Rahmen der 24-Stunden-Trophy. Im Ziel angekommen, sind aus Fremden sogar Freunde geworden.

Wallgau – Langsam rührt Josefine Kornberg in ihrem Tee. Sie wirkt müde und erschöpft. Doch ihre Augen strahlen vor Glück. Sie hat es geschafft. Am Sonntagmorgen um kurz vor neun Uhr überschreitet sie gemeinsam mit ihrer Mutter Clarissa das Ziel am Wallgauer Haus des Gastes – die beiden haben innerhalb von 24 Stunden mehr als 67 Kilometer zurückgelegt. Dieser Wander-Marathon hat am Wochenende rund 240 Naturliebhaber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ins Obere Isartal, der letzten Station dieser Trophy, geführt.

Und Josefine Kornberg war eine von diesen hartgesottenen Dauerwanderern. Hart sei es schon gewesen, erzählt sie, aber auch wunderschön. „Die Landschaft hat mir extrem gut gefallen“, erzählt sie am Sonntag-Vormittag. Sie und ihre Mutter sind eine der wenigen, die insgesamt schon zwölfmal bei der 24-Stunden-Trophy angetreten sind. Aber Schnee war sogar den erfahrenen Teilnehmerinnen neu.

„Da, wo wir herkommen, gibt’s ja fast keinen“, erzählt Mutter Clarissa. Dieses Problem hatten sie in der Bergwelt rund um Wallgau nicht. Im Gegenteil: Die beiden Rheinländerinnen stapften „fast sechseinhalb Stunden lang durch Schnee“.

„Das war vielleicht ein Batz da hinauf“, beschreibt auch eine Dame aus dem Allgäu, die einfach nur Gabi genannt werden will, die beschwerliche Tour nach oben. „Auf dem Weg von der Finzalm zum Krottenkopf (Anm. der Red.: 2086 Meter) lagen über 20 Zentimeter Neuschnee.“

Aber dennoch hatten sie laut Sabrina Blandau, Chefin der gastgebenden Isartaler Tourismus-GmbH Alpenwelt Karwendel, „ein Glück mit dem Wetter“. Denn: „Geregnet hat es während der ganzen 24 Stunden nicht.“

Der Startschuss fiel Samstagfrüh am Wallgauer Haus des Gastes. Bis zur Weilheimer Hütte (Krottenkopf) und darüber hinaus genossen die Wanderer sogar Kaiserwetter. In der Unterkunft hatten die Organisatoren die erste große Pause angesetzt. Dort gab’s ein deftiges Mittagessen. Von der Weilheimer Hütte aus marschierten die 125 Wanderer der 24-Stunden-Strecke zur zweiten Etappe durch das Estergebirge auf dem Violetten Weg der Via Alpina vorbei an der Hohen Kiste (1922 Meter) und Pletteneck zum Simetsberg (1840 Meter).

Für die 12-Stunden-Wanderer war am Haus des Gastes gegen 21.15 Uhr Schluss. Für alle anderen begann dann erst die Nacht-Etappe, welche über Krün nach Mittenwald führte, wo der Touristikverein die Leutaschklamm spektakulär in bunten Farben ausgeleuchtet hatte. Über Schloss Elmau tourten die Nimmermüden sozusagen auf historischen G7-Pfaden zur Frühstückspause zum Barmsee. Dort hatte sich der Krüner Touristikverein um die Verköstigung gekümmert.

Auf die Zielgerade am Haus des Gastes ging’s gegen 9 Uhr. Viele Tränen wurden dort vergossen – natürlich vor Freude. Endlich, geschafft! Menschen, die sich zuvor fremd waren, fielen sich in die Arme, rissen jubelnd die Arme nach oben.

Die 24-Stunden-Trophy war für die Organisatoren und die Verantwortlichen der Alpenwelt Karwendel der ideale Abschluss der Sommersaison. Die Veranstaltung fand heuer an sechs verschiedenen Standorten in Deutschland und Österreich (Saalbach-Hinterglemm) statt. Das Isartal war die letzte Station der Wanderfreunde.

Im Ziel angekommen, waren die meisten körperlich ziemlich angeschlagen. „Wir wollen jetzt erst mal einfach nur schlafen, dann was essen und dann wieder schlafen“, verkündet Josefine Kornberg.

Manchen schien das Ende der Strapazen nochmals Auftrieb gegeben zu haben: Sie feierten bei der Teilnehmer-Ehrung am Sonntagmorgen in bester Bierzelt-Manier klatschend und singend auf den Tischen. „Wie eine große Familie“, urteilte Moderator Bernd Cernin erfreut. Er zeichnete unter anderem die „Königsfamilie“ aus. Das sind diejenigen, die heuer mindestens drei Trophys mitmarschiert sind. Zu der „Kaiserfamilie“ zählten dann jene, die alle sechs Herausforderungen tapfer durchlitten haben.

Ausfälle gab es glücklicherweise nur wenige. Von den 125 Unverwüstlichen der 24-Stunden-Strecke mussten lediglich fünf das Isartaler Abenteuer vorzeitig abbrechen. Bei den 115 Teilnehmern der 12-Stunden-Strecke kamen alle – manche früher, manche später – ins Ziel. Auch Prominenz war dabei wie Ex-Weltklasse-Langläufer Peter Schlickenrieder.

Josef Hornsteiner

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