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Tauchte in Wallgau und Krün auf: ein Wildschwein. 

Schwarzer Freitag für Schwarzkittel

Auf verzweifelter Nahrungssuche: Wildschwein läuft vor ein Auto, dann knurrt es einen Langläufer an 

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Erst Hauptstraße, dann Loipe: Ein Wildschwein ist am Freitagvormittag zwischen Krün und Wallgau aufgetaucht. Es war allem Anschein nach auf der Suche nach Futter. Das Tier lief vor ein Auto, wurde dabei verletzt und begegnete später einem Langläufer. Am Ende musste der Keiler von seinem Leiden erlöst werden.

Krün/Wallgau– Heini Simon zögerte nicht lange, kehrte sofort um. „Ich bin abgehauen“, sagt er. So schnell er nur konnte. Beim Langlaufen auf der Isarrunde Richtung Sägewerk kreuzten sich am Freitagmittag die Wege des Krüners und die eines Wildschweins. Eine durchaus gefährliche Situation, wenn es angreifen sollte. Zwar ist das Tier auf die Seite gegangen und hat sich zwischen kleine Bäume verdrückt, doch Simon sagt: „Ich habe Knurrtöne gehört.“

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Sehr nahe kam der Langläufer dem Tier. Er hatte es aufgrund der schlechten Sicht zu spät als Wildschwein identifiziert. „Ich dachte, es ist ein großer Hund“, erzählt Simon. Erst kurz darauf erkannte er an den Haaren, dass das nicht stimmt. Spätestens, als sich das Tier umdrehte und der Isartaler den Rüssel sah. „Ich hatte schon Angst“, sagt er. „Wildschweine „sind unberechenbar“. Zumal sich dieses Exemplar offenbar in einer Notlage – verletzt und auf Nahrungssuche – befunden hatte.

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Jäger erlöst Tier von seinem Leiden

Auf seinem Rückweg warnte Simon eine Fußgängerin und verständigte zuhause sofort die Polizei. Der entscheidende Tipp. Die Beamten sowie Berufsjäger Karl Hörmann hatten sich bereits auf die Suche nach dem zweijährigen Keiler gemacht, nachdem sich gegen 11.30 Uhr auf der B 11 bei Krün ein Unfall ereignet hatte. Eine 78-Jährige aus Wallgau meldete der Polizei, dass das Tier vor ihr Auto gelaufen war. Wie es von Seiten der Mittenwalder Inspektion heißt, sei das Wildschwein vom Pkw erfasst worden, verletzt weiter in Richtung Isar marschiert und dabei mehreren Menschen begegnet. Zu einer direkten Konfrontation kam es glücklicherweise nicht. Trotzdem war es ein schwarzer Freitag für den Schwarzkittel: Berufsjäger Hörmann musste den verwundeten Keiler im Bereich der Loipe erschießen.

An einen Fall, dass sich ein Wildschwein so nah an bewohnte Ortsbereiche heranwagt, kann sich Thomas Neuner nicht erinnern. Am Barmsee, sagt der Revierleiter der Wallgauer Jagdgenossenschaft, sei dagegen schon öfter mal eins aufgetaucht. Eigentlich aber laufen die Tiere nicht am helllichten Tag herum, treiben sich vorwiegend nachts herum – jetzt offensichtlich auch auf Loipen und Straßen. „Da kann man gar nichts machen“, sagt Neuner. „Ich hoffe, das war eine Ausnahme.“

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Für Tessy Lödermann ist der Vorfall zwischen Krün und Wallgau symptomatisch für die aktuelle Situation, in der sich das Wild im Allgemeinen befindet. Dass es sich in menschliche Nähe begibt, betont die Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen, zeige seine Not. Ausgelöst durch die großen Schneemengen. „Uns verhungert das Wild.“ Das kann sie mit Fotos von toten Rehen oder Hasen belegen.

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„Absolute Notzeit fürs Wild.“

Allein, sich in den tiefen weißen Massen fortzubewegen, raubt den Tieren kostbare Energie. Erschwerend hinzu kommt, dass die Nahrung zu weit darunter begraben ist. Das jetzige Wetter entschärft die Lage ganz und gar nicht. Die Oberfläche taut erst an und verharrscht dann aufgrund der kalten Temperaturen nachts. Das einzige, was das Wild derzeit fressen kann, sagt Lödermann, ist das, was sich darüber befindet. Die Folge: Der Verbiss nimmt zu – und die Abschusszahlen werden erhöht. Sie nennt es einen Teufelskreis.

Nicht ohne Grund wird die Tierschützerin nun aktiv, übt Druck auf die Jagdbehörden aus. Lödermann hatte gehofft, dass im Schulterschluss zum ausgerufenen Katastrophenfall diese die Notfütterungen verordnen. Jetzt fordert sie das ausdrücklich ein. „Es ist eine absolute Notzeit fürs Wild“, betont sie. In diesem Zusammenhang verweist sie auf die Jagdgesetze, die zur Hege verpflichten. Derzeit aber sieht sie ein anderes Bild: „Verhungern ist mit großem Leiden verbunden.“ Das Wildschwein starb zwar nicht den Hungertod, aber allem Anschein nach indirekt wegen einer verzweifelten Suche nach Futter.

Warme Winter, keine natürlichen Feinde und ein reich gedeckter Tisch durch die Landwirtschaft: Wildschweine breiten sich immer weiter aus. Jetzt haben Jäger im Naherholungsgebiet bei Germering einen 170-Kilo-Keiler erlegt – und warnen vor Begegnungen mit den wehrhaften Tieren.

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