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Im Dezember ist Schluss: der Rewe-Markt in Wallgau.

Aus für Rewe macht Bürgermeister nachdenklich 

Wallgau ohne Supermarkt

Jetzt ist das eingetreten, was viele im Dorf schon lange befürchtet haben: Im Dezember schließt die Rewe-Filale. Von dem Aus sind 20 Mitarbeiter betroffen. Ein schwerer Schlag für die Tourismusgemeinde. Die Debatte über einen Dorfladen im Kirchenböbl erscheint nun in völlig anderem Licht. „Wir müssen handeln“, fordert Bürgermeister Hansjörg Zahler.

Wallgau – Ein Dorf ohne Nahversorger – eine Schreckensvision vieler Wallgauer wird in sieben Monaten traurige Wirklichkeit. „Die Filiale wird geschlossen“, bestätigt Ursula Egger, Pressesprecherin von Rewe Süd. „Wir bedauern das sehr, aber sie ist nicht mehr rentabel genug.“ Laut Egger läuft der Mietvertrag bis 31. Dezember. Etwa zwei Wochen vorher können Kunden zum letzten Mal in dem Geschäft an der Mittenwalder Straße einkaufen. Gibt es bis dahin keine Alternative, steht der Tourismusort mit seinen 1400 Einwohnern ohne Lebensmittelmarkt da.

Eine besorgniserregende Entwicklung, findet Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU). „Rewe als Vollsortimenter ist für unser Einkaufsangebot eminent wichtig.“ Gerade für ältere Wallgauer ohne Auto und anspruchsvolle Kurgäste, die sich in ihrer Ferienwohnung vor Ort eindecken wollen. Deshalb lautet für den Rathauschef das Gebot der Stunde: „Wir müssen handeln!“

Damit zielt er auf eine rasche Entscheidung im Gemeinderat ab, der sich seit Jahren mit der Zukunft des 2013 erworbenen Kirchenböbls abmüht. Jedenfalls erhält durch das Rewe-Aus die Diskussion über einen Bauernladen in dem alten Anwesen am Dorfplatz plötzlich eine ungeahnte Dynamik. Vor gut drei Wochen hatten einige heimische Landwirte ihr Regionalvermarktungskonzept in einem künftigen Neubau im Rathaus vorgestellt. Was im Großen und Ganzen sehr positiv aufgenommen wurde.

Die Schließung des Rewe-Markts hat im übrigen nichts mit der starken Konkurrenz im Nachbarort Krün, wo Edeka, Aldi und Lidl mit einem Riesenangebot locken, zu tun. „Hauptgrund ist der Rückgang der Urlauber“, teilt Konzernsprecherin Egger mit. „Deshalb kommen wir um diesen Schritt nicht mehr herum.“ Schließlich sei Rewe in Wallgau „ein Saisonmarkt“. Dieses Argument ist für Bürgermeister Zahler jedoch nicht stichhaltig. „Denn unsere Urlauberzahlen sind seit Jahren konstant.“

Entscheidend bei den Abwägungen in der Unternehmensleitung war Egger zufolge aber auch der Zustand der angemieteten Immobilie. „Das Gebäude ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Präzisieren wollte die Sprecherin ihre Aussage indes nicht. Keinen Kommentar gab’s auch vom Hauseigentümer. Dr. Josef Neuner, langjähriger Gemeinderat, will sich mit dem Verweis auf laufende Verhandlungen derzeit nicht äußern.

Und was passiert mit den rund 20 Mitarbeitern des Wallgauer Rewe-Markts? Ihnen sollen Jobs in den umliegenden Filialen in Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen, Murnau und Penzberg angeboten werden.

Christof Schnürer

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