Eine Ansicht der künftigen Nobelherberge im Außenbereich von Wallgau
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Rustikal und dennoch modern: So soll die künftige Nobel-Unterkunft aussehen.

Mobiler Kiosk und Stadel-Sauna

Café Einkehr 2.0: Baugenehmigung vom Gemeinderat Wallgau unter Auflagen erteilt

  • vonChristof Schnürer
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Mit einigen Extras will der Investor in seiner künftigen Nobelherberge in Wallgau punkten. Das Café Einkehr 2.0 sozusagen. Der Gemeinderat stimmt zu - mit Einschränkungen.

Wallgau – Mobiler Kiosk, Wander-Terrasse, Sauna-Stadel oder Panorama-Suite – bei der Transformation des ehemaligen Café Einkehr in eine Luxus-Herberge möchte Investor Steffen Werner, ein Architekt aus München, klotzen und nicht kleckern. „Wir wollen weg vom Billig-Tourismus“, betonte er unlängst gegenüber dem Tagblatt.

Nun ist der Unternehmer mit seinen ehrgeizigen Plänen ein gutes Stück weitergekommen: Der Wallgauer Gemeinderat segnete diese am Donnerstagabend einhellig (12:0) ab – allerdings unter Auflagen. Denn nichts fürchten die Volksvertreter mehr, als das mit dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen einer alteingesessenen Familie ein falsches Spiel gespielt wird. Daher hatte man im Januar die Causa Maximilianshof nochmals vertagt.

Wie das historisch gelaufen ist, weiß kein Mensch.

Bürgermeister Bastian Eiter

Jetzt darf Werner unter folgenden Vorgaben das Gebäude im Außenbereich sanieren und modernisieren: Erstens muss er den Nachweis einer überwiegend touristischen Nutzung liefern; zweitens muss die Versorgung mit Wasser hieb- und stichfest sein. „Da ist vertraglich nichts geregelt“, verdeutlicht Bürgermeister Bastian Eiter (Wählerverein). Bislang kommt das feuchte Nass an den Otenwanger Weg aus Krün. „Wie das historisch gelaufen ist, weiß kein Mensch“, stellt Eiter klar. Demzufolge braucht’s ein vertragliches Regelwerk – eine Zweckvereinbarung mit der Nachbarkommune.

Drittens wünschen sich die Wallgauer Räte, der Bauwerber möge sich an die Ortsgestaltungssatzung orientieren. Etwas Bauchschmerzen bereiten dem einen oder anderen die teils sechs mal fünf Meter großen Lichtquellen. „Das sind keine Fenster, sondern Außenwände“, findet der Rathauschef. Probleme sehen einige auch beim abgeflachten Dach. Das kommt deswegen zustande, weil Werner eine Erhöhung des Kniestocks bei gleichbleibender Gebäudehöhe vorschwebt. Viertens darf auf Anregung von Gemeinderat Josef Berwein (Wählerverein) die angrenzende Landwirtschaft nicht unter den Luxusplänen leiden. Man stelle sich vor: Ein gut situierter Gast genießt gerade die frische Landluft, und plötzlich tuckert ein Bauer mit dem Güllefass daher.

Idyllisch gelegen: das ehemalige Café Einkehr mit Nebengebäuden.

Kopfzerbrechen bereitet dem einen oder anderen auch die Verwandlung des Stadels in einen Sport- und Mehrzweckraum mit Sauna. „Ist das nicht eine komplett andere Nutzung?“, fragt sich Zweiter Bürgermeister Bernhard Wilde (Wählerverein). Zumal der neue Herr des Maximilianshofs eines nicht ist: ein privilegierter Landwirt. Genau aus diesem Grund kann Werner das alte Anwesen – es genießt natürlich Bestandsschutz – auch nicht wegschieben und etwas komplett Neues hinbauen. Ob der altehrwürdige Stadel bald schwitzenden Gästen dienen darf, entscheidet demnächst das zuständige Landratsamt.

Die gleiche Behörde befasst sich dann auch mit der Erweiterung der Garage um einen 5,82 Meter Anbau. Dort soll eine moderne Wärmepumpe untergebracht werden, damit die alte Ölheizung verschwinden kann.

In dem künftigen Betrieb, der den Sommer 2020 über als Flushing-Meadows-Camp, eine Art Pension, firmierte – soll es zudem eine Freischrankfläche geben, nur etwas kleiner als die bisherige. Der Gastraum innen entfällt beziehungsweise wird auf eine Art Frühstückszimmer reduziert. Die Bewirtung der Ausflügler erfolgt über einen mobilen Kiosk – eine Art Bauwagen. Die Terrasse wandert ebenso: Im Sommer soll sie am Wanderweg und im Winter entlang der Loipe platziert werden. Das Café kommt gewissermaßen zum Kunden. Im Nordteil des Gebäudes finden sich künftig zwei Wohnungen. Im Süden entstehen zwei Juniorsuiten und unterm Dach eine Panoramasuite. „Der alpine Charakter des Hauses bleibt erhalten“, heißt es im Bauantrag.

„Wir sollten solche Unternehmen unterstützen“, empfahl Florian Holzer (CSU). „Wir haben alles probiert, damit wir die touristische Nutzung sichern.“ Wolfgang Behling (Wählerverein) meinte: „Ich finde das Ganze gelungen, es passt in unsere Stadellandschaft.“ Anton Berwein (CSU) indes regte an, das geplante Gebäude mit dem flachen Dach und den riesigen Fensterfronten solle sich „ein bisschen an unseren Dorfcharakter orientieren“. Was auch künftig der Fall sein wird: Die gut betuchten Gäste des Maximilianshofes 2.0 werden wohl weiter über Krüner Flur anreisen, was die Anwohner der Krottenkopfstraße gar nicht lustig finden werden.

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