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Begeistert von der neuen Veranstaltungsattraktion: Hansjörg Zahler auf der Floßbühne. 

Bayerische Landesausstellung 

Schwimmende Bühne der besonderen Art in Wallgau

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Die Flößerei gehörte bis Anfang des 20. Jahrhunderts zum Isartal wie heute der Geigenbau oder die Tracht. Zur Landesausstellung wurde nun ein 18 Meter langes Floß in Wallgau an der Isar aufgestellt. Es wird den Sommer über als Bühne und besondere Sitzfläche genutzt.

WallgauViele Spaziergänger dürften sich wohl in den vergangenen Tagen entlang der Isar ungläubig die Augen gerieben haben. In der Nähe der Abwasserstation steht seit Kurzem nämlich ein Floß – und zwar in Originalgröße. 18 auf 7 Meter misst es. So groß, dass der Wallgauer Gemeinderat kürzlich sogar erst einem Bauantrag zustimmen musste. „Obwohl das Floß nicht mit dem Boden verankert ist“, wundert sich Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) . Dennoch wurde dem temporären Projekt im Zuge der Bayerischen Landesausstellung 2018 in Ettal einhellig zugestimmt.

Somit stand dem Aufbau in der vergangenen Woche nichts mehr im Weg. Dabei ging alles laut Zahler schnell vonstatten. Michael Angermeier aus Arzbach (Landkreis Wolfratshausen-Bad Tölz), dessen Familie bereits in vierter Generation Flöße baut, zimmerte das Wallgauer Exemplar gleich vor Ort zusammen. Alles sei „gut geglückt“, sagt der Rathaus-Chef sichtlich erfreut.

Über Wochen hinweg werden auf dem Holzkonstrukt nun die Isartaler und ihre Gäste unterhalten. Nicht aber im oder auf dem Wasser, sondern das Floß dient vielmehr als Bühne für sämtliche Vereine. So spielt am kommenden Freitag die Musikkapelle auf, der Johanni-Verein wird seine Messe zelebrieren und von dort aus die Bergfeuer begutachten und das Wallgauer Bauerntheater sogar ein Stück unter freiem Himmel vorführen. „Etwa acht Veranstaltungen sind insgesamt geplant“, erläutert Zahler voller Vorfreude.

Bis klar war, dass das alles auf dem Floß passieren darf, hat es jedoch gedauert. Zuerst mussten zahlreiche Genehmigungen eingeholt werden. Denn die Untere Naturschutzbehörde war alles andere als begeistert von der Idee, mitten ins Grüne an der Isar ein 126 Quadratmeter großes Holzgefährt aufzustellen. Wochen vergingen, bis der Bauantrag im Rathaus vorlag. Dann ging alles ganz schnell. Eine Stromquelle ist gleich nebenan, Biertisch-Garnituren laden vor der Floßbühne nun zum Verbleiben ein. Idyllisch plätschert die Isar daneben.

Nächsten Freitag sollen vorerst nur Getränke ausgeschenkt werden. Zahler könnte sich aber gut vorstellen, künftig auch Speisen anzubieten. Für ihn ist die Bühne durchaus „touristisch interessant für die Zukunft“. Wird das Floß also bestehen bleiben? „Da schauen wir jetzt Mal, wie es angenommen wird.“ Zumal das letzte Wörtchen mit der Unteren Naturschutzbehörde noch nicht gesprochen ist. Eine dauerhafte Genehmigung könnte sich „als recht schwierig“ herausstellen.

Die Flößerei war zwischen dem 13. und dem 20. Jahrhundert für das Obere Isartal eine der wichtigsten Einnahmequellen. Personen, Holz und Waren aus Italien wurden entlang der Isar in Richtung München, Freising und Landshut verschifft. Zu Spitzenzeiten Mitte des 19. Jahrhunderts passierten jährlich über 10 000 Flöße München. Der größte Teil davon stammte aus dem Oberen Isartal.

Das Eröffnungskonzert

im Rahmen der Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ steht auf der Floßbühne am Freitag, 11. Mai, auf dem Programm. Für Unterhaltung sorgt ab 19 Uhr in der Freiluft-Arena am Isarsteg die Musikkapelle Wallgau unter der bewährten Leitung von Paul Neuner. Der Eintritt ist frei.

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