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Das Bayerische Fernsehen mischt sich unters Volk.

Musikantentreffen in Wallgau 

Viel Aufwand für 90 Minuten Heimat

Das Wallgauer Haus des Gastes wurde in ein Filmstudio verwandelt. Am Sonntagabend zeichnete dort der Bayerische Rundfunk seine Sendung „Musikantentreffen im Werdenfelser Land“ auf. Sieben einheimische Gruppen, darunter auch die komplette Wallgauer Musikkapelle, spielten vor laufenden Kameras.

Wallgau – Beim ersten Betreten ist das Haus des Gastes nicht wiederzuerkennen. Es gleicht einem Raumschiff mit blauer Bodenbeleuchtung, unzähligen blinkenden Tasten und den Wänden voller Bildschirme. Viel Technik, die einen Zweck hat: Das Haus zu einem Fernsehstudio zu machen. In dem steht Corbinian Lippl mitten im Raum. Er leitet die Redaktion „Heimat und Volkstheater“ beim Bayerischen Fernsehen und wahrt auch an diesem Sonntag den Überblick über die Aufzeichnung der Sendung „Musikantentreffen im Werdenfelser Land“.

Gerade singen die drei feschen Mädls vom Sagschneider Dreig’sang. „Nehmt den Applaus danach mit“, dirigiert Regisseur Thomas Kornmayer übers Mikro. Er und sein Team verfolgen gespannt die Bilder, die im prächtig geschmückten und noch besser ausgeleuchteten Saal entstehen. Zwei Stunden lang gibt Kornmayer Anweisungen, später wird das Material auf 90 Minuten zusammengeschnitten.

Los geht der Abend bereits um 18.30 Uhr, als die Musikanten eintreffen. Mikrofone werden verteilt und geschickt an der Tracht versteckt. „Sie spielen sich jetzt ein“, erläutert Lippl bei einem Saalrundgang. Auf dem Boden sind zahlreiche Markierungen angeklebt, die Moderatorin Elisabeth Rehm sowie den fünf Kameramännern und -frauen während der Sendung den Weg weisen. „Wie ist das eigentlich mit dem Austreten? Darf man während der Sendung auch kurz auf’s Klo?“, fragt ein Musikant direkt den Redaktionsleiter. „Nur in Notfällen“, erklärt Lippl. „Am besten davor noch mal gehen.“ Denn auch wenn die Sendung nicht live übertragen wird, bedeutet alles Unvorhergesehene danach Extra-Arbeit im Schneideraum.  Gleichzeitig ist das aber auch der Vorteil einer Aufzeichnung. Wenn eine Gitarrensaite reißt, oder ein Ton nicht getroffen wurde, kann noch einmal nachgedreht werden. So wurden die drei Märsche der Musikkapelle Wallgau schon im Vorfeld eingespielt, um später die beste Variante auszusuchen.

Es steckt also viel Arbeit in dieser Heimat-Produktion. Bereits vor Monaten hat der BR Landschaftsaufnahmen im Isartal gemacht und sich mit den Hiesigen verabredet. Denn nicht nur die Musik wird bei der Sendung am Sonntag, 18. Juni, ab 20 Uhr im Vordergrund stehen. So besuchte ein Kamerateam die Brauerei Mittenwald: Braumeister Markus Hirthammer stand am Sonntag deshalb auf der Bühne und erzählte von seinem Beruf. Gedreht wurde auch in der Werkstatt des Larvenschnitzers Fritz Walter sowie beim fast 90-jährigen Schuster Georg Schöpf. Und Contrabassbauer Michael Krahmer hatte bei der Aufzeichnung gleich ein Instrument zum Vorzeigen für die Kameras dabei.

Aufgespielt haben die Oimsummamusi, die Andakar Musi, die Soiernbergler Sänger, der Sagschneider Dreigsang, die Boarische Almmusi sowie Baschtl’s Hausmusi. Und das vor einer prächtigen Kulisse. Denn obwohl luftig bestuhlt wurde, konnte Moderatorin Elisabeth Rehm rund 200 geladene Gäste begrüßen. „Die meisten sind Verwandte und Freunde der Musikanten“, erklärt Lippl die Auswahl. Auch die Gemeinde Wallgau bekam ein gutes Kontingent an Karten. Bürgermeister Hansjörg Zahler ist stolz, dass der Bayerische Rundfunk in sein Dorf gekommen ist. Er lobte die „gute Zusammenarbeit“ zwischen dem öffentlich-rechtlichen Sender und der Alpenwelt Karwendel. Zahler ist sicher, dass diese Aufzeichnung „eine hervorragende Werbung für uns“ bedeutet.

Josef Hornsteiner

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