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Das Alte wieder auferstehen lassen: Die Brüder Franz-Martin (l.) und Hubertus Leismüller kämpfen für den Erhalt des Kirchenböbl (im Hintergrund). 

Wegweisende Gemeinderatssitzung in Wallgau 

Kampf um den Kirchenböbl

Am Donnerstagabend zählt’s: Dann werden im Wallgauer Gemeinderat die Weichen für die Zukunft des Kirchenböbl gestellt. Einen Abriss des Anwesens möchten zwei unter allen Umständen verhindern: die Brüder Franz-Martin und Hubertus Leismüller. Die beiden wollen das alte Bauernhaus am Dorfplatz wieder mit Leben erfüllen.

Wallgau – Verschwindet der Kirchenböbl, stirbt ein Stück Wallgauer Ortsgeschichte. Davon ist Franz-Martin Leismüller felsenfest überzeugt. Deshalb kämpfen er und sein Bruder Hubertus für den Erhalt dieses bäuerlichen Anwesen im Herzen des Dorfes. Zumal es eine lange Historie hat – egal ob als Lex’n-Haus oder zum Schleiferbauern (19. Jahrhundert). Aufgrund der Finzkugeln in den Grundmauern kommt Franz-Martin Leismüller sogar zu einem anderen Schluss: „Das bedeutet, dass das Anwesen sicherlich auf das 15. Jahrhundert zurückgeht.“ Der Abriss dieses altehrwürdigen Gemäuers wäre für ihn „eine unwiederbringliche Auslöschung Wallgauer Geschichte“ – ein Sakrileg. Deshalb möchten die Leismüllers der Gemeinde den Kirchenböbl abkaufen, das Gebäude in seinem ursprünglichen Charakter erhalten und die Außenfassade mit stilechter Lüftlmalerei versehen. Im Inneren wollen die Leismüllers ihre Schaubrennerei unterbringen und in einem Laden eigene Produkte wie Honig und Schnaps sowie Backwaren verkaufen. Auch der von einigen Bauern geplante Dorfladen könnte einen Platz finden. Das eine schließe das andere nicht aus, verdeutlicht Franz-Martin Leismüller.

Seit Monaten werben er und sein Bruder für ihre Idee. Warum man im Rathaus sich in Zurückhaltung übt, verstehen die beiden nicht. Zumal die klamme Gemeinde, die vor vier Jahren den Kirchenböbl der Raiffeisenbank für 480.000 Euro abgekauft hatte, fein aus dem Schneider wäre: Die Kommune macht ordentlich Reibach und ist die Bürde und das Risiko eines Geschäftshauses los. Was streng genommen ohnehin nicht zu den Aufgaben einer Kommune gehört.

Um das Schicksal des Kirchenböbl geht es am Donnerstagabend im Gemeinderat. Dann müssen die Volksvertreter, die ausnahmsweise um 20 Uhr im Haus des Gastes zusammentreten, Farbe bekennen. Offenbar zeichnet sich unter den Räten eine Patt-Situation ab. Kirchenböbl-Befürworter sollen angeblich Zweiter Bürgermeister Karlheinz Schwaiger, Julia Schwarzenberger, Bernhard Wilde (Wählerverein) und Hans Baur (Junge Mitarbeiter) sein. Entscheidend wird sein, wie sich die sechs CSU-Vertreter verhalten. Eine Tendenz gab unlängst bei der Jahresversammlung der Schwarzen Vorsitzender Bernhard Neuner junior vor. „Persönlich bin ich zu 100 Prozent für den Abriss und einen vernünftigen zum Ortskern passenden Neubau“, verdeutlichte der Posthalter. Sein Grundsatz: „Solange du nicht verkaufen musst, verkaufe nichts. So sehe ich das auch für die Gemeinde.“

Ähnlich argumentiert sein Parteifreund, Bürgermeister Hansjörg Zahler. Beim Treffen im Gasthof Isartal sagte er: „Nachdem die Allgäuer Ladenkette Feneberg definitiv nicht die Nachfolge von Rewe (Anm. d. Red.: Schließt im Dezember) antritt, rückt für die Gemeinde die Daseinsvorsorge in den Vordergrund. Wir dürfen nicht passiv verharren.“

Entschließt sich der Gemeinderat tatsächlich für den Abriss des Kirchenböbl scheint dieses 30 Jahre währende Politikum noch lange nicht vorbei. Dem Vernehmen nach bereitet die Gegenseite ein Bürgerbegehren vor.

Leonhard Habersetzer

Christof Schnürer

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