1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Wallgau

Der Wallgauer Zweitwohnungs-Fluch

Erstellt:

Von: Christof Schnürer

Kommentare

Das Dorf Wallgau von einer Anhöhe betrachtet
Wallgau - ein ebenso malerischer wie begehrter Fleck Erde. © Peter Kornatz

Wallgau ätzt unter der Last an Zweitwohnungen. Der Gemeinderat möchte diese Fehlentwicklung nun korrigieren.

Wallgau – Das malerische Wallgau ist nicht nur für Urlauber ein begehrter Flecken. Immer mehr Gutbetuchte leisten sich in dem 1500-Seelendorf ein Nebendomizil. Eine Bleibe für einheimische Familien dagegen wird immer teurer und illusorischer. Eine Fehlentwicklung, auf die der langjährige Musiklehrer Klaus-Bernd Heer nicht nur in seinem Heimatort, sondern im gesamten Oberen Isartal seit Jahren mit Vehemenz hinweist.

Der Gemeinderat Wallgau hat nun am Donnerstag einstimmig eine Satzung auf den Weg gebracht, die den Spielraum für Zweitwohnungen massiv einengt, diese im besten Fall verhindern soll.

Aktuell gibt es in Wallgau rund 120 Zweitwohnungen. Das sind 20 Prozent am hiesigen Wohnungsmarkt. Eine völlige Fehlentwicklung – so der allgemeine Tenor im Rathaus. „Da müssen wir gegensteuern“, verdeutlichte Bürgermeister Bastian Eiter (Wählerverein). In diesem Zusammenhang zitiert er ein Gutachten von 1998. Darin kommen Experten schon damals zu der Erkenntnis, dass unter anderem Zweitwohnungen ein Grund für die exorbitanten Grundstückspreise in Wallgau sind. Mit anderen Worten: Dieses Immobilienproblem ist nicht erst seit gestern bekannt.

Da müssen wir was tun, wir brauchen auch keine Skrupel zu haben, das ist im Interesse von Wallgau!

Gemeinderat Wolfgang Behling

Nun also hat die Volksvertretung ein sieben Paragrafen umfassendes Regelwerk verabschiedet, das am 1. Januar 2022 in Kraft treten soll. Zentrale Botschaft: Nebenwohnungen bedürfen künftig der Genehmigung, „wenn die Räume insgesamt an mehr als der Hälfte der Tage eines Jahres unbewohnt sind“. So heißt es in der Begründung der Satzung, die sich auf Paragraf 22 des Baugesetzbuchs beruft. Dieser besagt, dass Gemeinden, die überwiegend vom Tourismus geprägt sind, diese Zweckbestimmung anwenden dürfen.

Und der Gemeinderat ist felsenfest dazu entschlossen, wie die kurze Diskussion darüber deutlich vor Augen führte. 120 Zweitwohnungen sind schlichtweg zu viel für ein kleines Dorf, unterstrich Wolfgang Behling (Wählerverein). „Da müssen wir was tun, wir brauchen auch keine Skrupel zu haben, das ist im Interesse von Wallgau!“ Sein Fraktionskollege Karlheinz Schwaiger sieht’s genauso. „Einheimische finden immer schwerer Wohnungen.“ Die jüngste Entscheidung wertet der „Wegmacher“ als klares Signal, „dass wir nicht für Auswärtige bauen“.

Kaffeehaus-Betreiber Florian Holzer (CSU) bezeichnet sich zwar als Nutznießer dieser Fehlentwicklung – denn sind Zweitwohnungseigentümer da, konsumieren sie auch gerne vor Ort –, trotzdem mahnt der „Café-Martl“ zum raschen Handeln. Wenn er ab 17 Uhr durchs Dorf geht, sieht er nur noch Leerstand, heruntergelassene Jalousien und allerorten dunkle Häuser. „Das ist ein Unding, so kann’s nicht weitergehen.“ Daher hält er die „Satzung zur Sicherung der Zweckbestimmung von Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion“, wie sie in voller Pracht lautet, für „ganz wichtig“.

Allerdings schränkt Bürgermeister Eiter ein: „Wir werden damit nicht auf einmal alle Zweitwohnungen weg haben.“ Immerhin genießen die bereits vorhandenen bestandsschutz. „Aber es ist zumindest ein Zeichen.“

Auch interessant

Kommentare