Gemeinderäte und Zuschauer verfolgen im Haus des Gastes in Wallgau die Bürgerversammlung
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Deutliche Worte gibt es bei der Bürgerversammlung in Wallgau zu hören.

Kritik an IMBY

Wallgau und sein Gewerbegebiet: Die Leiden eines Dorf-Bürgermeisters

  • VonChristof Schnürer
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Als Chef im Rathaus kann man Projekte anstoßen, wie man will. Das Tempo geben jedoch zumeist übergeordnete Stellen oder Verhandlungspartner vor. Bestes Beispiel dafür ist in Wallgau der Ankauf von Gewerbegrund.

Wallgau – Das Grauen hat für Wallgaus Bürgermeister Bastian Eiter (Wählerverein) einen Namen: Immobilien Freistaat Bayern, kurz IMBY. Diese staatliche Verwaltungsstelle bringt den Rathauschef an den Rand der Verzweiflung. Warum, das berichtete er am Donnerstagabend bei der gut besuchten Bürgerversammlung im Haus des Gastes.

Seit vielen Jahren versucht die Kommune, ein 14 000 Quadratmeter großes Forstgrundstück für das heimische Gewerbe anzukaufen (wir berichteten). Die Staatsforsten haben nichts dagegen, teilte Robert Krebs, der stellvertretende Leiter des zuständigen Forstbetriebs Bad Tölz, bereits am 20. August 2020 Eiter mit. „Seitdem befinden wir uns im regelmäßigen E-Mail-Verkehr“ – und zwar mit eben dieser IMBY, die im Auftrag des Freistaats solche Immobiliengeschäfte abwickelt.

Obwohl die Nachfrage örtlicher Firmen groß ist, tritt man in Wallgau weiter auf der Stelle. Doch Eiter, der seit 1. Mai 2020 an der Rathausspitze steht, verlor nie seinen Optimismus – bis der Hammer vor wenigen Wochen kam. In einer E-Mail teilt im der zuständige IMBY-Sachbearbeiter mit, dass zuerst „politisch prioritäre Projekte“ abgearbeitet werden müssen. Was bei Eiter nur Kopfschütteln verursacht. „Da werden vom Staat viele Milliarden ausgegeben, und mit Wallgau würden sie Geld verdienen – und dann so was.“

Doch die Gemeinde, die für den Kauf der aktuell laut Eiter „wilden Lagerfläche“ zwischen Isar- und Flößerstraße bereits eine Million Euro bereithält, ficht dieser Bürokratismus nicht an. In der jüngsten Sitzung vom 22. Juli beschloss das Ratsgremium einen Brief an Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber (CSU) zu verfassen. Der Mann aus Bad Heilbrunn soll regelmäßig Kontakt mit der IMBY haben. Mit anderen Worten: Die festgefahrene Situation soll politisch gelöst werden.

Die Pläne zur Vergrößerung des Wallgauer Gewerbegebiets reichen übrigens bis ins Jahr 1998 zurück. Das ursprüngliche Konzept war „gar nicht schlecht“, berichtet Eiter gegenüber dem Tagblatt. „Das hat bestimmt viel Geld gekostet.“ Warum weder bei einem Bürgermeister Rudi Hirtreiter noch bei dessen Nachfolgern Georg Jennewein oder Hansjörg Zahler etwas weiter ging, entzieht sich der Kenntnis des Amtsinhabers, der sich seit vielen Monaten mit „nervigen Schriftwechseln“ herumquält. Mindestens ebenso ärgerlich: Seit sieben Jahren liegt für das fragliche Areal ein Wertgutachten auf dem Tisch. Das hat die Kommune 5000 Euro gekostet. Doch das ist wegen des Schneckentempos der IMBY mittlerweile veraltet und somit nicht mehr brauchbar. „Das macht die Situation auch nicht besser.“

Bastian Eiter, ein bekennender Sozialdemokrat, hofft nun auf den Schwarzen Martin Bachhuber. Damit die Leiden eines Dorf-Bürgermeisters endlich ein Ende haben.

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