Wird vielleicht einmal Unesco-Weltkulturerbe: das Murnauer Moos. Vom Tisch jedenfalls ist die Bewerbung des Landkreises bei Weitem nicht.
+
Wird vielleicht einmal Unesco-Weltkulturerbe: das Murnauer Moos. Vom Tisch jedenfalls ist die Bewerbung des Landkreises bei Weitem nicht.

Umweltausschuss spricht sich für Weltkulturerbe aus

Umstrittene Unesco-Bewerbung: Die nächste Hürde ist genommen

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
    schließen

Der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Kreistags sagt ja und spricht sich somit nach eineinhalbstündiger Debatte klar für eine Bewerbung zum Unesco-Weltkulturerbe aus.

Wallgau – Ja, der Ausstieg der Gemeinde Eschenlohe hat der Unesco-Bewerbung eine Delle zugefügt. Nein, das Vorhaben des Landkreises ist deshalb noch nicht gestorben. Tatsächlich hat das Projekt die nächste Hürde genommen. Der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Kreistags votierte mit ordentlicher Mehrheit (11:3 Stimmen) pro Kandidatur, auch wenn dieser Beschluss nicht bindend, sondern nur eine Empfehlung ist. Eineinhalb Stunden wurde debattiert. Die wichtigsten Szenen.

Das Plädoyer

Die Schar der Fürsprecher eröffnete das Verbal-Duell. Das eindrucksvollste Plädoyer – eindringlich wie versöhnend – hielt Klaus Solleder, Kreisobmann des Bauernverbands. Er fasste zusammen, was sich sein Berufsstand, nach eigener Auffassung seit Jahrzehnten von Brüssel und Berlin mit Auflagen gegängelt, vom Unesco-Siegel erhofft: Anerkennung und wenigstens einen kleinen Hebel, auch wenn er selbst nicht sagen kann, ob sich mit diesem die Rädchen der großen Politik drehen lassen. Solleder geht es um Verantwortung für sein Klientel, die kleinteilige Landwirtschaft in der Gegend. „Ich möchte mir nicht vorwerfen lassen, wir hätten nicht alles probiert“, betonte er. „Wir brauchen jede Chance.“ Diverse Punkte (Verbot der Kombinationshaltung, Ausweisung weiterer Schutzgebiete) habe man bewusst als rote Linien ins Dossier aufgenommen. Sollten sie überschritten werden, gefährden sie den Welterbestatus. „Für uns wäre das ein Hilfsmittel.“ Zuletzt appellierte er an die Einigkeit – egal wie das Votum des Kreistags und später der Unesco ausfällt. Er wünschte sich, „dass alle zusammenhalten“.

Utzschneider vs. Lödermann

Sie sprach von „falschen Verdächtigungen“, von „Misstrauen“, von „total schlechtem und negativem Klima“, von einem „Streit, der jetzt plötzlich auf der Zielgerade losgebrochen ist“. Tessy Lödermann, Politikerin der Grünen, Dritte Landrätin und Befürworterin der Bewerbung, bedauert, was gerade rund um das Verfahren abläuft. Allerdings – welch unschöne Ironie – offenbarte sich der Graben, den einige Mitglieder des Ausschusses in der Bevölkerung ausmachen, in einem kleinen Disput zwischen Lödermann und CSU-Vertreter Rudolf Utzschneider aus Murnau. Der Chefkritiker mokierte sich über eine Stellungnahme des Bund Naturschutz (wir berichteten), die man den Räten offenbar vorenthalten hatte, sowie über das Bild einer Landwirtschaft, das einige Kollegen zeichneten, nach dem Motto: „Bei uns ist Welt in Ordnung und überall anders ganz schlimm.“ Bei dieser Bemerkung grätschte Lödermann verbal dazwischen. Der Murnauer konterte umgehend. „Ich rede bei Ihnen auch nicht dazwischen. Das nennt sich Anstand.“ Danach wiederholte er eines seiner Kernargumente: Im Dossier gehe es fast ausschließlich um die Flächen und nur nachrangig um die örtliche Landwirtschaft.

Die Bitte nach Eschenlohe

Sanfter hätte man diese Bitte nicht formulieren können, die Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an Anton Kölbl und das gesamte Dorf Eschenlohe richtete. Sie traue sich den Toni direkt anzusprechen. Ob er sich vorstellen könne, so etwas wie einen „Letter of intent“, eine Absichtserklärung ohne rechtliche Bindung, zu verfassen. Mit dem Inhalt, dass sich das Dorf im Verlauf der Bewerbung eventuell doch vorstellen könne mitzumachen. CSU-Vertreter Kölbl lehnte ab. Eschenlohe habe das Gesamtpaket von allen Seiten beleuchtet. „Das ist nichts für uns.“

Der Brückenbauer

Christian Hornsteiner, CSU-Bürgermeister von Farchant, mimte die Waage. Einerseits hinterfragte er den konkreten Nutzen des Siegels, andererseits liege ihm die Landwirtschaft sehr am Herzen. Er sagt: „In der jetzigen Situation kann es nur Verlierer geben.“ Er plädierte für mehr Zeit, beantragte, die Abstimmung im Ausschuss zu vertagen, bis alle Gemeinden sich positioniert haben. „Die endgültigen Unterlagen liegen noch nicht vor.“ Dieser Vorstoß missfiel Landrat Anton Speer (Freie Wähler), der auf einen endgültigen Entschluss in der Kreistagssitzung am 23. Juli drängt. „Wenn wir nochmals vertagen, macht die Landwirtschaft nicht mehr mit. Dann ist das von Haus aus gestorben.“

Mit 9:5 Stimmen votierte der Ausschuss gegen einen Aufschub. Bei der entscheidenden Abstimmung unterstützte Christian Hornsteiner die Unesco-Kandidatur des Kreises. Nur Utzschneider, Kölbl sowie Albert Grasegger von der Bayernpartei lehnten sie ab.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare