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Ideen für den Kirchenböbl: Im Gebäude kann eine Praxis für Präventions- und Stressmedizin, eine Apotheke und die Tourist-Info untergebracht werden.

Startschuss für Informationsoffensive

Dorferneuerung Wallgau: Bürger bekommen Konzepte präsentiert

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Wallgau - Gesundheitstourismus als Chance für Wallgau: Auf diesem Ansatz ruhen die Pläne für die Dorferneuerung der Isartaler Gemeinde. Dafür richtet sich der Blick vor allem auf den Kirchenböbl – aber nicht nur.

Der Sitzungssaal im Wallgauer Rathaus ist seit Montag zweckentfremdet. Dort, wo sonst der Gemeinderat tagt, stehen zehn Tafeln. An jeder hängen große Plakate, auf denen der aktuelle Stand zur Dorferneuerung komprimiert geschildert wird. Auf dem Tisch, an dem die Volksvertreter Entscheidungen treffen, liegt eine Art von Schablonen aus. Es sind Puzzlestücke, alle mit identischem Zuschnitt und doch mit gravierenden Unterschieden. Sie gehören zu einem Modell, das den Bereich um den Dorfplatz zeigt. Jedes Teil stellt eine Möglichkeit dar, wie das Gemeindezentrum in Zukunft verändert werden könnte. Der Fokus richtet sich dabei auf den Kirchenböbl. Ein kleines „Ich-mach’-mir-die-Wallgauer-Welt,-wie-sie-mir-gefällt-Spielchen“.

Aktuelle Situation im Modell: Der Kirchenböbl steht leer, der Dorfplatz ist beengt und unattraktiv.

Die Ausstellung, die seit Montag geöffnet hat, bildet den Auftakt der Informationsoffensive zur Dorferneuerung, die im Januar mit mehreren Veranstaltungen über die Bühne geht. Viel Zeit ist ins Land gegangen, seit sich die Gemeinde 2011 dieses Thema auf die Fahnen geschrieben hat. Jahre der Ideenfindung und der Planung liegen zurück. Jahre, in denen mögliche Konzepte ent- und wieder verworfen wurden. Zum Beispiel eine Pflegeeinrichtung im Kirchenböbl. Sie scheiterte, weil sich kein Betreiber fand. Doch in dieser intensiven Phase entstanden auch Modelle, die die Mitwirkenden der Arbeitskreise als erfolgsversprechend einstufen. Das Leitbild ist formuliert: „Im Einklang mit der Natur und Tradition die Zukunft gemeinsam gestalten.“ Klingt in der Theorie gut, doch wie setzt man es in der Praxis um? Es geht darum, den Ort besser zu vermarkten, den rückgängigen Besucherzahlen entgegenzuwirken und sich den Anfragen der Gäste anzupassen. Eine Herausforderung, wie Rathauschef Hansjörg Zahler (CSU) findet. Doch er ist überzeugt von den Ergebnissen der vergangenen Jahre. Denn eines steht für ihn fest: „Ein Dorf braucht eine Vision“, ein Entwicklungsziel.

Kirchenböbl steht im Zentrum der Dorferneuerung

Im Kern der Pläne steht der Kirchenböbl. Das einst landwirtschaftliche Gebäude, das seit Jahren einen Dornröschenschlaf hält, soll den Plänen nach als Gesundheits- und Präventionszentrum erwachen. Der Bürger bekommt nach reiflichen Überlegungen nun verschiedene Optionen präsentiert, was mit dem Gebäude passieren soll. Die Alternativen beinhalten Abriss und Neubau, aber auch Erhalt und Verkauf (siehe unten Handlungsmöglichkeiten). Was darin untergebracht werden könnte, dafür existieren ebenfalls Pläne. Dazu zählt zum Beispiel eine Praxis für Präventions- und Stressmedizin. Für den Gesundheitsbeirats-Vorsitzenden der Zugspitz Region kein Hirngespinst. „Wir trauen uns das deshalb, weil mir schriftliche Interessensbekundungen vorliegen, dass sich jemand einmieten möchte.“ Passend zur Gesundheits-Ausrichtung dort strebt der Rathauschef weiter ein Wellness- und Vitalzentrum mit Saunen, Teich und Heustadel auf dem Gelände rund um das Haus des Gastes an. Und er hat auch in diesem Fall gute Nachrichten: Ein potenzieller Geldgeber habe bereits Interesse angemeldet. Nach all den Jahren der Theorie will Zahler nun anpacken. Die Entscheidung im Gemeinderat soll heuer fallen, vor allem in puncto Kirchenböbl. „Der druckt uns.“ Sein Wunsch: Der Besucher geht zum Arzt, anschließend in die Apotheke und kann anschließend in einem Dorfladen oder der Tourist-Info noch ein Produkt aus Wallgau ergattern. Und das alles in einem Haus.

Mehr (Regional-)Vermarktung geplant

Doch sich auf die Dorfmitte mit der verwaisten Immobilie allein zu konzentrieren, reicht nicht, um die Gemeinde auf Vordermann zu bringen. Der Rathauschef will ein vielfältiges Angebotsspektrum vor Ort haben. Somit waren die „Zugspitzwelten“ geboren. Ein Begriff, der unter anderem die „Sportwelt“ und seine Angebote, die „Modewelt“ oder die „Naturwelt“ zusammenbringt. Erstmal für Wallgau. „Man kann das auf die Alpenwelt Karwendel und den Landkreis ausweiten“, sagt Zahler. Im Zentrum dieses Konzepts steht allen voran die „Produktwelt“. Heißt konkret: Regionale Produkte wie Wolle, Holzkunst, Keramik und Lebensmittel sollen in einem Laden in der Ortsmitte oder im Web-Shop (www.gruss-aus-wallgau.de) angeboten werden – für eine bessere Vermarktung, für ein besseres Image. „Das Urlaubsgefühl kann nach Hause geholt werden“, heißt es auf einer der Tafeln im Sitzungssaal.

Diese Projekte stehen auch auf der Agenda

Auf einer anderen kann sich der Bürger ein Bild davon machen, welche Projekte noch auf der Agenda stehen – vom Ausbau der Risserstraße zu einem „Panorama-Intro“, wie es Zahler nennt, über die Gründung einer Energiegenossenschaft für die Nahwärmeversorgung im und ums Dorfzentrum, bis hin zur Erneuerung des Kurparks zum Erholungs- und Bewegungspark. Die Vorhaben sind ambitioniert, ohne Frage. Aber notwendig, wie Zahler versichert. Auch, wenn die Projekte „ganze Generationen beschäftigen werden.“ Der Startschuss zur Umsetzung, der aber soll bald fallen.

Handlungsmöglichkeiten für den Kirchenböbl:

Im Rahmen von fünf Arbeitskreisterminen wurden verschiedene Handlungsoptionen für den Kirchenböbl in Kombination mit vorhandenen Immobilien erarbeitet.

Option 1: Abriss und Neueerrichtung des Kirchenböbls; Nutzung für Gesundheit und Prävention 

Option 2: Erhalt des Gebäudes und Verkauf an einen Investor; Gesundheit und Prävention im Bungalow (in Gemeindebesitz)

Option 3: Verkauf des Kirchenböbls und Integration von Gesundheit und Prävention ins Haus des Gastes Option 4: Verkauf des Gebäudes; Arztpraxis und Apotheke bleiben am bisherigen Standort; kein finanzielles Risiko für Gemeinde. 

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