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Sachliche Analyse: Jan Steinbauer.

Soll der Kirchenböbl saniert oder abgerissen werden? 

Dorferneuerung: Wie sieht Wallgaus Zukunft aus?

Um diese elementare Frage ging es am Dienstagabend bei der Dorfversammlung im Haus des Gastes. Eines der zentralen Themen der Dorferneuerung ist dabei das Umfeld des Kirchenböbls und die Frage, ob dieser saniert oder abgerissen werden soll.

Wallgau - Nur ein kleiner Handgriff und schon hat Stadtplaner Otto Kurz den Kirchenböbl vom Dorfplatz verschwinden lassen. Anstelle dessen platziert er zwischen St. Jakob und Hotel Post ein kleineres Gebäude – weiter nordöstlich. „Sehen Sie“, deutet er auf den nun wesentlich größer gewordenen Dorfplatz. „Jetzt ist sogar die Kirche mit eingebunden und sichtbar.“ Kurz stellt noch drei, vier winzige Bäume auf und schon ist der neue Wallgauer Dorfplatz fertig. Zumindest in Miniaturform in seinem selbst gefertigten 3D-Modell. Denn drei mögliche Bau-Varianten hat er ausgearbeitet, sollte sich der Gemeinderat für den Abriss des jetzigen Kirchenböbls entscheiden. Das und vieles mehr präsentierte man am Dienstagabend den Besuchern der Dorfversammlung im Haus des Gastes.

Es gibt mehrere Möglichkeiten - mehrere Varianten

Die Variante eins sieht vor, „das Gebäude um ein Drittel kleiner zu machen als bestehend“. Die geplanten Nutzungen dafür, ergänzte Kurz, „würden ausreichen“. Das Anwesen rückt dann nach Nordosten. „Die Torwirkung bei der Einfahrt in den Dorfplatz würde aber erhalten bleiben.“ Das Modell lässt erahnen, „wie viel Potenzial und Aufenthaltsqualität“ der Platz jetzt hätte. Zumal die Kirche in den Dorfplatz eingebunden wäre.

In Variante zwei hingegen lässt Kurz das fragliche Anwesen drehen und abwinkeln. Die Kirche wäre zwar immer noch Bestandteil des Platzes, allerdings ist nun das Hotel Post nicht mehr involviert. „Am neuen Gebäude würde eine gemütliche kleine Ecke entstehen.“ Die letzte Variante sieht vor, den neuen Kirchenböbl noch einmal zu drehen. Das Hotel Post wäre dann zwar wieder dabei, die Kirche dafür aber nicht. „Da hätte der Platz dann keine klare Fassung“, kritisiert der Stadtplaner. Deshalb liegt für ihn auf der Hand: „Variante eins ist am ehesten zu empfehlen.“

Nichts tun ist keine Option

Doch natürlich handelte es sich dabei „um reine Vorschläge“, wie Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) verdeutlichte. Denn es gibt auch Versionen, in denen der Kirchenböbl nicht abgerissen werden müsste. „Wir könnten ihn auch erhalten und an einen Investor verkaufen.“ Die Nutzungen „Gesundheit und Prävention“ könnten dann auf das sogenannte „Bungalowgelände“ verlagert oder in das Haus des Gastes integriert werden.

„Oder man tut einfach nix“, erklärt Jan Steinbauer die Sachlage nüchtern. Doch der Unternehmensberater ist sich sicher, dass „das wohl keiner will“. Egal für welche Variante sich die Wallgauer letztlich entscheiden werden, das Ziel ist einhellig: die Belebung der Wallgauer Ortsmitte. Für die Ladenfläche hat Zahler bereits ernsthafte Interessenten. „Drei einheimische Landwirte würden die Räumlichkeit gemeinsam mieten.“

Dann aber nur unter der Bedingung, dass der Kirchenböbl abgerissen und neu errichtet wird. „Denn wir brauchen mindestens 100 Quadratmeter Ladenfläche“, versicherte Josef Berwein junior, einer der interessierten Landwirte. Doch nicht alle wollen sich von dem geschichtsträchtigen Haus trennen. „Ein neues Gebäude kann nie mehr den Charakter des jetzigen Kirchenböbls ersetzen“, ist sich Wilhelm Neuner gewiss. Ihm zufolge ist es eines der „letzten echten Bauernhäuser“ in Wallgau.

In der anschließenden Diskussion wurde allerdings auch diese Behauptung wieder entkräftet, zumal der Kirchenböbl in den vergangenen Jahrzehnten öfters umgebaut wurde und sogar als Modegeschäft und Fotoladen diente.

Der Ball liegt nun beim Gemeinderat

Im Obergeschoss würde im Falles des Abrisses dann eine Praxis für Allgemein-, Präventions- und Stressmedizin entstehen sowie Aktivitätsbereiche, Seminar- und Schulungsräume, alternativ ist eine Wohnung möglich.

Auch Franz Leismüller hat bereits eine Nutzungsidee schriftlich bei Bürgermeister Zahler vorgelegt, die besonders auf den Tourismus abzielt: So könnte beispielsweise durch den Verkauf des Kirchenböbls an einen Investor eine Schaubrennerei entstehen oder ein regionaler Dorfladen. „Wir haben keine Einflussmöglichkeiten auf Gestaltung, Ablauf und Nutzung, ob der Dorfplatz dann wirklich belebt wird, muss dahingestellt bleiben“, erläutert Zahler im Falle eines Verkaufs an Externe. Dafür trage die Gemeinde aber kein finanzielles Risiko und spare sich viel Zeit und Geld.

Nun liegt der Ball beim Gemeinderat, der in den nächsten Sitzungen über einen Grundsatzbeschluss abstimmen wird.

Josef Hornsteiner

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