Das Kieswerk Achner zwischen Wallgau und Krün.
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Aus der Vogel-Perspektive: Das Kieswerk Achner soll nach Süden Richtung Krün (im Hintergrund) erweitert werden.

Gemeinderat Wallgau geht den nächsten Schritt

Kieswerk Achner: Expansionspläne schreiten voran

  • vonChristof Schnürer
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Die Erweiterungspläne im Kieswerk Achner stoßen lokalpolitisch weiter auf volle Unterstützung. Der Wallgauer Gemeinderat verabschiedete nun den Auslegungs- und Billigungsbeschluss.

Wallgau – Wenn sich die wenigen Zuschauer verwundert die Augen reiben und ermattete Volksvertreter vor Langeweile fast vom Stuhl kippen, dann ist es wieder soweit: Dann werden im Rathaus im Zuge eines Bebauungsplan-Verfahrens die Stellungnahmen von Behörden und Verbänden vorgetragen – oder wie man im Bürokratendeutsch sagt: Träger öffentlicher Belange.

Dass deren Fachchinesisch für Otto Normalbürger ein Buch mit sieben Siegeln ist, hörte man aus jeder Silbe von Florian Neuner heraus. Der Gemeindebedienstete fiel im Wallgauer Gemeinderat im Falle der geplanten Erweiterung des Kieswerks Achner (wir berichteten) die bedauernswerte Aufgabe des Vorlesers zu. Irgendwann war nach einer Stunde die Tortur geschafft. „Ich darf allen für die Ausdauer danken“, konstatierte Bürgermeister Bastian Eiter (Wählerverein) mit einem Augenzwinkern. Das Beste dieses quälenden Marathons aus Sicht des Bauwerbers: In Punkte Zukunft ist man ein gutes Stück weiter. „Es geht um die Standortsicherung“, betonte Sepp Achner, einer der Geschäftsführer, bereits im Juni 2020, als die Gemeinde Wallgau den Bebauungsplan für das Sondergebiet „Kieswerk und Recycling – Krüner Weide“ einhellig auf den Weg gebracht hatte.

WWA mit Bedenken

Das Unternehmen besteht seit 1933. Auf einer Fläche von rund sieben Hektar wird sowohl auf Krüner als auch auf Wallgauer Flur zwischen Isar und Finz Kies abgebaut. Nun also möchte der Betrieb nach Südwesten expandieren – um etwa 20 000 Quadratmeter. Im erweiterten Kieswerk soll künftig auch Bauschutt gebrochen sowie Baustoffe recycelt werden.

Eine Neuerung, die einigen Behörden scheinbar Probleme bereitet. Das Wasserwirtschaftsamt in Weilheim (WWA) beispielsweise weist die Kommune darauf hin, dass das Kieswerk zwischen zwei Grundwasser-Messstellen liegt – also in hochsensiblem Areal. Deshalb ist laut Experten bei der Zwischendeponierung von Straßenbelägen und Bauschutt wichtig, nur „Außenasphalt mit geringer Verunreinigung“ zu lagern, am besten mit Überdachung. Zwei Punkte sind beim WWA von enormer Bedeutung: „Die Vermischung verschiedener Abfallarten ist unzulässig“, und „hochbelastetes Wasser darf nicht versickert werden“. Erfüllt das Unternehmen diese zentralen Punkte, gebe es „keine grundlegenden Bedenken“.

Selbstredend sensibilisiert das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auf mögliche historische Fundstätten. Bürgermeister Eiter drückt das folgendermaßen aus: „Wenn wir eine römische Siedlung finden, müssen wir es vorher sagen.“ Was angesichts der antiken Verkehrswege in dieser Region nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber eher unwahrscheinlich klingt.

Das Landratsamt – es verschickte die mit Abstand ausführlichste Einschätzung – kann alles in allem mit der Expansion des Betriebsgeländes einigermaßen gut leben. Denn: „Das Orts- und Landschaftsbild ändert sich nur geringfügig“, heißt es in dem Schreiben der Kreisbehörde.

Deren Untere Naturschutzbehörde gibt allerdings zu Bedenken: „Die geplante Erweiterung wird zur Zerstörung von einem Hektar Biotopfläche führen.“ Konkret gesagt: Schneeheide-Gewächse und Kiefernbäume verschwinden.

Bürgermeister sieht öffentliches Interesse

Das ist der Preis, den die Kommune zu zahlen hat – findet der Bürgermeister. Für das Bauvorhaben sieht Eiter durchaus „öffentliches Interesse“, zumal das heimische Unternehmen der einzige Kieslieferant im Oberen Isartal sei. Aufgrund der natürlichen Grenzen – Isar und Finz – „sind auch keine Alternativen vorhanden“, ergänzte der Rathauschef. „Daher bleiben uns nur die beantragten Flächen übrig.“

Die Gemeinderäte sahen das genauso. Sowohl der Billungs- als auch der Auslegungsbeschluss wurde mit 13:0 Stimmen abgesegnet. Was nichts anders heißt: Die Anregungen und Bedenken werden in den geänderten Flächennutzungs- und den Bebauungsplan eingearbeitet und nochmals für jedermann einsehbar gemacht. Anschließende werden nochmals die Bürger und Fachstellen um Einschätzung gefragt. Dann könnt’s im Gemeinderat wieder zäh, langweilig und einschläfernd werden.

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