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Auf der Floßbühne fühlen sich (v. l.) Anton Neuner (Wogner), Sepp Rappensberger, Martin Geierstanger, Ulrike Baumann, Gabriele Beyermann, Hans Zahler, Regina Sprenger, Sophie Holler, Hannes Zahler und Hans Baur gut aufgehoben. 

Freilichttheater in Wallgau

Drama, Tod und Verzweiflung auf der Floßbühne

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Dramatisch wird es auf der Wallgauer Floßbühne. Das Stück von Hans Zahler ist alles - nur kein Schenkelklopfer

Wallgau – Es ist ein Marterl am Wegesrand – nahe der Driving Range des Wallgauer Golfplatzes, das Hans Zahler einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Nicht die Beschaffenheit des kleinen Denkmals beeindruckt ihn, sondern die Geschichte, die es erzählt – eine brutale und menschenverachtende. An besagter Stelle am Rande des Isartal-Dorfs soll sich eine regelrechte Greueltat zugetragen haben. Ein Hungerleider, der gewildert hatte, wurde dort von zwei Jägern aus der Jachenau gestellt, erschossen und gesteinigt. Das zumindest erzählt das Marterl.

Das Schicksal dieses bettelarmen Wallgauer Flößers, der seinen Hunger mit dem Leben bezahlen musste, dient Hans Zahler als historische Grundlage seines dramatischen Einakters. Das 40-Minuten-Stück wird am Dienstag, 17. Juli, im Rahmen der Landesausstellung „Mythos Bayern“ auf der Wallgauer Floßbühne uraufgeführt.

Das Marterl, mit dem sich Zahler seit den Vorbereitungen zur 1250-Jahrfeier (2013) auseinandersetzte, lieferte ihm also die Handlung. „Erzählt wird der Kampf zwischen hungernden Flößern und satten Wilderern.“ Leichte Kost ist es nicht, die sich der Gemeinde-Kämmerer ausgedacht hat. „Nein, das ist wirklich kein Schenkelklopfer.“ Das Stück um Aufruhr, Zivilcourage und Tod, das um 1920 spielt, hat der 56-Jährige in gerade mal drei Stunden geschrieben. „Die Personen hatte ich alle längst im Kopf.“

Die Hauptrolle – die des Flößers Johann – übernimmt Autor Zahler, der auch Regie führt, gleich selbst. Dreifach-Belastung für einen, der eigentlich mit dem Theaterspielen in seinem Heimatort nach 30 Jahren abgeschlossen hatte. Doch dieses Drama auf einer Floßbühne – da konnte er nicht nein sagen. Diese Inszenierung nach über einem Jahr Pause „in tiefer Örtlichkeit“ – die hat einfach was. Um sich scharte Zahler erprobtes Personal vom stillgelegten Bauerntheater, wie etwa Regina Sprenger, die seine Frau Katharina spielt. Neu dabei ist zudem Zahlers Spross Hannes, der auch bei den „Unfreien“ seinen Sohn verkörpert. Nicht nur deshalb sind für den Senior einige Passagen „nicht einfach zu spielen“.

Vor vier Wochen haben die acht Darsteller mit den Proben begonnen. Alle sind mit Herzblut dabei – auch Hans Baur. Der Gemeinderat und Jurist mit humoristischer Ader ergänzt die Aufführung mit einer Lesung über den im benachbarten Vorderriß aufgewachsenen Schriftsteller Ludwig Thoma (1867 bis 1921). Auch für diese Anekdoten ist das nostalgische Isar-Floss wie geschaffen. 

Terminhinweis

Der dramatische Einakter „Die Unfreien“ wird am Dienstag, 17. Juni, erstmals auf der Wallgauer Floßbühne aufgeführt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Ausweichtermin ist Donnerstag, 19. Juli. Es spielt die Jagerstand-Musi. Parkplätze gibt es am Ende der Isarstraße vor dem Isarsteg. Der Eintritt für Einheimische und Urlauber mit Gästekarte beträgt fünf Euro – ansonsten sieben Euro. Karten gibt es im Vorverkauf in der Tourist-Information Wallgau unter der Rufnummer 0 88 25/92 50 50.

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