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Zwei Männer, eine Meinung: Hans Baur (l.) und Bernhard Wilde melden schwere Bedenken gegen das Vorgehen des Bürgermeisters an. 

Hitzige Debatte im Gemeinderat Wallgau 

Kirchenböbl-„Drehbuch“ durchgepeitscht

9:4 – ein Abstimmungsergebnis, das am Donnerstag nicht nur einmal im Wallgauer Gemeinderat protokolliert werden durfte. Wieder ging’s um das Dauerthema Kirchenböbl und wieder flogen im Rathaus die Fetzen.

Wallgau – Lustig war’s wenigstens zu Beginn dieser denkwürdigen Sitzung. Angesichts des Besucher-Andrangs im Wallgauer Rathaus verkündete Kämmerer Hans Zahler irgendwann: „Sitzplätze sind ausverkauft, Stehplätze wären noch zu haben.“ Auch sonst hatte der Protokollführer viel zu tun. Gefühlte 50 Mal durfte er alleine das Abstimmungsergebnis 9:4 in seinen Block notieren.

Dieses Votum beim Dauerbrenner Kirchenböbl drückt nicht nur die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat, sondern zudem die Gefühlslage aus. Noch nie in der bald zehnjährigen Ära von Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) war es so emotional aufgeheizt wie am Donnerstagabend. Für das allgemeine Reizklima hatte eingangs Hans Baur (Junge Mitarbeiter) gesorgt. „Das ist doch eine Farce“, polterte der Rechtsanwalt und wedelte dabei mit mehreren Seiten Papier. Darin enthalten sind sogenannte „Minimalkriterien eines möglichen Erbbaurechtsvertrags“. Später einigte sich das Gremium auf die Formulierung „Verhandlungsrichtlinien“. Sie wurden von der Ratsmehrheit zu vorgerückter Stunde regelrecht durchgepeitscht und sollen bei möglichen Gesprächen mit den Kirchenböbl-Interessenten, den Gebrüdern Leismüller, Eckpunkte einer Übereignung der gemeindeeigenen Immobile im Herzen des Dorfes sein.

Ein längst überfälliger Schritt, findet Bürgermeister Zahler. „Wir können nicht einfach so in windelweiche Beratungen gehen.“ Da hakte Bernhard Wilde (Wählerverein) ein. „Hätten wir unseren Antrag nicht geschrieben, wäre informationstechnisch gar nichts passiert.“ Wilde spielt damit auf ein Schreiben an, das überhaupt den Anstoß zu dieser neuerlichen Debatte über den Kirchenböbl gegeben hatte. Unterzeichnet hatten es neben Wilde und Baur, Zweiter Bürgermeister Karlheinz Schwaiger, Julia Schwarzenberger (beide Wählerverein) und Robert Kuplwieser (CSU). Dieses Quintett forderte bereits im Oktober einen Sachstandsbericht zu diesem Politikum ein.

Nun überraschte Anfang der Woche der Bürgermeister die Gemeinderäte mit dem Vertragsentwurf. Viel zu kurzfristig findet Jurist Baur. „Ich sehe mich nicht in der Lage, den einzelnen Beschlüssen zuzustimmen.“ Auch Schwaiger bat mangels Vorbereitung um Vertagung. „Dann beschließen wir das halt in drei Wochen.“ Da platzte Bernhard Neuner junior (CSU) der Kragen. „Irgendwann ist mal der Punkt erreicht, an dem wir anfangen müssen, Karlheinz“, zischte der Posthalter zur anderen Tischseite hinüber. Der aggressive Ton gefiel dem Rathauschef ganz und gar nicht. „Ich bitte um eine sachliche Diskussion“, schärfte Zahler allen mit ernstem Ton ein.

Mit 8:5 lehnte der Gemeinderat das Vertagungsgesuch mehrheitlich ab. Als es nach diesem denkwürdigen Prolog um die Inhalte ging, sagte Julia Schwarzenberger mit vorwurfsvoller Stimme: „Um 22.45 Uhr behandeln wir jetzt dieses Thema als letzten Tagesordnungspunkt.“ Und das obwohl die Tragweite des strittigen Entwurfs noch gar nicht abzuschätzen ist.

Natürlich sorgten auch einige dieser Verhandlungsrichtlinien für Zoff. Vize-Bürgermeister Schwaiger etwa stieß sich an dem Passus, dass sich der Erbaurechts-Begünstigte zum Bau einer öffentlichen Toilette verpflichten muss. Soll der Kirchenböbl etwa einen gastronomischen Betrieb beheimaten? Um das auszuschließen, beantragte Wilde, den Vermerk „keine Gastwirtschaft“ aufzunehmen.

„Warum?“, entgegnete ihm Josef Berwein (Wählerverein). „Das wäre doch eine Belebung.“ Bekanntlich sieht er sich als Sprachrohr der hiesigen Bauern, die im Kirchenböbl gerne einen Dorfladen betreiben würden. Doch vorher müssten Berwein und Co. wissen, wie hoch die künftige Miete ist. Das wiederum kann der potenzielle Erbaurechtsnehmer Franz-Martin Leismüller erst mitteilen, wenn er die Konditionen von Seiten der Gemeinde kennt. Deshalb, so Bürgermeister Zahlers finaler Appell, „müssen wir uns doch irgendein Drehbuch geben“. Das soeben durchgeboxte hat jedenfalls einige Passagen mit echtem Tragödien-Potenzial.

Christof Schnürer

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