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Beschäftigt seit Jahren den Gemeinderat: der Kirchenböbl im Ortszentrum Wallgaus.

Idee der Brüder Leismüller noch nicht ad acta gelegt

Kirchenböbl wird nicht verkauft

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Dieses Gebäude ist so etwas wie eine Beschäftigungstherapie für den Gemeinderat. Seit Jahren setzt sich das Wallgauer Gremium mit der Zukunft des Kirchenböbls auseinander. Nun wurden erste, wichtige Fakten geschaffen.

Wallgau – In Scharen sind sie ins Rathaus gepilgert. Noch ehe sich auch nur ein Gemeinderat im Sitzungssaal eingefunden hatte, waren viele Zuhörerplätze schon besetzt. Zahlreiche zusätzliche Stühle mussten in den Raum geschleppt werden. Die Wallgauer waren vor allem aus einem Grund gekommen: wegen des Antrags von vier Gemeinderäten, wegen der Zukunft des Kirchenböbls, wegen des Verkaufs oder Nicht-Verkaufs des Anwesens. Ein heikles Thema, das die Bürger zuletzt in zwei Lager spaltete. Ein heißer Abend voller Diskussionen wurde von vielen erwartet. Doch es kam zur Überraschung.

Großes Interesse: Der Sitzungssaal im Rathaus ist brechend voll.
Wollen den Kirchenböbl kaufen: die Brüder Franz-Martin und Hubertus Leismüller.

Der Kirchenböbl bleibt in der Hand der Kommune (einstimmig). Trotzdem sind die Brüder Franz-Martin und Hubertus Leismüller mit ihrer Idee noch nicht gescheitert. Die zwei Wallgauer wollen das Gebäude kaufen und in seiner historischen Substanz erhalten, um dort ein eigenes Konzept mit Schnapsbrennerei, Bäckerei und dem Verkauf von eigenen Produkten umzusetzen. Nachdem Hansjörg Zahler die geforderten Sachverhalte wie die geschätzten Kosten für einen Neubau erläutert (siehe unten) und die Vor- und Nachteile der beiden Optionen gegenübergestellt hatte, brachte er die Anwesenden auf den neuesten Stand der Entwicklungen. Der Bürgermeister berichtete von einem Treffen einen Tag vor der richtungweisenden Sitzung. „Wir haben versucht, alle Interessenten an einen Tisch zu bekommen.“ Darunter Inka Diener, Ärztin in Wallgau, Apotheker Martin Fischer, die Vertreter der Initiative Dorfladen sowie die Leismüllers. Alle hatten sich unlängst über ihre Vorhaben in puncto Kirchenböbl geäußert. Aber noch nie in vereinter Runde. „Wie miteinander umgegangen worden ist“, sagte der Rathauschef, „war sehr vielversprechend.“ Die große Wende inklusive.

Zum ersten Mal haben die Leismüllers den Landwirten der Initiative angeboten, ihnen Flächen in der Immobilie zu vermieten und gleichzeitig die eigenen Produkte in deren Dorfladen zu vertreiben. Für die Gemeinde trotzdem nicht der Idealfall, weil das einen Verkauf des Kirchenböbls voraussetzt. Am Ende der Gespräche aber willigten die beiden ein, über eine Alternative mit Erbbaurecht oder einer Stiftung zu verhandeln. Heißt im ersten Falle zum Beispiel: Die Kommune bleibt Eigentümer und vermietet den Grund und Boden über einen festgelegten Zeitraum an die Brüder. „Sie könnten das Haus auch renovieren“, erklärte Zahler.

Vertagung der Entscheidung abgelehnt

In den nächsten zwei Wochen sollen die betroffenen Parteien, die gerne in dem zentralen Anwesen einziehen würden, den Leismüllers ihre entsprechenden Angaben für ihre Pläne liefern. Bis September, sagte Zahler, versuchen die Brüder, sich Gedanken über ein Raumprogramm und Nutzungskonzept zu machen. Eine gute Sache, darüber war sich das Gremium einig. „Das ist vielleicht eine Lösung“, meinte der Bürgermeister, „die allen Belangen genüge tut.“ Sogar als Paradigmenwechsel bezeichnete er die Neuigkeiten, schließlich „mussten wir davon ausgehen, dass die beiden das in Eigenregie durchziehen wollen“.

Selbst Hans Baur (Junge Mitarbeiter), Befürworter des Leismüller-Vorhabens, fand Gefallen daran. „Es haben sich Möglichkeiten ergeben, ohne das Gebäude zu verkaufen oder abzureißen“, sagte er. Die beiden Strategien über das Erbbaurecht oder eine Stiftung solle man juristisch prüfen und die Entscheidung über die Veräußerung vertagen. Vorschlag abgelehnt. Allen voran von Bernhard Neuner junior, einem der Antragssteller. Der Dorfplatz, samt Kirchenböbl, sei die „Seele der Gemeinde“, betonte der CSU-Rat. Und diese Seele dürfe nicht verkauft werden. Schon allein der späteren Generationen zuliebe. Ende der Durchsage.

Gemeinderat ein„Debattierclub ohne Entscheidungsfreude“?

Seit etwa fünf Jahren beschäftigt sich die Gemeinde mit der Zukunft des Gebäudes. Bisher ohne einschlägiges Resultat. „Wir bewegen uns permanent in Ausflüchten, um nichts entscheiden zu müssen“, betonte Neuner. Obwohl die Bürger auf etwas Handfestes drängen. Auch Zahler erachtete es als falsches Signal, das Ganze weiter zu verschieben. Weil die Wallgauer nicht den Eindruck bekommen sollen, der Gemeinderat sei ein „Debattierclub ohne Entscheidungsfreude“. Der Rathauschef führte deshalb sanft einen salomonischen Beschluss herbei. Demnach wird der Kirchenböbl nicht verkauft. Gleichzeitig aber soll die Verwaltung die beiden Varianten prüfen. Als Kompromiss für alle.

Kalkulierte Kosten

Neubau: 1,85 Millionen Euro (Berechnung nach Nutzflächen); 1,801 Millionen Euro (nach Gewerken aufgeteilt) 

Zinssatz bei Kredit: 0,463 % 

Tilgung auf 30 Jahre: 3 % 

Belastung: 5190 Euro 

Mieteinnahmen: 5420 Euro 

Grundstückswert: Bodenwert unbebaut: 517 000 Euro; Freilegungskosten: minus 72 000 Euro; Liquidationswert (zu dem Preis verkaufen): 445 000 Euro.

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