+
Darf nicht in Wallgau singen: Hans Söllner.

Isartaler als Nazis beschimpft?

Konzert abgesagt: Wallgau lässt Hans Söllner nicht singen

  • schließen

Wallgau - Wallgau hat Liedermacher Hans Söllner ausgeladen. Er wollte dort am 12. Oktober ein Konzert geben. Doch seine derbe Kritik an der Region beim G7-Gipfel ging vielen Isartalern zu weit. Sie sehen sich als Deppen und Nazis verunglimpft.

Update vom 19. Oktober 2015: Seine klaren Worte haben Hans Söllner schon öfter Ärger eingebracht. In seiner Autobiographie "Freiheit muss weh tun", legt der Liedermacher aus Bad Reichenhall eine ungeschminkte Lebensbeichte ab. Kurz vor seinem 60. Geburtstag blickt er auf sein wildes Leben zurück. Das Buch erscheint am Montag, 19. Oktober.

Konzert abgesagt: Wallgau lässt Hans Söllner nicht singen

Die Wallgauer sind sauer, beleidigt, angefressen: Was sich der bissige Liedermacher Hans Söllner erlaubt hat, geht manchen zu weit. Darum hat die Pächterin des Haus des Gastes, Veronika Horvat, ihn kurzerhand wieder ausgeladen. Söllner wollte eigentlich am 12. Oktober ein Konzert in Wallgau geben. Nun darf er nicht kommen.

Horvat war mehrfach für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dafür findet Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) deutliche Worte: „Das sehen wir nicht ein. Auf der einen Seite lassen wir uns als Deppen und Nazis beschimpfen, auf der anderen Seite will er bei uns Reibach machen.“ Das will die Gemeinde, der das Haus des Gastes gehört, „nicht mittragen“. Darum riet Zahler der Pächterin, als sie ihn in Bezug auf das Konzert um seine Meinung bat, „das eher nicht zu tun“. Zumal Söllners derbe, provozierende Lieder „wirtschaftlich motiviert sind. Das ist sein Image, mit dem er Geld macht“. 

Auf der Homepage von Söllner ist ein Auszug aus der Absage zu lesen: „... leider ist es wirklich so, dass Herr Söllner bei Facebook unsere Einheimischen als Nazis beschimpft und die ganze Gemeinde als Deppen hingestellt hat . . . Der Großteil unserer Dörfer ist sehr verärgert über seine Aussage.“

Was einige Wallgauer so erbost: Söllner hatte sich beim G7-Gipfel über die Region und ihr Image lustig gemacht. Wie auch einige weitere Spötter, nahm er vor allem die weiß-blaue Bayern-Idylle beim Besuch von US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Krün zum Anlass für hämische Worte. Auf seiner Internetseite schreibt er: „Ich kann mir nur vorstellen, dass es um diese Posts vom 9. Juni geht: „. . . Ist das jetzt ein Schwarzer unter lauter Schwarzen oder ein Schwarzer unter lauter Braunen oder ein Farbiger unter lauter Schwarzen oder ein Brauner unter lauter Farbigen oder einfach nur einer, der sich nichts mehr denkt und scheißt unter lauter anderen, die sich auch nichts denken und auf alles scheißen? . . . Merkt Ihr nicht, dass Ihr hier als Deppen vorgeführt werdet? Die ganze Welt lacht über dieses Eingeborenen-Spektakel. Ich hab’ schon gewusst, dass die Hemmschwelle ziemlich nieder ist hier bei uns, aber dass es noch einer schafft, aufrecht unten durch zu gehen, das macht mir schon Angst. Aber Euch ist wirklich nichts zu blöd. Schama dad i mi!

Das war für einige Isartaler zu viel. Der Liedermacher, der ebenfalls nicht persönlich erreichbar war, lässt die Absage nicht unkommentiert. Natürlich in gewohnt scharfer Art und Weise: „Ihr Heimatverbundenen und Traditionsbesessenen bauernschlauen Gemeinde- und Haus-des-Gastes-Verwalter habt dieser Welt da draußen gezeigt, dass es in unserem Land keine Demokratie gibt, sonst hätte dieser Gipfel nicht stattfinden können. . . . Ich möchte noch einmal betonen – denn ich bin mit Leuten von dort in Kontakt – dass nicht ein Großteil der Dörfer über mich, sondern über Euch Betreiber, Befürworter, Verdiener und Statisten des G7 verärgert ist . . . An Eurer Stelle würde ich mich wirklich sehr schämen, den Leuten aus Eurer Region einen Besuch meines Konzertes auf diese Art und Weise zu verbieten. Ihr zeigt ihnen damit, dass sie das sind, was Ihr von ihnen haltet: zu blöd, eine Entscheidung selbst zu treffen . .  .“ 

Bei vielen Fans trifft Söllner damit den Nerv: Sowohl auf Facebook als auch auf seiner Internetseite wird die Konzert-Absage rege diskutiert. Zu 90 Prozent richtet sich die Wut gegen Wallgau. „Mein aufrichtiges Beileid für diese Ortschaft. Ein ganzes Dorf Hirnfreier ist schon rar“, schreibt eine Nutzerin. Wehrt sich jemand gegen diese Vorwürfe – „Da ist der Hans selber schuld, wenn er sie als Nazis und Deppen bezeichnet. Ach ja, bei euch und Hans sind ja immer die anderen Schuld“, wie ein weiterer Nutzer zu bedenken gibt, – wird er von Anhängern massiv kritisiert und beschimpft. Beschimpfen lassen wollen sich die Wallgauer nicht – und zeigen Söllner die Rote Karte.

Janine Tokarski

Hans Söllner: Man klatscht nicht für Flüchtlinge

Hans Söllner ist am Donnerstag noch wegen anderen Gründen im Gespräch. Der Berufs-Provokateur hat sich per Facebook zur Willkommenskultur in Deutschland geäußert - von Klatschen hält er nichts.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf Parkdeck: Mann (25) hält Mädchen (13) über eine Stunde fest und begrabscht sie 
Schreckliches musste eine 13-Jährige in Murnau erleben: Ein Mann (25) hielt sie fest und bedrängte sie sexuell. Nun sucht die Polizei dringend ein bestimmtes Pärchen.
Auf Parkdeck: Mann (25) hält Mädchen (13) über eine Stunde fest und begrabscht sie 
Haushalt 2019 zeigt die positive Entwicklung
Oberau befindet sich im Boom und wächst und wächst. Der Haushalt für 2019 bewegt sich auf die Zehn-Millionen-Grenze zu. Investiert wird vor allem in den Kindergarten.
Haushalt 2019 zeigt die positive Entwicklung
Dramatischer Bergwacht-Einsatz: Frau rutscht ab - und bleibt an Wurzel über Abgrund hängen
Ohne die Wurzel wäre Schlimmeres passiert. An ihr hat sich eine Frau festgehalten und die Bergwacht alarmiert. Sie war auf dem Weg zum Ettaler Mandl abgerutscht.
Dramatischer Bergwacht-Einsatz: Frau rutscht ab - und bleibt an Wurzel über Abgrund hängen
Bayerische Seen von Instagram-Touristen überrannt - so will ein Rathauschef die Horden erziehen
Barmsee und Geroldsee in Oberbayern sind als Motive für Fotos im sozialen Netzwerk Instagram zu Berühmtheit gelangt. Der Bürgermeister der Gemeinde Krün will den …
Bayerische Seen von Instagram-Touristen überrannt - so will ein Rathauschef die Horden erziehen

Kommentare