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In Wallgau bewegt sich was

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Von: Christof Schnürer

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Vielleicht schon bald im Gemeindebesitz: Auf der aktuell verwilderten Lagerfläche (Bildmitte) soll das Wallgauer Gewerbegebiet nach Osten erweitert werden. Von der anschließenden Wiese (links unten), die einen sinnvollen Abschluss bilden würde, kann man im Rathaus dagegen nur träumen.
Vielleicht schon bald im Gemeindebesitz: Auf der aktuell verwilderten Lagerfläche (Bildmitte) soll das Wallgauer Gewerbegebiet nach Osten erweitert werden. Von der anschließenden Wiese (links unten), die einen sinnvollen Abschluss bilden würde, kann man im Rathaus dagegen nur träumen. © Dominik Bartl

Es könnte gut sein, dass die Erweiterung des Wallgauer Gewerbegebiets nun spürbar vorankommt. Der Bürgermeister will dahingehend positive Signale wahrgenommen haben.

Wallgau – Der Bürgermeister deutet es lediglich an. Aber offenbar wirkt der bevorstehende G7-Gipfel in Schloss Elmau (26. bis 28. Juni) auch in Wallgau Wunder. Bei den seit Jahren festgefahrenen Verhandlungen mit „Immobilien Freistaat Bayern“ (IMBY) über die Osterweiterung des Gewerbegebiets (wir berichteten) kommt urplötzlich Bewegung in die Angelegenheit.

Den Ausschlag dafür gab offenbar ein Gespräch zwischen Zweitem Bürgermeister Bernhard Wilde (Wählerverein) und einem ranghohen Vertreter des bayerischen Innenministeriums am Rande eines G7-Treffens. Wilde soll dabei den Mann aus München an die schlechten Erfahrungen mit der IMBY hingewiesen haben, die im Auftrag des Freistaats Grundstücksgeschäfte abwickelt.

Denn obwohl für das fragliche 14 500-Quadratmeter-Areal seit acht Jahren ein Wertgutachten vorliegt und der Eigentümer, die Bayerischen Staatsforsten, einem Verkauf zugestimmt haben, bleibt IMBY für die Rathaus-Verantwortlichen ein Phantom, sieht man mal von einigen E-Mails ab. Nach dem Wilde-Gespräch ist alles anders. „Und siehe da, schon hat sich eine Mitarbeiterin gemeldet“, sagte der IMBY-geschädigte Bürgermeister Bastian Eiter (Wählerverein) mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Endlich verfügt die kaufwillige Kommune über eine Ansprechpartnerin, die von sich aus den Dialog sucht – sozusagen eine Zeitenwende.

In diesem Kontext folgt der deutliche Rat, man möge die Fläche entlang der Finz nicht auf Vorrat kaufen, sondern sofort entwickeln. Was die Gemeinde im Übrigen schon viele Jahre vor hat. So beschloss der Gemeinderat am Donnerstag einstimmig die Aufstellung des Bebauungsplans Nummer 24 „Gewerbegebiet II“. Damit geht es auch in puncto Bauleitplanung in eine verheißungsvolle Richtung. In der Praxis heißt das: Die Isar- und die Flößerstraße, die das bestehende und das künftige Gewerbegebiet – aktuell eine wilde Lagerfläche – flankieren, werden erweitert und im Osten schließlich verbunden. Sie umfassen ein Areal, das nicht ganz frei von Bodenbelastungen ist. „Verunreinigungen sind drin, das ist nachgewiesen“, unterstreicht Eiter. Allerdings stellen sie ihm zufolge keine Gefahr fürs Grundwasser dar.

Es wird nicht jeder das bekommen, was er möchte.

Bürgermeister Bastian Eiter

Die Nachfrage nach Gewerbe-Grundstücken ist nach wie vor groß. Mehr noch: „Der Bedarf ist weitaus höher“, betont Eiter. „Es wird nicht jeder das bekommen, was er möchte.“ Flächenwünsche um die 5000 Quadratmeter bezeichnet er daher als völlig illusorisch. Das gilt auch für den ins Spiel gebrachten Ankauf des östlich gelegenen Weidelands. Dabei handelt es sich nämlich um eine sogenannte Öko-Ausgleichsfläche. „Die ist auf Jahrzehnte für uns blockiert“, erläutert Eiter.

Robert Krebs vom Forstbetrieb Bad Tölz erklärt den Hintergrund. Das Grundstück – ehemals ein „hässlicher Lagerplatz“ – wurde von den Staatsforsten in hochwertiges Grünland umgewandelt. Dafür gab’s sogenannte Öko-Punkte. Und als Öko-Konto-Betreiber sind die Staatsforsten selbst in der Lage, diese zu vermarkten. Im Falle Wallgau dem Vernehmen nach an einen Investor aus dem Berchtesgadener Land. „Wir haben den Grund nicht verramscht“, versichert Krebs. „Er bleibt beim Freistaat.“ Nicht zuletzt aufgrund von Weiderechten würde er ohnehin nicht zum Verkauf stehen. Der Forst vergibt also für Flächen auf Wallgauer Flur ohne Wissen der Gemeinde Öko-Punkte an Auswärtige. „Ob das alles so rechtens ist?; fragt sich Gemeinderat Sepp Berwein (Wählerverein). Allem Anschein nach schon.

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