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Er gehört zu uns: Posthalter Bernhard Neuner junior (r.) und dessen Ehefrau Doris haben ihren Jakob längst ins Herz geschlossen.

Seit 40 Jahren im Hotel Post Wallgau 

Jakob Schaffer: Ein feiner Herr ohne Allüren

40 Jahre am Stück im selben Betrieb arbeiten – das kommt in der Gastronomie sehr selten vor. Ein Paradebeispiel für Treue und Loyalität ist Jakob Schaffer (64). In vier Dekaden ist der charmante Österreicher im Wallgauer Posthotel bei Einheimischen und Gästen gleichermaßen zur geachteten und vor allem beliebten Institution gereift.

Wallgau – Es mag ja einige Grantler in der Gastronomie geben, die bereits ausflippen, wenn sie zwei Tische gleichzeitig bedienen müssen. Über solche Kollegen kann Jakob Schaffer (64) nur milde lächeln. Er behält Ruhe und Überblick – und ist die Schlacht am Büffet noch so groß, Jakob Schaffer bleibt ruhig, gelassen und zuvorkommend. „Jeder ist von seinem Charme gefangen“, schwärmt seine Chefin Doris Neuner. Sie und ihr Mann Bernhard wissen, was sie an ihrem Ober haben – er ist ein Unikat, ein Glücksfall für das Hotel Post. Seit genau 40 Jahren arbeitet der Österreicher in der Wallgauer Traditionsgaststätte – eine Erfolgsgeschichte.

Die aber ein bisserl holprig beginnt. Schaffer erinnert sich an die Anekdote Ende der 1970er, als wär’s heute. Im Postsaal ist wieder viel los. Der junge Mann aus der Steiermark bahnt sich mit einem Riesentablett den Weg durchs Getümmel. Auf der Galerie passiert ihm ein Missgeschick. Im kommt der Teller aus. Späzle und Preiselbeeren landen direkt auf der Frisur der Sekretärin. „Die hat einen Monat lang nicht mehr mit mir geredet“, erzählt Schaffer.

Die Schönheitskönigin von Schneizlreuth

Auch bei einer anderen Dame zog sich der Herr Ober einen Schiefer ein – genauer gesagt, war’s eine eher rundliche Frau, die er höflichst aus der Gaststube hinaus komplimentieren wollte. „Entschuldigen’s bitte, hier singt gleich die Schönheitskönigin von Schneizlreuth“, meinte er mit österreichischer Nonchalance. Dumm nur, dass genau jene dralle Besucherin der Überraschungsgast war, der beim Geburtstag des damaligen ADAC-Präsidenten Franz Stadler auftreten sollte.

Solche Missgeschicke passieren eben auch einem Profi wie Jakob Schaffer. Dieser stolperte 1977 in Genf über ein kleines, unscheinbares Inserat. „Da suchte ein Posthotel in Wallgau Personal.“ Kurze Zeit später landete der Bursch aus Fladnitz/Steiermark bei der Wirtsfamilie Neuner. Was Arbeit bedeutet, wusste der Bergbauernbub, der sieben Geschwister hat, schon von Geburt an. „Doch wer Freude an seiner Arbeit hat, der hat’s relativ einfach.“

Mit Fleiß und Loyalität

Und so diente sich die stets aus dem Ei gepellte Servicekraft dank Fleiß, Loyalität und Kompetenz in der Post nach oben. 1982 legte er die Meisterprüfung ab. „Der Jakob lebt seinen Beruf, so einen wie ihn, den gibt’s nicht mehr“, weiß Postchef Neuner die Verdienste seiner Führungskraft gar nicht hoch genug einzuschätzen. Im Spaß fügt er hinzu: „Wenn er mal geht, dann stopf’ ich ihn aus und stell’ ihn bei uns auf.“ Sozusagen als Paradebeispiel für gelebte Gastlichkeit.

Doch noch ist es nicht so weit. Am 20. Juni wird Schaffer 65 Jahre alt. Dann hätte der Vater einer Tochter (Bernadette, 32) und eines Sohnes (Constantin, 28) eigentlich das Rentenalter erreicht. Aber so ganz lassen kann der treue Jakob von seiner geliebten Post trotz zweier neuer Hüften („Die viele Schlepperei“) nicht. Die Frage nach seinem Ausstieg lächelt der feine Herr ohne Allüren einfach weg. Wo er seine Frau Jutta kennenlernte? Was für eine Frage...

Christof Schnürer

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