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Eine Frau, ein Wort: Im Gemeinderat Wallgau spricht Julia Schwarzenberger Klartext.

Erneut Rücktritt in der Volksvertretung

Wallgauer Gemeinderat: Warum nun auch die letzte Frau zurücktritt

Julia Schwarzenberger war eine kritische Stimme im Wallgauer Gemeinderat - nun gibt sie ihren Rücktritt bekannt. Ihre Entscheidung hat vor allem private Gründe.

Wallgau – Dass sie im März 2014 den Sprung ins Gemeinde-Parlament schaffte, glich einer Sensation. Denn Julia Schwarzenberger (Wählerverein), die gebürtige Burghauserin, hatte nicht ansatzweise Wallgauer Stallgeruch. Erst 2010 hatte sich die studierte Sportmanagerin im 1400-Seelen-Dorf niedergelassen. Doch das kommunalpolitische Engagement der 38-Jährigen bleibt eine Episode. In der nächsten Gemeinderats-Sitzung am 22. März wird sie ihr Mandat schweren Herzens aufgeben. „Es war eine ganz schwierige Entscheidung“, sagt Schwarzenberger. Eine, die sie ihren Amtskollegen vor kurzem im internen Kreis darlegte.

„Sie hat sich von sich aus erklärt“, bestätigt Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU). Mehr möchte der Rathauschef mit Verweis auf den nicht-öffentlichen Charakter der Sitzung nicht verraten. Inzwischen liegt Schwarzenbergers Rücktrittsgesuch in schriftlicher Form bei ihm auf dem Tisch. Die Noch-Gemeinderätin hat es am Mittwoch abgeschickt.

Rückkehr nach Burghausen

In knapp drei Wochen also hört die politische Seiteneinsteigerin wieder auf. Und das hat einen handfesten, privaten Grund. Sie übernimmt den in ihrer Heimatstadt den elterlichen Traditionsbetrieb, die Manufaktur „Stephan Barbarino“. Bereits seit September 2017 wohnt die Tochter von Seniorchefin Manuela Barbarino-Wagner mit ihren vier Kindern – elf, zehn, acht und sechs Jahre alt – wieder in der Burghauser Altstadt und arbeitet sich dort in das renommierte Dirndl-Geschäft ihrer Vorfahren ein. Bislang lebten sie und ihr Mann Georg noch mit Zweitwohnsitz in Wallgau. Doch das ist am 31. März ebenso vorbei. In dieser Zeit pendelte Schwarzenberger zu den Gemeinderatssitzungen zwischen zwei Welten. „Das war’s mir wert“, versichert sie. „Doch ich kann das nicht mehr, das ist ein organisatorischer Wahnsinn.“ Leicht ist ihr der Abschied nicht gefallen. „Denn natürlich habe ich Wallgau geliebt.“

Auszeit als Sennerin

Abgesehen von der Geburt ihrer Kinder bezeichnet Schwarzenberger, die sogar mal als Sennerin auf einer Alm eine Auszeit nahm, ihre Wahl zur Gemeinderätin als „den größten Erfolg meines Lebens“. Ihr Mandat nahm sie mit Courage und Engagement wahr. In heiklen Themen sprach sie Klartext. Was mitunter auch der Bürgermeister zu spüren bekam. Gerade beim Dauer-Streitpunkt Kirchenböbl, den sie unbedingt erhalten möchte, positionierte sich die Frau vom Wählerverein eindeutig. Warum die Mehrheit partout die Gebrüder Leismüller mit der Idee einer Schau-Brennerei verhindern wollen, ist der Zugereisten nach wie vor ein Rätsel. „Die wollen einfach nicht“, lautet Schwarzenbergers bitteres Fazit. Den Blickwinkel von außen hat sie dabei immer behalten. Darauf legt die Gemeinderätin mit dem Kämpferherz besonderen wert. Sie zeigt sich sogar froh darüber, nicht Teil dieses Wallgauer Familien- und Dorfgeflechts gewesen zu sein. Deshalb kann sie Debatten wie beispielsweise über den Kirchenböbl oft nicht nachvollziehen.

Erst Stelzl, dann Schwarzenberger

Mit dem Ausscheiden von Julia Schwarzenberger mutiert der Gemeinderat nun endgültig zur frauenfreien Zone. Bereits im August 2016 hatte die andere Dame im Rat die Reißleine gezogen. Im Gegensatz zu Schwarzenberger sah sich Veronika Stelzl (CSU) immer wieder Anfeindungen aus der Bevölkerung ausgesetzt. „Ich hab’ schnell bemerkt, dass es als zugezogene, junge Frau nicht einfach ist, sich in dieser Position bei den Bürgern zu behaupten“, sagte die gebürtige Kaltenbrunnerin seinerzeit gegenüber dem Tagblatt.

Doch wer folgt nun eigentlich Schwarzenberger im Gemeinderat nach? Dem Vernehmen nach sollen sowohl Kathrin Breith als auch Michael Sperer aus privaten beziehungsweise beruflichen Gründen abgewunken haben. Somit wäre beim Wählerverein nun Nachrücker drei an der Reihe: Bastian Eiter. Wie seine Vorgängerin irgendwie ein Paradiesvogel. Denn abgesehen davon, dass er kein reinrassiger Einheimischer ist, soll er auch SPD-Mitglied sein – und das im erzschwarzen Wallgau.

Christof Schnürer

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